Wie ein Zuger vom Rugby-Profi zum Brückenbauer wurde

Einst spielte der gebürtige Nigerianer Emmanuel Amapakabo als Rugby-Spieler für europäische Topvereine. Heute berät er  von Zug aus Unternehmen, wenn es darum geht, in Afrika geschäftliche Beziehungen aufzubauen.

Thomas Heer
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Geht seinen ganz eigenen Weg: Emmanuel Amapakabo. (Bild: Pius Amrein, Zug, 11. Juni 2019)

Geht seinen ganz eigenen Weg: Emmanuel Amapakabo. (Bild: Pius Amrein, Zug, 11. Juni 2019)

Eigentlich hätte Emmanuel Amapakabo keinen wirklich zwingenden Grund gehabt, sein Heimatland zu verlassen, damals in den 1980er-Jahren. Geboren in eine gut situierte Familie aus der Region Biafra im Osten Nigerias, standen dem Teenager viele Möglichkeiten offen, in diesem westafrikanischen Staat, Karriere zu machen. Der Heranwachsende überlegte es sich aber anders und fällte den Entscheid, nach Frankreich auszuwandern. Aus sprachlichen Gründen wär es für ihn wohl einfacher gewesen, zum Beispiel nach Grossbritannien zu emigrieren. Schliesslich zählt das Englische zu Nigerias Amtssprachen.

In Bordeaux schrieb der junge Mann aus Afrika sich dann an der Universität in der Wirtschaftsfakultät ein. Und er schloss Jahre später das Studium mit einem Bachelor ab. Für Emmanuel Amapakabo ging’s vorerst dann aber nicht darum, in der Geschäftswelt Fuss zu fassen.

Seine Statur prädestiniert ihn für den Rugby-Sport

Er hatte erst mal ganz anderes vor. Und das hängt vor allem auch damit zusammen, dass es sich beim Nigerianer um eine Person handelt, die dank aussergewöhnlicher Voraussetzungen aus der Masse heraussticht und daher für einige Sportarten beste Voraussetzungen mitbringt. Denn bei ihm verteilen sich 120 Kilo auf eine Körpergrösse von knapp zwei Meter. Emmanuel Amapakabos sportliche Ambitionen führten ihn schliesslich auf die Rugby-Felder. Und das mit grossem Erfolg. Denn der Hüne spielte unter anderem für Stade Toulousain, dem mehrfachen französischen Champion im 15er-Rugby. Amapakabo stand während seiner 12-jährigen Karriere zudem auch bei den Saracens unter Vertrag. Der Club aus dem nördlichen Einzugsgebiet von London feierte in seiner Geschichte bereits mehrere englische Meistertitel. Amapakabo lebte gut von seinem Sport. Rückblickend sagt er über seine Karriere als Profi:

«Das Rugby hat einerseits meine mentale Stärke gefördert. Andererseits habe ich auch gelernt, fokussiert auf ein Ziel hin zu arbeiten. Und nicht zuletzt hat mich dieser Sport, bei dem jeder auf den anderen angewiesen ist, bezüglich Solidarität weitergebracht.»

Von Frankreich aus siedelte der heute 45-Jährige in die Schweiz über. Zuerst in Genf und dann in Zug fand er neue Lebensmittelpunkte und arbeitete in diesen Städten unter anderem im Rohstoffhandel. Zu Beginn des letzten Jahres gründete er schliesslich seine eigene Firma, die Via Monde Commodities AG. Der Firmeninhaber versteht sich als Dienstleister, der Unternehmern, aber auch Vertretern von NGO aus Europa beim Einstieg in den afrikanischen Markt unterstützt. Amapakabo sieht sich dabei in der Rolle als Brückenbauer zwischen Afrika und dem Rest der Welt. Via Monde steht zurzeit auch mit verschiedenen Zuger Firmen in Kontakt. Dabei geht es unter anderem um den Aufbau von Produktionsstätten in Afrika.

Das Potenzial junger Leute

Schon seit Jahrzehnten sind die Chinesen auf dem afrikanischen Markt unterwegs. Früher mehr als klassische Entwicklungshelfer, heute vorzugsweise als Geschäftsleute, die vor allem die gigantischen natürlichen Ressourcen im Auge haben. Zum chinesischen Engagement auf seinem Heimatkontinent meint Amapakabo: «Die intelligenten Leute merken, dass die Chinesen oft nicht fair vorgehen. Aber immerhin führt die erhöhte chinesische Präsenz dazu, dass auch das Interesse der Europäer an Afrika gestiegen ist.» Gute Voraussetzungen für Engagements sieht Amapakabo in dem Umstand, dass es auf dem Kontinent eine hohe Zahl an jungen Leuten gibt, die, wie er sagt, «sehr ambitioniert und untereinander gut vernetzt via Social Media sind.»

Afrika eilt der Ruf nicht voraus, dass sich in diesem Teil der Welt viele gut regierte Länder finden lässt. Trotzdem gibt es Lichtblicke. Amapakabo nennt zum Beispiel Ruanda. Der kleine Staat im zentralen Afrika erlebt derzeit 25 Jahre nach dem Völkermord eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Das hänge, so Amapakabo, auch mit dem Präsidenten Paul Kagame zusammen, der dem Land ein starker Führer sei und zumindest innenpolitisch als Versöhner zwischen den Volksgruppen auftrete.