Vom Sinn und Zweck der Atelierstipendien

Die fragwürdige Vergabe eines Atelierstipendiums durch die Stadt Zug hat neulich für Aufsehen gesorgt. Was taugen diese Stipendien eigentlich, und wie kommen sie bei den Empfängerinnen und Empfängern an?

Andreas Faessler
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So genannte Atelierstipendien gelten als probates Mittel der Kulturförderung. Kantone, Gemeinden, Stiftungen oder kulturelle Institutionen unterschiedlicher Art vergeben solche Stipendien, die es Kulturschaffenden ermöglichen, an einem Ort fernab von zu Hause temporär ihre künstlerische Tätigkeit auszuüben und wertvolle Praxiserfahrung in einem neuen Umfeld zu sammeln. So grundsätzlich die Idee.

Wenn nicht gerade eine zweifelhafte amtsinterne Vergabe für Aufregung sorgt, wie neulich im Falle der Stadt Zug, dann gilt diese Art Fördermittel durchaus als angesehen, beliebt und nachhaltig. Das bestätigen nicht zuletzt diejenigen, die es am besten wissen müssen: die Stipendiatinnen und Stipendiaten persönlich. Unter ihnen etwa Ramon Hungerbühler. Der gebürtige Zuger und multidisziplinäre Künstler erhielt 2017 von der Stadt Zug das Atelierstipendium für Genua, wo er drei Monate lang seinem Schaffen nachgehen konnte. Von einem fremden Ort für das konzentrierte Arbeiten weg von zu Hause hatte er sich viel versprochen. Und seine Erwartungen wurden erfüllt: «Ich habe von den drei Monaten in Genua maximal profitiert», so Hungerbühler rückblickend. «Damals ist ein ganzes Buch entstanden. Auch für mein künftiges Schaffen habe ich aus Genua sehr viel mitnehmen können.» Nach seiner Rückkehr erhielt Hungerbühler auch gleich noch ein Stipendium der Stadt Zürich für Paris.

Bereichernd für beide Seiten

Auch die Zuger Fotografin Alexandra Wey gehörte schon zu den Auserwählten für das Atelierstipendium der Stadt Zug. 2015 verbrachte sie ein halbes Jahr in Kairo, wo sich auch für sie der Zweck auf ganzer Linie erfüllte. «Ich habe zahlreiche Künstlerkolleginnen und -kollegen getroffen, von denen ich sehr viel gelernt habe», so Alexandra Wey. Es sei überaus erbaulich, die Arbeitsweise von Kollegen in einem anderen Land kennen zu lernen, denn sie unterscheide sich zuweilen deutlich von der eigenen. «In einem fremden Land live dabei zu sein, ist bereichernd. Nicht nur für mich, sondern auch für die Einheimischen», sagt die Zugerin, die bis heute Freundschaften in Kairo pflegt.

Berlin, New York und «Atelier Flex»

Stipendien dieser Art vergibt neben der Stadt auch der Kanton Zug – er unterhält ein Atelier in Berlin und gemeinsam mit den Kantonen Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden eines in New York. 2013 hat der Kanton Zug zudem das so genannte Reisestipendium «Atelier Flex» eingeführt, mit welchem ein individuelles Projekt unterstützt wird, das nicht an einen festen Standort gebunden ist.

Von der Geberseite her zeigt man sich ebenfalls sehr zufrieden mit dem bewährten Fördermittel. «Der Kontakt mit der Basis vor Ort, das fokussierte und konzentrierte Arbeiten in ungewohnter Umgebung ist für die Stipendiatinnen und Stipendiaten sehr wertvoll», sagt Aldo Caviezel, Leiter des kantonalen Amtes für Kultur. Besonders aufschlussreich sind die zahlreichen Videoporträts von Zuger Stipendiumsempfängern, in denen sie über ihre Erfahrungen und den Nutzen des Atelieraufenthaltes in New York sprechen. Die Videos sind abrufbar auf der Homepage des Kantons Zug, Amt für Kultur, Subrubrik Ateliers. Und wie nicht anders zu erwarten: Die Interviewten berichten fast ausschliesslich über erfreuliche, nützliche Erfahrungen während ihres Aufenthaltes in der Fremde.

Abschliessend lässt sich sagen, dass der gute Ruf, welcher den Atelierstipendien vorauseilt, durchaus berechtigt ist und sowohl die heimische Kunstszene wie auch der einzelne Begünstigte des Fördermittels stark davon profitieren kann.