Vom Zugersee an Land: Die MS Rigi ist bereit für den Frühlingsputz

Alle sechs Jahre muss ein Passagierschiff der Zugersee Schifffahrt zur Kontrolle an Land gebracht werden – diesmal ist die MS Rigi dran.

Andrea Muff
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Vom Zugersee zieht Nebel an Land. Das Hafenrestaurant ist in dicke Schwaden eingepackt. Direkt neben dem Gebäude in der Stadt Zug herrscht geschäftiges Treiben. Männer mit Helmen in orangen und gelben Westen rufen sich Kommandos zu, immer wieder sind Funksprüche zu hören. Es herrscht keine Hektik. Jeder ist auf seine Aufgabe konzentriert: Die MS Rigi wird ausgewassert.

Alle sechs Jahre wird die MS Rigi von der Flotte der Zugersee Schifffahrt an Land geholt. Wie bei Fahrzeugen auf der Strasse muss ein Schiff nach einer vom Bundesamt für Verkehr (BAV) vorgeschriebenen Zeit zur Kontrolle. «Wir reinigen, untersuchen die Schale etwa auf Rostbefall und streichen sie. Zum Schluss prüft das BAV die MS Rigi auf ihre Verkehrstüchtigkeit», erklärt Philipp Hofmann, Leiter Markt. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) und in seiner Funktion auch zuständig für die Zugersee Schifffahrt, die Zugerberg Bahn sowie die Ägerisee Schifffahrt.

Am Mittwochmorgen wird die MS Rigi bei Nebel ausgewassert.
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Zehn Mitarbeiter der Zugersee Schifffahrt sind im Einsatz und garantieren einen schnellen Ablauf.
Mit vereinten Kräften befestigen die Mitarbeiter die temporäre Treppe.
Die beiden Propeller der MS Rigi werden ausgewechselt.
Auf speziell für die MS Rigi konstruierten Wagen wird die MS Rigi an Land gezogen.
Auf Schienen wird das Passagierschiff an Land gezogen.
Die MS Rigi steht nun für ungefähr drei Wochen neben dem Hafenrestaurant in Zug und wird gereinigt.
Kapitän Benjamin Schacht (rechts) und Philipp Hofmann, Leiter Markt der ZVB, begutachten die Schale.
Während der sechs Jahre im Wasser hat sich einiges angesammelt.

Am Mittwochmorgen wird die MS Rigi bei Nebel ausgewassert.

Maria Schmid (Zug, 8. Januar 2020)

Ein Taucher sieht unter Wasser nach dem Rechten

Es ist 9 Uhr und die beiden Propeller der MS Rigi ragen bereits fast komplett aus dem Wasser – viele Meter sind es nicht mehr, bis das gesamte Schiff an der frischen Morgenluft steht. Seit eineinhalb Stunden arbeiten zehn Männer daran, das 220 Tonnen schwere Schiff ohne Schaden an Land zu bringen. Noch schwimmend fährt die MS Rigi auf zwei sogenannte Wagen. Eine Metall-Holz-Konstruktion, die genau auf die Schale des Schiffes angepasst ist und es tragen kann. Die Wagen werden per Seilwinde auf einer Schiene an Land gezogen. Um das Passagierschiff auf die Wagen zu platzieren, ist Millimeter-Arbeit gefordert.

Technische Daten MS Rigi

Die MS Rigi wurde am 20. April 1992 in Betrieb genommen und am 30. März 2011 saniert. Das Zwei-Deck-Diesel-Motorschiff weist eine Kapazität für 450 Passagiere auf, ist über alles 46,5 Meter lang und 9,5 Meter breit. Das Passagierschiff hat einen Tiefgang von 1,6 Metern. Angetrieben wird es von zwei Motoren, die jeweils über eine 373-PS-Leistung verfügen. Mit den beiden 5-Blatt-Propellern ist das Schiff mit maximal 28 Stundenkilometern gemütlich unterwegs. Die MS Rigi hat einen Panoramasaal, ein Hauptdeck, eine Bar sowie ein grosses Freideck.

Bei der Präzision hilft ein Taucher. Thomas Nief durfte am Mittwochmorgen ins kalte Nass springen. «Ich schätze, das Wasser hatte so sechs Grad», sagt er. «Aber das Kälteste ist eigentlich das Umziehen.» Nief hat bereits bei mehreren Auswasserungen von Motorschiffen unter Wasser nach dem Rechten gesehen. «Es geht an diesem Standort nicht ohne Taucher. Ich muss auch erst die Schienen von Schlamm und Ästen befreien», erklärt er. Seine Kommunikation läuft über einen Kollegen, der am Steg auf seine Zeichen und Anweisungen achtet. Entweder gibt er diese an den Kapitän per Funk weiter oder die anderen Kollegen ziehen das Schiff jeweils mit Eisenstangen ein paar Zentimeter mehr nach links oder rechts. «Ab einem gewissen Punkt wird der Antrieb ausgeschaltet», weiss Thomas Nief.

Ein Kapitän mit 30 Jahren Erfahrung

Wie wichtig bei der ganzen Prozedur die Funkdisziplin ist, bestätigt Kapitän Benjamin Schacht. Er manövrierte die MS Rigi punktgenau auf die Wagenstützen. «Es braucht Fingerspitzengefühl», sagt der Kapitän mit 30 Jahren Erfahrung. Es werde zwar alles im Büro geplant, aber ein geschultes Auge vor Ort sei wichtig, findet Schacht. Philipp Hofmann fügt hinzu: «Da die Auswasserung nur alle sechs Jahre stattfindet, sind auch immer neue Teammitglieder dabei.»

Sobald das Schiff die richtige Position hat, wird das Seil langsam eingezogen: Die MS Rigi kommt von Minute zu Minute mehr aus dem Wasser. Sie gibt frei, was in den vergangenen sechs Jahren vom Zugersee an ihr haften blieb: Algen, Schlamm, Dreck. «Jetzt werden wir das Schiff mit dem Hochdruckreiniger abspritzen, die Schale abschleifen und sie neu streichen. Auch das Deck reinigen wir und bessern wo nötig mit Farbe aus», erklärt Hofmann und fügt hinzu: «Es ist quasi ein Frühlingsputz im Januar.»

Der aktuelle Zeitpunkt eigne sich besonders gut für eine Auswasserung, sagt Philipp Hofmann weiter. «Die MS Rigi bleibt jetzt für ungefähr drei Wochen hier neben dem Hafenrestaurant stehen. Da im Januar niemand anderes sein Schiff auswassert, können wir diesen Platz blockieren», präzisiert er. Nun wird eine Art Zelt über das fast 50 Meter lange Passagierschiff gebaut. Dann beginnt laut Hofmann die Knochenarbeit. Auf dem Rücken liegen die Schifffahrtsangestellten unter der MS Rigi und befreien die Schale vom angesammelten Dreck. Die Arbeiten finden bei jeder Witterung statt, einzig beim Streichen muss eine Temperatur von mindestens acht Grad herrschen.

Gute Teamleistung, klare Rollenaufteilung

Als das Schiff bereits um 9.40 Uhr vollständig an Land steht, sind die Verantwortlichen sichtlich erleichtert und sprechen vom «Best Case». Philipp Hofmann erklärt: «Dank der guten Teamarbeit und der klaren Rollenaufteilung ist es sehr schnell gegangen.» Auch Kapitän Benjamin Schacht betont die gute Teamleistung. «Es ist immer wieder spannend, dabei zu sein», resümiert er und fügt hinzu: «Man lernt das Schiff besser kennen. Es ist wichtig, dass die Mannschaft nahe am Schiff ist.» Denn die meisten Teammitglieder, die bei der Auswasserung geholfen haben, sind im Sommer als Kapitäne oder Matrosen auf dem Zugersee unterwegs, andere wiederum Bedienen die Zugerberg Bahn oder fahren einen Linienbus.

Ab Ostern fährt die MS Rigi wieder ihren angestammten Linienkurs auf dem Zugersee. Dann aber frisch geputzt und mit neuer Farbe.