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Von Berlin zum Mond und zurück

Aus wenig mach viel: Mit einer temporeichen Kompaktversion von Paul Linckes Erfolgsoperette «Frau Luna» sorgt die Quickchange Company in der Gewürzmühle Zug für hochunterhaltsame 80 Minuten.
Andreas Faessler
Steppke macht sich mit Pannecke und Lammermeier im «Expressballon» auf zum Mond. Bild: Maria Schmid (Zug, 23. August 2018))

Steppke macht sich mit Pannecke und Lammermeier im «Expressballon» auf zum Mond. Bild: Maria Schmid (Zug, 23. August 2018))

Was tun, wenn man dem Ruf des Mondes als Inbild seiner Sehnsüchte folgen will? Ganz einfach: Man baut sich ein Luftschiff, schnappt sich zwei Freunde und fliegt hin. Dumm nur, wenn sich die kratzbürstige «Schwiegertante» in spe auch noch dranhängt und mit ins All schwebt – leicht und sans-façon. Oben angekommen, wird dann doch alles anders als erwartet: Der Mann im Mond ist in Wahrheit eine reizende Dame, die genauso wenig vor «irdischen» Gefühlen gefeit ist wie ihr Hofmeister, der bei einem Besuch auf der Erde ein kurzes Techtelmechtel mit derjenigen von ihm schnell wieder «kaltgestellten» Erdenbürgerin hatte, welche ihm nun auf dem Mond gegenübersteht. Schliesslich erkennen alle: Auch hier oben verhält es sich mit der Liebe und Eifersucht nicht anders als auf der Erde. Da kann man ja getrost wieder nach Hause fahren.

Geist, Witz und Einfallsreichtum

«Frau Luna» ist Paul Linckes (1866–1946) erfolgreichstes Bühnenstück und kommt in jüngster Zeit vermehrt zur Aufführung, nachdem der Berliner Komponist nun seit über 70 Jahren tot und das Werk nicht mehr an Rechte gebunden ist. Für den Zuger Operettensommer 2018 im Kulturhaus Gewürzmühle hat sich auch die Quickchange Company der «Frau Luna» angenommen und den ursprünglich rund zwei Stunden dauernden Zweiakter auf ein knapp 80-minütiges Stück runterkomprimiert, ganz nach dem «Taschenformat»-Prinzip.

Auf dem Mond angekommen, trifft die chaotische Truppe aus Berlin auf Frau Luna und ihr Gefolge. (Bild: Andreas Faessler (Zug, 23. August 2018))

Auf dem Mond angekommen, trifft die chaotische Truppe aus Berlin auf Frau Luna und ihr Gefolge. (Bild: Andreas Faessler (Zug, 23. August 2018))

Mit viel Geist, Witz und Einfallsreichtum hat die Theatergruppe die gesamte Handlung von Linckes Revueoperette auf kleinem Raum, aber mit grosser Wirkung umgesetzt. Für Berlin als Ort der Handlung steht auf der Bühne symbolisch eine grosse Litfasssäule – eine Berliner Erfindung. Ein Sonnenschirm dient als Luftgefährt, dann wird die Litfasssäule mit wenigen Handgriffen zur glänzenden Mondkulisse. Fürs Bühnenbild reicht das alles schon aus. Ein wahrer Augenschmaus sind die Kostüme: Der eher graue Besuch aus Spreeathen – Steppke, Pann­ecke, Lammermeier und Frau Pusebach – trägt die kleinbürgerliche Garderobe der 1910er-Jahre, die Mondmenschen leuchten dafür in burlesk-schimmernden Kostümen mit Strass und Glitter, die dem glamourösen Modegeschmack der 1920er-Jahre entsprechen. Hier gibt’s dann auch eine Portion Erotik, wenn das lunare Putzpersonal kokett und bauchfrei übers Mondgestein fegt. Klamauk findet im Stück erwartungsgemäss viel Platz: sei es in der schrulligen Person der von Eifersucht getriebenen Frau Pusebach oder des Prinzen Sternschnuppe, der sich mit lila-silbernem Glitzerkostüm, schickem Federhaarband und samtenen Stulpenhandschuhen für einen ganzen Kerl hält und nicht verstehen kann, warum ihn Frau Luna seit Jahrtausenden zurückweist und nun lieber dem Steppke schöne Augen macht. Irgendwann mündet das ganze Geplänkel operettentypisch darin, dass jeder seinen Platz und Frieden im Herzen findet. Zeit, wieder Berliner Luft zu atmen.

Ein Pendant zur Wiener Operette

Paul Lincke, selbst Vollblut-Berliner, hat mit «Frau Luna» das erste ebenbürtige deutsche Pendant zur Wiener Operette geschaffen. Der Komponist bringt alle Komponenten mit hinein, die man aus den grossen österreichischen Sensationserfolgen von Johann Strauss, Carl Millöcker oder Carl Zeller kennt. An die Stelle des Wiener Schmäh rückt nun die Berliner Schnauze. Der musikalische Reichtum ist auch bei Lincke grandios: Hinreissende Walzerlieder (Schlösser, die im Monde liegen; O Theophil; Im Expressballon; Frohe, munt’re Lieder ...) wechseln sich ab mit schmissigen Polkas (Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe; Lass den Kopf nicht hängen; Wer leichtes, frisches, frohes Blut; Ist die Welt auch noch so schön ...) und zielen auf den wohl berühmtesten, nichtmilitärischen deutschen Marsch überhaupt hin: Mit «Berliner Luft» zum Schlusstableau geht das Stück fulminant ins Finale.

Starke Interpretation

Unter der Regie von Björn B. Bugiel und der musikalischen Leitung von Raimund S. Wiederkehr überzeugt die Quickchange Company mit einer starken Interpretation. Die Gefällig- und Leichtigkeit der Lieder täuscht über den beträchtlichen Anspruch hinweg, den die Musik in Wahrheit an die Sängerinnen und Sänger und auch an die Instrumentalisten stellt. Gute Stimmen, schauspielerisches Talent und ein eingespieltes Musik­ensemble (Cello, Violine, Piano) sind das solide Fundament, auf dem die Quickchange Company aufbauen kann. Die Premiere von «Frau Luna» ist gelungen, die Lacher waren zahlreich, dem Publikum hat’s gefallen.

Hinweis: Weitere Aufführungen von «Frau Luna» in der Gewürzmühle Zug heute Samstagabend, 20 Uhr, dann morgen Sonntag, 18 Uhr, sowie noch am Mittwoch, 29. August, um 20 Uhr und am Samstag, 1. September, ebenfalls um 20 Uhr. Details unter www.quickchange.info

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