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Die besten Turner Dänemarks zu Besuch in Unterägeri

Die besten Turner Dänemarks reisen als «National Danish Performance Team» (NDPT) um die Welt und machen Halt in der kleinen Zuger Berggemeinde. Sie teilten ihr Können mit Dorfkindern und zeigten am Freitagabend ihr eindrückliches Programm.
Cornelia Bisch
Die dänischen Turner vermitteln den Kindern spielerisch die Freude an der Bewegung. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 7. Juni 2019))

Die dänischen Turner vermitteln den Kindern spielerisch die Freude an der Bewegung. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 7. Juni 2019))

Die besten 28 Turner der Gymnastikhochburg Dänemark touren um den Erdball mit dem schlichten Ziel, die Welt zu bewegen. Das National Danish Performance Team (NDPT) gastiert momentan in Unterägeri und begeisterte dort gestern Abend ein 300-köpfiges Publikum mit seiner 90-minütigen Show in der Halle Schönenbüel sowie viele Kinder unterschiedlichen Alters bei vier Nachmittags-Workshops. Das Team war der Einladung von Nang Mi Olsen aus Obfelden und Brit Dollerup aus Unterägeri, beide ursprünglich ebenfalls Däninnen, gefolgt. Dank persönlicher Beziehungen war es den beiden gelungen, die Gruppe nach Unterägeri einzuladen.

Diese Möglichkeit hatte sich für sie ganz kurzfristig ergeben. «Vor zwei Monaten haben wir mit der Organisation begonnen», erzählt Olsen. «Wir fanden es eine tolle Idee, einen solchen sportlich-kulturellen Austausch durchzuführen. Er bringt einfach allen Beteiligten neue und interessante Impulse.» Das zeigt auch das grosse Interesse des lokalen Publikums. «Innert 26 Stunden waren alle Tickets weg.» Die beiden Hauptverantwortlichen bekamen grosse Unterstützung von der Gemeinde Unterägeri sowie von vielen Privaten.

Am Donnerstag traf die Gruppe ein und wurde auf freiwillige Gastfamilien im ganzen Kanton verteilt. Am Freitag fand der bereits beschriebene Aktivtag statt. In der Pause der abendlichen Performance führten Rhythmische Gymnastik-Gruppen aus Steinhausen, ein Paar und zwei Soli, ihr Programm auf.

Am Wochenende ist Zeit für Ausflüge und Entspannung. Danach reisen die Dänen weiter. In zwei Wochen sind sie zu Gast am Eidgenössischen Turnfest in Aarau.

Physische und emotionale Bewegung

«Seit dem Start unserer Tournée im letzten September haben wir mehr als 18000 Kinder in Workshops unterrichtet», erzählt Team-Manager Lars Houbak. Die Show und Workshops bewegen aber nicht nur physisch, sondern auch emotional. «Manche Zuschauer weinen, weil unser Programm ihnen so ans Herz geht.»

Die Show erzählt die Entwicklungsgeschichte einer Gruppe von Menschen, die sich zu einer strengen, effizienten Einheit formt, in einer Sturmphase auseinanderbricht, sich nach Kämpfen der einzelnen Individuen gegeneinander auflöst, sich neu ausrichtet und in einem Moment der Klarheit wiederfindet. «Fast jede Gruppe von Menschen, sei es in einem Verein oder in einem Unternehmen, macht solche Entwicklungen durch», ist Houbak überzeugt.

In einem ausdrucksstarken Zirkel an Choreografien stellen die 28 Künstler mit Elementen der Disziplinen Bodenturnen, Bock- und Mini-Trampolinspringen sowie mit Tanz und Akrobatik diese ambivalenten Beziehungen für Menschen aller Kulturen dar. «Die Kernaussage lautet: Es gibt viel Platz für den Einzelnen, aber wichtig ist das Miteinander», fasst der Team-Manager zusammen. Der Titel der Show lautet «Namuh». Rückwärts gelesen bedeutet es «Human» (Mensch). In Unterägeri wird die 220ste Vorstellung stattfinden, in deren Publikum der 120 000ste Zuschauer sitzen wird. Die Tour führte die 28 Turner und sieben Begleitpersonen von Deutschland, über den Mittleren Osten, Asien, Südamerika, Mexiko und die USA zurück nach Europa. Unterwegs haben sie lokale Einflüsse aufgenommen und ins Programm integriert. «Es gibt nun einen mexikanischen Tanz, einen argentinischen Tango und Zirkusartistik des Cirque du Soleil», berichtet Lars Houbak.

Die Unterbringung und hygienischen Verhältnisse seien vor allem in Asien und Südamerika teilweise prekär gewesen. «Manchmal schliefen wir auf dem Boden oder in Zelten, hatten keine Duschen zur Verfügung und kaum Möglichkeiten, unsere Kleider zu waschen.» In solchen Phasen steigt das Risiko von Krankheiten und Erschöpfung. «Aber wir haben es gut überstanden.» Die Gruppe funktioniert mit möglichst geringem Geldfluss. Die Turner erhalten kein Honorar. «Ihre Zusage hing von unserer Bereitschaft ab, alles vor Ort zu organisieren, zu finanzieren und bereitzustellen», so Olsen. Deshalb mussten in der kurzen Zeit auch Sponsoren gefunden werden. Die Tickets für die Show waren kostenlos. Mit dem Erlös aus der Kollekte wird ein Ausflug finanziert.

Spielerisch Lernen

Das National Danish Performance Team besteht seit 25 Jahren, wird aber für jede Tour neu zusammengesetzt. Die Gruppe hat ein ganz eigenes, pädagogisch didaktisches Unterrichtskonzept, das sie den lokalen Vereinen vermittelt. «Wir wollen den Kindern einen spielerischen Zugang zu Bewegung und Sport ermöglichen», führt Houbak aus. Dabei sollen die Kinder mit möglichst wenig Druck, sondern mit Freude neue Fähigkeiten erlernen. «Fehler sind erlaubt, sogar nötig, um neue Lösungswege zu finden.» Bei Geschicklichkeitsparcours und -stafetten werden neben den sportlichen auch kognitive und soziale Fähigkeiten trainiert.

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