Film: Von der Familiengeschichte eingeholt

«Nuestras Madres» ist ein einfühlsames Drama über die Aufarbeitung von Kriegsgräueln. Der Fliz Filmclub Zug zeigt den mehrfach prämierten Film im Kino Gotthard.

Andreas Faessler
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Ernesto (Armando Espitia) stellt forensische Forschungen nach Opfern des guatemaltekischen Bürgerkriegs an.

Ernesto (Armando Espitia) stellt forensische Forschungen nach Opfern des guatemaltekischen Bürgerkriegs an.

Bild: PD

Über dreieinhalb Jahrzehnte litt Guatemala unter einem Bürgerkrieg, in dem Guerillakämpfer sich gegen die diktatorische Regierung auflehnten. Der Terror und die Gewalt kosteten an die 200000 Menschen das Leben, und Hunderttausende flohen aus dem armen mittelamerikanischen Land. Vor dem Hintergrund der Bürgerkriegshandlungen der frühen 1980er-Jahre spielt das Filmdrama «Nuestras Madres» («Unsere Mütter» oder «Das Schweigen der Mütter») des belgisch-guatemaltekischen Regisseurs César Díaz.

Die Geschichte handelt von Ernesto (Armando Espitia), einem jungen Anthropologen am Forensischen Institut in Guatemala-City. Hier werden anhand exhumierter Gebeine die Gräueltaten von damals aufgearbeitet. Viele Frauen, vor allem indigene aus den ländlichen Gebieten, haben durch den staatlichen Terror ihre Männer verloren. So soll ihnen nach all den Jahren etwas Genugtuung zuteil kommen, indem man ihnen hilft, ihre verstorbenen Männer zu identifizieren, ihnen eine Entschädigung zuspricht und schliesslich Verantwortliche zur Rechenschaft zieht.

Seine Aufklärungsarbeiten führen Ernesto jedoch auch auf die Spuren seiner eigenen Familiengeschichte, und er findet heraus, dass es mit seinem verstorbenen Vater etwas ganz Anderes auf sich hat, als ihn seine Mutter stets hat glauben lassen.

Ruhiger Film ohne Überzeichnungen

Das mehrfach prämierte Filmdrama überzeugt vor allem durch seine Ruhe von der ersten bis zur letzten Minute: César Díaz’ Bild-Ton-Sprache entfaltet ihre volle Wirkung ohne jegliche Überzeichnung oder Überdramatisierung. Und das ist gut so, denn das Grauen, welches die Protagonistinnen fürs Leben geprägt hat, wird gerade durch diese Sorgfalt und Einfühlsamkeit greifbar. In Kombination mit der schweren Grundmelancholie des Filmes wären effekthascherische Stilmittel kontraproduktiv.

Mit «Nuestras Madres» geht die diesjährige Filmreihe «Im Gotthard um die Welt» zu Ende, Ihm Rahmen derer zeigen die Zuger Kinobetriebe in Zusammenarbeit mit dem Fliz Filmclub und trigon-film jedes Jahr eine Auswahl von aktuellen Filmen und Klassikern aus dem Katalog des trigon Filmverleihs.

Hinweis
Der Fliz Filmclub Zug zeigt Nuestras Madres am Montag, 9. November, um 20 Uhr im Kino Gotthard, Zug.