Von Kriminellen als Geldesel angestellt: So funktioniert Money  Muling

Um Spuren gestohlener Gelder zu verschleiern, bedienen sich Internetkriminelle gerne sogenannter Money Mules – zu Deutsch Geldesel. Doch wie funktioniert diese Masche überhaupt?

Christopher Gilb
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Transaktionen über Strohmänner: Money Muling. (Bild: iStock)

Transaktionen über Strohmänner: Money Muling. (Bild: iStock)

176 Fälle von Internetkriminalität bearbeiteten die Zuger Strafverfolgungsbehörden letztes Jahr. Die Tendenz ist klar steigend. Das grosse Problem ist jedoch, dass Internetkriminelle oft fast nicht ausfindig zu machen sind. Einer der Gründe: Sie schalten Strohmänner ein, über deren Konti sie Transaktionen abwickeln. Diese Money Mules – Geldesel – erhalten dann das Geld, das die Internetkriminellen zuvor beispielsweise durch den Einsatz von Malware von einem Konto gestohlen haben. Sie waschen das Geld für die Kriminellen und lassen sich dabei vom vermeintlich einfach verdienten Profit locken. Im vorliegenden Fall stammt das Opfer aus dem Kanton Zug, und beim «Esel» handelt es sich um einen 58-Jährigen aus dem Kanton Zürich.

Dieser hatte Ende Juni 2017 ein Mail erhalten, worin er angefragt wurde, ob er Interesse an einem Nebenverdienst im Immobilienbereich habe. Spezifische Fachkenntnisse seien keine nötig. Er schrieb zurück. Wie im Strafbefehl vom 18. Juli 2018 zu lesen ist, nahm zwei Tage später eine Frau telefonisch Kontakt zu ihm auf und erklärte ihm, seine E-Mail-Adresse vom RAV erhalten zu haben. Kurz darauf erhielt er einen Vertrag. Darin hiess es, er werde bei einer Immobilienfirma als Regionalvertreter des Leiters der Abteilung für internationale Immobilien eingestellt.

Geld nach Russland geschickt

Seine Tätigkeit wurde wie folgt beschrieben: die Annahme der Einzahlungen von Kunden aus der Region des Vertreters, die Bereitstellung der erforderlichen Immobilienunterlagen und die Versendung des Pakets mit den Unterlagen samt der Vorschusszahlung an den Verkäufer des Immobilienprojekts. Wahrscheinlich hätte er spätestens da stutzig werden sollen. Er machte aber weiter. Des Weiteren müsse er seinen Account mindestens zweimal pro Tag prüfen, und sobald eine Zahlung eingetroffen sei, diese innerhalb von 24 Stunden weiterleiten. Er wurde zudem angewiesen, bei seiner Bank abzuklären, wie hoch seine tägliche Barabhebungslimite sei, damit es keine Verzögerungen gebe.

Am 31. Juli 2018 wurde er dann informiert, dass es einen Eilauftrag gebe und er den Erhalt sofort per Mail bestätigen solle. Es handelte sich um das per Malware von der Zugerin gestohlene Geld. Nachdem er den Eingang bestätigt hatte, erhielt er die Anweisung, dass er dieses sofort abheben, aber gegenüber der Bank auf keinen Fall sagen solle, dass dieses zum Versand bestimmt sei. Falls er dann vom Paketdienstleister nach dem Schätzwert gefragt werde, solle er 15 Franken angeben. Doch es handelte sich in Wahrheit um 19 500 Franken, die er darauf nach Russland verschickte.

Der Zürcher wurde nun der Geldwäscherei schuldig gesprochen. Die Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 80 Franken wurde unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben. Bezahlen muss der «Geldesel» eine Busse von 800 Franken. Bei der Forderung des Opfers wurde auf den Zivilweg verwiesen.