Ausstellung

Manhattan lässt den Zuger Künstler Jonas Burkhalter nicht mehr los

Seine neuen Fotografien drehen sich in erster Linie um die Stadt, die – unter normalen Umständen – niemals schläft. Und mit seinen Objekten sucht er nach den grossen Zusammenhängen.

Monika Wegmann
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Jonas Burkhalter (37) bespielt mit seinen Fotografien und Objekten die Räume der Galerie Billing Bild

Jonas Burkhalter (37) bespielt mit seinen Fotografien und Objekten die Räume der Galerie Billing Bild

Bilder: Roger Zbinden (28. November 2020)

Die farbigen und grossformatigen Fotos aus Manhattan der Serie «Worlds 2000» fallen sofort auf. Sie füllen eine ganze Wand und zeigen hohe Gebäude mit berühmten Fassaden an den bekannten Plätzen, die das Stadtbild von New York prägen.

Doch dort in Manhattan, wo sich normalerweise Menschenmassen und Touristenströme finden, herrscht nun bis auf wenige Personen und Fahrzeuge eine überraschende Leere. Die durch Corona bedingte Situation ermöglichte Jonas Burkhalter eine ungewohnte Sicht auf diesen Stadtteil und seiner vielfältigen Architektur. Von März bis August dieses Jahres – während des Lockdown – hat er solche Momente auf seinen Rundgängen mit der Kamera festgehalten. «In den letzten Jahren war ich schon mehrmals in Manhattan. Doch diese Situation an den typischen Touristenorten, zu denen ich sonst eigentlich nicht hingehe, wirkte durch ihre leeren Schluchten und geschlossenen Läden fast schräg», erzählt der Künstler an der Vernissage in der Galerie Billing.

Es ist nicht nur die Architektur, die ihn an dieser Stadt besonders interessiert, sondern er nimmt – wie ein sensibler Beobachter – auch ihre Atmosphäre wahr. Und Burkhalter erläutert, dass er die meisten Arbeiten für die Recherchen mit einer digitalen Kamera aufgenommen hat. Die analoge Kamera, bei der das Negativ etwa eine Seite gross sei, setze er nur selten ein. In der Ausstellung zeigt er einen solchen grossformatigen Pigmentprint vom Time Square.

Vielseitige Arbeitsgebiete

Der 37-Jährige ist ein vielseitiger Künstler, der sich medienübergreifend forschend neben der Fotografie mit Malerei beschäftigt und Objekte erschafft. «Es interessiert mich, verschiedene kreative Funktionen auszuloten», sagt er. So hat er aus den Buchstaben NYC Mixed-Media-Objekte auf Wabenkarton realisiert, wobei seine Erfahrung mit Design durchschwingt.

Und in der Raummitte sind die mannshohen Figuren aus demselben Stamm einer Weisstanne nicht zu übersehen, auf denen Richtungspfeile gestalterische Elemente bilden. «Mit der Kettensäge habe ich sie bearbeitet, sodass die einzelnen Teile aneinander lehnen können.» Die Arbeit «Opportunity» zeigt auf einer Dreischicht-Holzplatte locker angeordnete Thuja-Stämme. «Mit den gewachsenen Strukturen will ich einen Denkanstoss geben, denn auch die Komplexität der Natur spielt bei meiner prozessorientierten Arbeit eine Rolle. Und der Besucher kann eigene Gedanken spielen lassen.»

Überhaupt interessiert sich Jonas Burkhalter für grosse Zusammenhänge. Symbolisch und mit einem zwinkernden Auge lässt er fünf Weltkugeln aus Plastik zwischen den Kunstwerken herumtanzen. «Ich möchte begreifen, wie die Welt und ihre Systeme funktionieren. Darum erstelle ich keine Abbilder der Natur und arbeite weniger themenspezifisch. Das «Manhattan-Project» ist noch nicht ganz abgeschlossen, die analoge Serie möchte ich noch vertiefen. Dank dem Zuger Werkjahr in 2019 bin ich nicht so unter Druck.»

Der 1983 in Zug geborene und heute in der Region Zürich wohnhafte Jonas Burkhalter arbeitet seit seinem Abschluss 2010 als Master of Fine Arts an der Hochschule Luzern im Bereich Design & Kunst als freischaffender Künstler. Er hat seine Arbeiten bereits in verschiedenen Kunsträumen und Museen in der Schweiz präsentiert. Ab 5. Dezember ist er zudem an der Ausstellung «Zentral» im Kunstmuseum Luzern beteiligt.

Hinweis
«Zyt, Quadrat» von Jonas Burkhalter soll bis Ende Januar 2021 laufen. Galerie Billing, Haldenstrasse 1, Baar. Offen Mo, Do, Fr 14–18 Uhr, Sa 10–16 Uhr.