Von Milliarden bleiben 272'000 Franken

Dunkle Farben dominierten die Kleidung der knapp 20 Anwesenden gestern in der Aula des Kaufmännischen Bildungszentrums in Zug.

Ernst Meier
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Die Gläubiger wählten gestern eine neue Konkursverwalterin für den einstigen Zuger Raffineriebetreiber Petroplus. (Bild: Christof Borner-Keller)

Die Gläubiger wählten gestern eine neue Konkursverwalterin für den einstigen Zuger Raffineriebetreiber Petroplus. (Bild: Christof Borner-Keller)

Neben den in schwarzen oder grauen Anzügen gekleideten Herren erschienen auch die fünf Frauen im «dunklen Business-Look» – nur die blonde Lockenpracht und das gemusterte Foulard einer Dame brachten etwas Farbe in die triste Atmosphäre. Sie alle kamen als Vertreter der Petroplus-Gläubiger, welche vom Zuger Raffineriebetreiber Beträge von mehreren Millionen Franken zugut haben (vor allem Obligationäre). Es hätten noch einige mehr gestern nach Zug kommen können. «Theoretisch kann jeder, der von Petroplus noch Geld zugut hat, an der Gläubigerversammlung teilnehmen», sagte Markus Spiess, Leiter des Zuger Konkursamtes. «Auch der Bäcker aus der Region, der noch eine nicht bezahlte Rechnung besitzt.»

Unterfirmen auf den Bahamas

Das komplizierte Unternehmenskonstrukt Petroplus mit zahlreichen Unterfirmen, die bis auf die Bahamas führen, beschäftigt seit über einem Jahr vor allem Juristen, Sachwalter und Buchhalter. Während die Raffinerien von Mitbewerbern übernommen wurden, die Mitarbeiter grossmehrheitlich neue Jobs fanden und der ehemalige CEO in Frankreich seine Rente geniesst, sind jetzt die Liquidatoren am Werk. Am 1. Oktober 2012 um 9 Uhr wurde die Petroplus Holdings AG in den Konkurs geschickt. Seither lag es am Team von Markus Spiess, die Aktiven und Passiven der Firma zusammenzutragen, auf Deutsch: aufzulisten, was an Geld noch vorhanden ist, und dies allen Forderungen der Gläubiger gegenüberzustellen.

Das gestern präsentierte Resultat ist ernüchternd: Den noch vorhandenen flüssigen Mitteln von 272 000 Franken, stehen Drittforderungen von 3,9 Milliarden Franken gegenüber. Vom einstigen Börsenüberflieger, dem die Banken Ende 2011 den Kredithahn zugedreht haben, bleibt bis heute also nicht viel mehr als ein grosser Schuldenberg übrig.

Neue Konkursverwaltung bestimmt

An der Gläubigerversammlung wurde die Zürcher Firma Transliq AG als ausseramtliche Konkursverwaltung bestimmt. «Die weiteren Aufgaben im Rahmen des Verfahrens übersteigen unsere personellen Möglichkeiten, deshalb übergeben wir den Fall an eine Drittfirma», erklärte Markus Spiess. Sein Amt musste den Fall Petroplus in den vergangenen Monaten mit dem normalen Personalbestand bewältigen. Es wurde dabei von der designierten Konkursverwalterin Transliq unterstützt. Das Aufräumen der Petroplus-Scherben wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Anhand des erstellten Inventars errechnete das Zuger Konkursamt eine Summe von rund 11 Millionen Franken, die man aus der Konkursmasse noch herausholen könnte – ein kleiner Tropfen im Vergleich zu den total 3,9 Milliarden Franken Forderungen der Gläubiger.

Unter den anwesenden Gläubigern war gestern auch C. J.* Er war in der Schlussphase des Zuger Rohstoffkonzerns als Jurist für das Unternehmen tätig. «Ich habe noch eine stolze Summe als Gehalt für meine geleisteten Arbeiten zugut», erklärte er gegenüber unserer Zeitung. Hoffnung, dereinst noch entsprechend entschädigt zu werden, habe er nicht. «Trotzdem war es mir wichtig, heute an der Gläubigerversammlung dabei zu sein.» Der Fall Petroplus interessiere ihn weiterhin auch aus juristischer Sicht. «Wenn man heute das Raffineriegeschäft betrachtet, dann fragt man sich, wieso Petroplus dieses Ende aufgezwungen wurde», sagte er überraschend. «Aus heutiger Sicht ist das Vorgehen der Banken nicht mehr gerechtfertigt. Die Margen in der Branche haben sich in den letzten zwölf Monaten überraschend schnell erholt.» C. J. ist überzeugt: «Dieses ganze mühsame Konkursverfahren mit den vielen Geschädigten hätte man sich sparen können.» Als Schuldige für das plötzliche Aus sieht der Jurist die Banken. «Ende 2011 hatten es alle Banken eilig, Dollar zu horten, deshalb drehte man Petroplus den Geldhahn zu», sagte er. Zu gross sei die Angst vor weiteren Verlusten gewesen. «Die Petroplus wurde schlussendlich ein Opfer der Finanzkrise.»

HINWEIS

* Name geändert.