Von Muschel zu Muschel auch nach Cham

Als Zeichen des Unterwegs-Seins ist der schmucke Brunnen neben der Chamer Pfarrkirche zu verstehen – seine Formensprache ist stark symbolhaft. Geschaffen hat ihn ein Einheimischer.

Andreas Faessler
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Der dreischalige Jakobsbrunnen neben der Chamer Pfarrkirche besteht aus Muschelkalk. Er wird von der Figur des Kirchenpatrons gekrönt.

Der dreischalige Jakobsbrunnen neben der Chamer Pfarrkirche besteht aus Muschelkalk. Er wird von der Figur des Kirchenpatrons gekrönt.

Bild: Maria Schmid (31. März 2020)

1996 war ein wichtiges Jahr für Cham: Die Pfarrei feierte das 200-jährige Bestehen der heutigen barock-klassizistischen Kirche St.Jakob. Das Jubiläum jedoch sollte eher fromm bescheiden ausfallen als mit pompösen Feierlichkeiten. Dafür aber gönnte man sich ein bleibendes Monument, welches fortan an die Beständigkeit des gelebten Glaubens in der Pfarrei Cham erinnern soll. Wir finden es auf der kleinen Parzelle zwischen Kirche und Pfarreiheim. Es ist ein dreischaliger Brunnen aus Estavayer-Muschelkalk. Geschaffen hat ihn der Chamer Bildhauer Böbbi Schiess eigens für das Kirchenjubiläum. Die Kosten dafür sind durch Spenden und Sponsorenbeiträge zusammengekommen.

Auf einer hohen, sich nach oben leicht verjüngenden Stele steht die Figur des hl. Jakob, Chamer Kirchenpatron und Beschützer der Pilger. Über drei muschelförmige Brunnenschalen ergiesst sich das Wasser bei Betrieb kaskadenartig. Die Wahl der Muschel als formgebendes Element erklärt sich von selbst – die sogenannte Jakobsmuschel ist das Pilgerzeichen schlechthin und ist auf dem gesamten Jakobsweg omnipräsent.

Cham als Wallfahrtsort

Cham liegt zwar nicht an der Hauptroute des Jakobsweges und steht auf der Liste Zentralschweizer Pilgerorte auch nicht an den ersten Stellen. Dennoch ist St.Jakob zu Cham auch Wallfahrtskirche. Seit dem 17. Jahrhundert bis heute bringen Gläubige Fürbitten ans Grab eines Bischofs ohne Namen, dessen Tumba sich im Kircheninneren befindet («Hingeschaut» vom 16. Juli 2014). Allein deshalb und auch aufgrund des Kirchenpatroziniums ist das Pilgertum für die Pfarrei Cham von Bedeutung. Und dies war denn auch für Bildhauer Schiess ausschlaggebend für die Muschelform des Jakobsbrunnen. Überdies zitiert diese das zur Barockzeit häufig vorkommende Stilelement der Muschel, was letztendlich auch mit dem Baustil der Pfarrkirche in Einklang steht.

Unterwegs sein

Der Ausdruck «pilgern», für welchen der Brunnen steht, ist denn auch im weiteren Sinne auszulegen. So erklärte bei der Brunnenweihe im Jahr 1996 der damalige Chamer Pfarrer Leopold Kaiser, dass Pilgern ja nichts anderes meine, als unterwegs zu sein. So sei denn auch die Pfarrei Cham als solche unterwegs und mache in diesem Augenblick in Form eines Gedenkens an das 200-jährige Existieren der heutigen Pfarrkirche eine kurze Rast, ehe die Reise weitergeht.

Der Jakobs- respektive Pilgerbrunnen neben der Chamer Pfarrkirche ist vor diesen Hintergründen ein aussagekräftiges Symbol und lädt nicht zuletzt auch selbst zur Rast: Er steht an einem beschaulichen Ort, und vor ihm dient dem Ruhesuchenden eine formschöne Sitzbank, welche die barocke Muschelform ebenfalls zitiert.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.