Kolumne «Zuger Ansichten»
Von «Pflästerli-Politik» zu wirkungsvollen Massnahmen

Kantonsrat Thomas Gander (FDP) macht sich Gedanken über die steigenden Krankenkassenprämien. Er findet, dass das System grundlegend geändert werden müsste.

Thomas Gander, Kantonsrat FDP, Cham
Thomas Gander, Kantonsrat FDP, Cham
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Jeweils im Herbst werden die neuen Prämien für die Krankenkassen publiziert. Dabei steigen die Prämien Jahr für Jahr in die Höhe. Für das kommende Jahr um durchschnittlich 6,6 Prozent. In den letzten 20 Jahren haben sich die Prämien verdoppelt. Die Kosten des schweizerischen Gesundheitswesens liegen mittlerweile bei über 83 Milliarden Franken. Trotz aller politischen Bemühungen ist leider keine Trendwende erkennbar und ein Blick auf die demografische Entwicklung lässt befürchten, dass sich der aktuelle Trend gar noch verstärkt.

Die präsentierten Rezepte für eine wirksame Abfederung der Kostensteigerung zeigen zu wenig Wirkung. Hausarztmodell, Generika und Prämienverbilligungen greifen schlicht zu wenig tief, um tatsächlich spürbare Effekte zu erzielen. Selbst wenn mit einer konsequenten Verschreibung von Generika mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr gespart werden können, vermag dies den aufwärts Trend nicht zu stoppen.

Die Prämienverbilligungen vermögen zwar die Kosten für die Bezugsberechtigten zu mildern, ändern jedoch nichts an der Kostenstruktur im Gesundheitswesen. In diesem Kontext könnte man auch von einer klassischen Symptombehandlung sprechen, bei welcher das Grundproblem leider nicht gelöst wird.

Das System hat aus meiner Sicht einige grundlegende Fehler, welche sich jedoch nicht ohne weiteres beseitigen lassen. Gibt es doch zu viele Profiteure im aktuellen System, was den Willen für einen grundlegenden Wechsel erschwert.

Viele Behandlungen werden mehrfach durchgeführt. Viele Patientinnen und Patienten wollen bei einem Befund oder vor einem notwendigen Eingriff noch eine zweite Meinung einholen. Dabei gilt wohl dieselbe Weisheit wie bei den Juristen: Zwei Fachleute ergeben drei Meinungen. Dies führt letztlich nicht zur Beseitigung von möglichen Unsicherheiten. Auch kennt wahrscheinlich der zweite oder dritte Arzt die vorgängigen Befunde nicht lückenlos, da diese nicht zentral erfasst werden. Hier könnte ein zentrales Register oder ein elektronisches Patientendossier Abhilfe schaffen.

Bei der Wahl einer Behandlungsmethode sollte auch die Gesamtsicht der Kosten mitberücksichtigt werden. So kann eine Behandlungsmethode im Vergleich zu einer anderen die Genesungszeit beziehungsweise die Ausfallzeit am Arbeitsplatz verkürzen. Auch dies sind Kosten, welche nicht ausser Acht gelassen werden dürfen und das Gesundheitssystem finanziell Belasten.

Letztlich aber gibt es auch viele Tabuthemen. Die Frage, ob im hohen Alter noch jeder Eingriff notwendig ist, wird kaum gestellt. Nicht jeder Eingriff, der möglich ist, muss bei jedem Patienten (zwingend) durchgeführt werden. Wenn die Entscheidung über lebensverlängernde oder lebenserhaltende Massnahmen durch Angehörige getroffen werden (müsse), fehlt oft der Mut für Entscheidungen, wie wir sie vielleicht für uns selber treffen würden. Dafür habe ich durchwegs Verständnis.

Doch warum lassen wir nicht jeden selber entscheiden? Mit einer obligatorischen Patientenverfügung sollte sich jeder diese Gedanken selber machen. Damit kann einerseits den Angehörigen diese schwere Entscheidung abgenommen werden und anderseits vermutlich Behandlungen reduziert werden, da die Wahl der gewünschten Massnahmen bei einem selbst reflektierter und massvoller ausfallen würden.

Wir müssen weg von der aktuellen «Plästerli-Politik» und hin zu wirkungsvollen Massnahmen. Dazu ist jedoch nicht nur die Politik gefordert, sondern jeder Einzelne. Die Konsummentalität nach dem Prinzip, «ich habe Jahre lang Prämien bezahlt, jetzt will ich auch mal davon profitieren» muss bei jedem Einzelnen geändert werden.

In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.