Kino: Von Träumen, die wegen Tradition und Rollenbildern platzen

Der Fliz Filmclub Zug zeigt «Digitalkarma». Darin wird eine junge Frau in Bangladesch porträtiert, die mit viel Mut für Selbstbestimmung und Unabhängigkeit kämpft.

Andreas Faessler
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Die junge Rupa wünscht sich eine Zukunft in Unabhängigkeit.

Die junge Rupa wünscht sich eine Zukunft in Unabhängigkeit.

Bild: PD

Rupa ist eine aufgeweckte, kluge junge Frau. Sie lebt mit ihrer Grossfamilie in einem Dorf im nördlichen Bangladesch. Sie hat eine Vision für ihre Zukunft, wünscht sich Selbstständigkeit und Selbstbestimmung.

Rupa ist die Hauptfigur im Film «Digitalkarma» des schweizerisch-italienischen Filmemacherduos Mark Olexa und Francesca Scalisi. Wie stille Beobachter begleiten die beiden Rupa bei ihren Bestrebungen, welche in Fahrt kommen, als ein Instruktor im Dorf auftaucht und Mädchen mit Bildung anheuert, sogenannte e-SheBees zu werden. Diese verfügen über ein breites Allgemeinwissen im technisch-medizinischen, im digitalen und auch wirtschaftlichen Bereich. Als e-SheBees sind sie schliesslich mit dem Fahrrad unterwegs und unterstützen die ärmliche Landbevölkerung mit ihren Kenntnissen. Rupa gehört zu den wenigen Auserwählten, die sich zu e-SheBees ausbilden lassen können. Für sie könnte eine rosige Zukunft anbrechen. Der Weg zur selbstständigen Unternehmerin scheint geebnet. Auch ihre Familie unterstützt Rupas Pläne. Und doch stehen sie nicht unter einem guten Stern: In Bangladesch sind Frauenrollen und Traditionen fest verankert. Nicht nur eckt Rupa als fahrradfahrende Frau an, ihr kranker, von ihr geschätzter Vater besteht auf die in ihrer Kultur üblichen arrangierten Hochzeit der Töchter. Rupa sträubt sich innerlich dagegen, und doch weiss sie, dass sie den Wunsch ihres Vaters respektieren muss. Ihr Kummer und ihre Angst wachsen, wenn sie auf die unglücklichen Ehen ihrer Schwestern blickt. Allmählich sieht Rupa ihren grossen Traum einer selbstbestimmten Zukunft verblassen.

«Digitalkarma» lässt den Zuschauer am mutigen Weg Rupas teilhaben und an ihren Bemühungen, dem zuweilen unmenschlichen Korsett an Tradition und Brauch zu entgehen. Man wird gewahr, wie die Erhaltung eines Gleichgewichts im Kampf um Unabhängigkeit und zugleich Sicherheit zu einer Mammutaufgabe wird. Einblicke in Rupas familiäres Umfeld, in ihre Gedanken und ihre Gefühlswelt machen «Digitalkarma» zu einem besonders intimen Filmdokument, das leider alles andere als ermutigend ist, aber doch daran appelliert, Träume niemals aufhören zu träumen.

Ein Film über Hoffnung und Befreiung

Die Idee zum Film hatten die beiden Regisseure Mark Olexa und Francesca Scalisi nach einem zufällig entdeckten Artikel über die sogenannten e-SheBees. Durch Recherchen sind sie auf Rupa und ihre Familie gestossen und haben die junge Frau über vier Jahre hinweg begleitet. «Wir wollten einen Film über Hoffnung und Befreiung drehen», erklären Olexa und Scalisi. «Aber die Realität ist nun mal weit komplexer und dramatischer.»

Der 78-minütige Film ist bereits an mehreren Festivals in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika gezeigt worden. Offizieller Kinostart in der Schweiz ist der 16. April. Im Rahmen einer Vorpremiere zeigt der Fliz Filmklub Zug «Digitalkarma» am Montag, 9. März, im Kino Gotthard in Zug. Regisseur Mark Olexa ist Saalgast.