Leserbrief

Von wegen mehr Sicherheit für Tiere und Natur

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 27. September über das Jagdgesetz

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Die Befürworter des neuen Jagdgesetzes kleiden sich in grüne Farbe und werben mit mehr Sicherheit für Tiere und Natur. Kurz: Das neue Gesetz sei fortschrittlich und soll den Artenschutz stärken. Doch dem ist bei weitem nicht so. Ja, von vorher zwölf Entenarten sind nunmehr noch vier jagdbar und die Schonzeit der gefährdeten Waldschnepfe wurde etwas verlängert. Doch das betrifft gerade mal zwei Prozent aller Wildentenabschüsse und vier Prozent aller gejagten Waldschnepfen! Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Die angeblichen «Verbesserungen» für den Artenschutz sind reine Augenwischerei. Tatsache ist, dass die Kantone zukünftig bundesrechtlich geschützte Tiere zum Abschuss freigeben können, noch bevor diese Schäden angerichtet haben. Und das selbst in Schutzgebieten! Das ist nicht fortschrittlich, sondern macht Schutzgebiete hinfällig. Auch die kommerzielle Trophäenjagd auf den Birkhahn bleibt weiterhin erlaubt, obwohl der Bestand in der Schweiz als gefährdet gilt. Von wegen mehr Sicherheit für Tiere und Natur. So gesehen wäre das neue Jagdgesetz ein Rückschritt ins vorletzte Jahrhundert!

Abgesehen davon finde ich es anmassend, Lebewesen in «nützlich» und «schädlich» einzuteilen. Was offensichtlich gut ist, darf bleiben, der Rest muss weg. So wünsche ich mir mehr Toleranz und Vertrauen, denn alle Lebewesen haben eine Funktion im Jahreskreis der Natur.

Irène Kamer, WWF Zug, Steinhausen