Vor 35 Jahren
Der grosse Schnee im Zugerland hat viele Leute ins Schwitzen gebracht

Der Winter 2020/2021 bleibt uns wohl als ein schneereicher in Erinnerung. Doch Ende Februar 1986 lagen in Zug einmal mehr als 35 Zentimeter Schnee. Verursacher dieser weissen Pracht war wohl ein Genua-Tief.

Marco Morosoli
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Die Elite-Junioren des EV Zug traten am 23. Februar 1986, einem Sonntag, zum letzten Meisterschaftsspiel der Saison gegen den Leader SC Bern an. Die Zentralschweizer sicherten sich ihren Ligaerhalt schon früher. Aus EVZ-Sicht war dies deshalb eine Kehraus-Partie. Das zeigte sich später auch am Resultat: Die Zuger verloren mit 3:14. Das Resultat dürften die meisten EVZler längst vergessen haben, die Heimfahrt aus Bern hingegen nicht. Es ging wegen des dichten Schneefalls fast im Schritttempo in Richtung Herti-Stadion. Wie lange Peter Stadler, Patrick Hager, René Köppel, Beny Zehnder und Andreas Bertaggia im kleinen EVZ-Bus verbrachten, ist nicht verbrieft.

Haufenweise Schnee lag im Winter 1986 mitten im Baarer Dorfzentrum.

Haufenweise Schnee lag im Winter 1986 mitten im Baarer Dorfzentrum.

Bild: PD / Luzerner Zeitung

Was hingegen bekannt ist: Es schneite vom 23. bis am 25. Februar 1986 fast ohne Unterbruch. Meteosuisse schreibt zu dieser Periode: «Vom ostatlantischen Tief zieht ein Teilwirbel über Frankreich ins Mittelmeer. In der Nacht von Westen her ergiebige Niederschläge, im Westen vorübergehend Regen bis etwa 1300 Meter über Meer, im Osten und Norden Schnee.» In den Niederungen, so schreibt Meteosuisse, seien zwischen 30 und 35 Zentimeter Neuschnee gefallen. Das dürfte für die Lorzenebene im Kanton Zug passen. In den «Zuger Nachrichten» vom 26. Februar 1986 ist ein Bild des Baarer Rathauses in viel Schnee zu sehen. Das Schwarz-Weiss-Bild des im vergangenen Jahr verstorbenen Baarer Fotografen Walter Nigg ist mit einer Frage untertitelt: «Wohin bloss mit all dem Schnee?»

Der Schnee war vielen Zugern schon nach einem halben Tag zu viel

Auf einer anderen Zeitungsseite in der gleichen Ausgabe erfährt der Leser dann, was der grosse Schnee alles bewegte. Zitiert ist der Stadtzuger Werkmeister Alois Blum. Er geisselte das Unverständnis der Leute: «Kaum ist der Schnee da, sollte er schon wieder weg sein.» Blum beschwert sich auch über anonyme Telefonanrufe. An die Adresse der Zuger Bewohner sagt Blum: «Ich glaube, man kann einem Bürger sicher zumuten, selber ein wenig zur Schaufel zu greifen.» Klar macht Blum auch, dass bei der Schneeräumung Strassen erste Priorität hätten, auf denen Busse fahren. Ähnliche Worte dürften heute noch bei Schneefällen zu hören sein. Ungeduld ist also keine Modeerscheinung. Wie viel Schnee damals lag, zeigt sich darin: 77 Personen arbeiteten für die Stadt Zug, um ihn beiseite zu schaffen. 24 dieser Schneeräumer gehörten zum Werkhofteam.

Öffentliche Verkehrsmittel kämpften sich durch die Schneemassen, und Personenwagen waren tief eingeschneit.

Öffentliche Verkehrsmittel kämpften sich durch die Schneemassen, und Personenwagen waren tief eingeschneit.

Bild: PD / Luzerner Zeitung

Die Schneeräumung erschwert hätten auch – so ist in den damals dreimal wöchentlich erscheinenden «Zuger Nachrichten» zu lesen – Autofahrer, die geradewegs Absperrungen der Räumungsequipen an der Alpenstrasse entfernt hätten, um dort ihre Gefährten abstellen zu können. Das lässt Alois Blum seufzen:

«Wir können im Prinzip machen,
was wir wollen, es ist nie recht.»

Interessant ist auch, wo der geräumte Schnee hingekarrt wurde: zuerst zum Brüggli, später zu den Stierenstallungen. Wie der Zeitung zu entnehmen ist, waren es pro Tag 100 Kubikmeter Schnee. Ein Kubikmeter Frischschnee wiegt rund 200 Kilogramm, in der geräumten Schneezusammensetzung weitaus mehr. 1986 war Werkmeister Alois Blum seit 32 Jahren im Amt. In seinem letzten Winter, den er für den Werkhof arbeite, habe Petrus im noch ein «rechtes Geschenk» verpasst.

Auch beim öffentlichen Verkehr ging aufgrund der Schneefälle nicht alles rund. Auch hier kann festgestellt werden, dass sich die damals geäusserten Wehklagen in keiner Weise von aktuellen unterscheiden. Ein Buschauffeur liess sich mit den Worten zitieren, dass die Kurse vor allem zu spät seien, weil der Privatverkehr diese behindert habe. Der Redaktor oder die Redaktorin mit dem Kürzel «ho.» fügt noch eine weitere Äusserung des Buschaffeurs hinzu: «Wenn nur ein Drittel dieser Autofahrer den Bus benutzt hätte, wäre es nicht zu einem solchen Chaos gekommen.»

Die vielen Weichen ohne Heizung machen sich bemerkbar

Auch den ehemaligen Zuger Bahnhofvorstand Fritz Scheurer befragte der Journalist, denn auch auf der Schiene lief damals nicht alles rund. Hauptursache waren vereiste Weichen, weil die Aussentemperatur unter den Gefrierpunkt gesunken war. Wie viele Weichen der Bahnhof Zug im Jahre 1986 hatte, ist unbekannt. Die sechs beheizten Weichen dürften nur einen Bruchteil aller Weichen auf dem Gleisfeld des Bahnhofs Zug ausgemacht haben. Dies auch deshalb, weil 20 Mann damit beschäftigt waren, Weichen freizuschaufeln.

Den geradezu schwierigsten Part dürften die Pöstler gehabt haben. Im ZN-Artikel ist die Rede von «beträchtlichen Behinderungen». Das ist untertrieben, denn damals waren die Pöstler noch mit Velos unterwegs. In dieser Hinsicht hat sich seit 1986 etwas zum Besseren gewandelt. Gut so.

Am Zuger Postplatz kam alles nur noch langsam voran.

Am Zuger Postplatz kam alles nur noch langsam voran.

Bild: PD / Luzerner Zeitung