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Kolumne

Vorsätzlich ins neue Jahr

Seitenblick
Laura Sibold

Jahr für Jahr tritt im Januar dasselbe Phänomen auf. Nichts ist los. Alle sind müde, pleite und dick. Frage ich meinen guten Freund Google nach einem Namen für dieses Kuriosum, spuckt er frohen Mutes das Wort «Januarloch» aus. Sein Kollege Duden pflichtet ihm bei und definiert diese Zeit des Jahres als eine «Periode besonders geringer geschäftlicher, politischer, kultureller oder ähnlicher Aktivität im Januar».

Auch mir geht es in vielerlei Hinsicht so. Mein Portemonnaie ist nach den ganzen Festtagseinkäufen um einiges leichter, ich sollte wohl den Gürtel enger schnallen. Dafür spannt die Hose in der Bauchregion etwas mehr. Und morgens springe ich nicht wie ein junges Kätzchen voller Energie aus dem Bett, sondern eher wie ein tapsiger, alter Kater. Apropos Kater, der Silvesterabend schlug mir noch Tage später auf den Magen. Es ist wirklich ein Katzenjammer.

Doch dieses Jahr wird alles besser. Ganz bestimmt. Freund Google liefert mir eine Zehn-Schritte-Anleitung, um meine Finanzen ins Lot zu bringen und die Neujahrsvorsätze umzusetzen. So hängt nun an meinem Badezimmerspiegel eine Liste mit drei positiv formulierten Zielen, einem Zeitplan sowie den Massnahmen, die (laut Google) garantiert zur Erreichung meiner Vorsätze führen.

Neben mehr Gelassenheit im Alltag treibt mich auch der Wunsch nach einer neuen Wohnung um. Dieser Punkt steht auf meiner Liste ganz oben und soll bis Mitte des Jahres abgehakt sein. Keinen Platz im neuen Jahr haben dafür wenig lukrative Investitionen. Daher habe ich auf das teure Fitness-Abo und die Markenturnschuhe verzichtet, die letztes Jahr bereits im Februar praktisch ungebraucht in der Schublade verschwunden sind.

Stattdessen sitze ich in neuen Hosen (ja, eine Nummer grösser) auf dem Sofa, vor mir auf dem Tisch eine Schachtel Pralinen und ein gutes Buch. Vielleicht beginne ich morgen zu rauchen. Auf dem Zettel an meinem Badezimmerspiegel steht schliesslich schwarz auf weiss: Wer nach mehr Ausgeglichenheit strebt, soll sich kleine Freuden gönnen. Wie von Google vorgeschlagen, arbeite ich nun also an meiner «Work-Life-Balance». Da freut sich auch Kollege Duden, schliesslich steht «Work-Life-Balance» neu im Wörterbuch, gleich neben «Work-out».

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