Vortrag in Zug: Ein gebürtiger Nordire berichtet von seiner Heimat

Bruce Mathers kommt aus Nordirland. Er zeichnete in der City Kirche Zug mit Liedern und Geschichten ein persönliches Bild seiner Heimat.

Johannes Bösel
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Auch musikalisch untermalte Bruce Mathers seine Geschichten.

Auch musikalisch untermalte Bruce Mathers seine Geschichten.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 28. August)

Es regnet in Strömen – typisch irisches Wetter könnte man meinen. Die ersten der rund 60 Besucher finden sich schon um 19.15 Uhr am Freitag in der City Kirche ein und nehmen in den Bänken Platz. Auf die Leinwand werden bereits irische Landschaften projiziert. Das Publikum ist freudig gespannt – angekündigt ist um 20 Uhr ein authentischer Liederabend mit Bildern und Geschichten aus einem Teil von Irland, den viele oft mit Bomben und Gewalt in Verbindung bringen.

Der Referent Bruce Mathers stammt aus einer Stadt 20 Kilometer südlich von Belfast. Hier verbringt er die ersten Lebensjahre. Noch heute ist für ihn die Gegend dort ein Ort, «wo man sich daheim und gut fühlt». Man merkt, dass ihn bisweilen die Sehnsucht packt, und so besingt er die verlorene Heimat in einem ersten wunderschönen Lied.

Belfast hingegen war damals keine ansehnliche Stadt, hatte viel Industrie und war bekannt für seine Werften; die «Titanic» lief 1911 hier vom Stapel. Wie überall in Irland waren viele Menschen auch im Norden mäusearm und emigrierten nach England oder Amerika. Auch davon erzählen die Lieder, wie der Song «The Leaving of Liverpool».

Das Publikum zeigt sich gerührt

Schon bald siedelt die Familie Mathers nach England über; der Vater ist Steuerprüfer und wird nach Wells versetzt. Für Bruce ist dies nicht einfach, versucht man doch, «den Iren zu einem Engländer zu machen». Nach Abschluss seines Sprachstudiums in Cambridge kehrt Mathers 1968 nach Belfast zurück, um Wirtschaftsprüfer zu werden.

Dies ist eine unruhige Zeit: Die «Troubles» beginnen und führen zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen Protestanten und Katholiken. Auch an Mathers und seiner Familie, selber Protestanten, gehen diese Zeiten nicht spurlos vorüber: So wird eine als Paket getarnte Bombe vor deren Haus platziert. Die Mutter nimmt dieses nichts ahnend in die Küche, wo es schliesslich von einer Spezialeinheit entschärft wird, aber die Küche verwüstet.

Dieses Erlebnis trifft die Familie, wie viele andere, emotional sehr. Keiner kann sich den Auseinandersetzungen mehr entziehen, selbst wenn man politisch neutral bleiben möchte. Doch schon 50 Jahre früher war die Republik Irland nicht gewaltfrei entstanden. Davon erzählt das traurige Lied vom IRA-Kämpfer «Kevin Barry», der von den Engländern gefasst und gehängt wurde. Die alltägliche Gewalt schliesslich vertreibt Mathers bereits 1971 wieder aus Nordirland. Er geht zunächst nach Rom und lässt sich 1975 im zugerischen Oberwil nieder.

Mathers begleitet die Lieder am Klavier oder der Gitarre und singt diese melodiösen Lieder wunderschön – ist er doch ausgebildeter Bariton. Er tritt natürlich, ruhig und überzeugend auf. Immer noch spürt man seine irische Seele: die Leidenschaft, Poesie und Geselligkeit oder die ansteckende Redegabe und den augenzwinkernden Witz. Und auch im letzten Lied «Londonderry Air», besser bekannt als «Danny Boy», treten diese Eigenschaften hervor.

Das Publikum ist gerührt und bedankt sich mit einem langen, kräftigen Applaus bei Mathers und dessen Frau Monika, von der die Fotos stammen. Und auch irisches Bier darf nach dem Konzert nicht fehlen, obwohl Mathers – wie man hört – wohl eher einem guten italienischen Rotwein zugeneigt ist.

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