Leserbrief

Wachstum um jeden Preis

Zum Umgang mit dem Boden in der Schweiz

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Laut Schweizer Post stieg die jährliche Menge von Paketen innert zehn Jahren von 108 Millionen auf heute etwa 160 Millionen an. Eine gewaltige Flut, wobei: Diese Steigerung lösten nicht nur der Onlinehandel und verrückte Rabattage aus. Innert demselben Jahrzehnt betrug die Nettozuwanderung in die Schweiz fast 1 Million Menschen auf heute 8,6 Millionen. Und die Summe der kantonalen und gemeindlichen Sozialhilfe stieg um etwa 1Milliarde Franken. Im Weiteren wurden unzählige Schulhäuser, Altersheime, Spitäler, Freizeitparks und Strassen erweitert oder neu gebaut. Jede Sekunde wird ein Quadratmeter Boden zubetoniert.

Wir zerstören dauernd zu viel fruchtbaren Boden und damit unsere Lebensgrundlage. Die Schweiz kann sich schon längst nicht mehr selbst ernähren: Bezüglich Lebens- und Futtermitteln sowie vielen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas, Uran, Metallen, Kunststoffen, Chemikalien et cetera sind wir in hohem Masse vom Ausland abhängig. Von Asien (Made in China, Made in Taiwan und so weiter), von Europa und Amerika.

Denken Sie in den kommenden ruhigen Tagen mal über diese Fakten nach. Oder wenn Sie das nächste Mal ins Flugzeug steigen oder am TV Autorennen ansehen. Und werden Sie sich über die zwingenden Grenzen des Wachstums bewusst. Und darüber, dass die Schweiz schon lange zu den am dichtest besiedelten Ländern der Erde gehört. Ungebremstes Bevölkerungswachstum lässt Fortschritte in der Technik (Energieeffizienz) gleich wieder verpuffen, und das Modewort «Nachhaltigkeit» wird sinnleer. Mir scheint, gewisse Leute wollen Wachstum um jeden Preis. Aber der Preis ist definitiv zu hoch: Ohne intakte Natur, sauberes Wasser, saubere Luft und saubere Böden kann niemand überleben. Nirgendwo.

Ueli Krasser, Hagendorn