WAHLEN: «Das wird nicht der ‹Tännler-Tunnel›»

Heinz Tännler (54) ist bereit für eine dritte Legislatur und hat klare Ziele. Das gilt auch für seine mögliche Wahl zum Landammann nächstes Jahr.

Interview Andreas Faessler
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Halbe Sachen sind nicht sein Ding: Baudirektor Heinz Tännler setzt alles dran, seine Ziele zu erreichen. (Bild Stefan Kaiser)

Halbe Sachen sind nicht sein Ding: Baudirektor Heinz Tännler setzt alles dran, seine Ziele zu erreichen. (Bild Stefan Kaiser)

Heinz Tännler, sind Sie stolz auf Ihren Kanton, wie er sich aktuell in der Wirtschafts- und Wohnlandschaft Schweiz präsentiert?

Heinz Tännler: Ja. Zug war einst einer der ärmsten Kantone der Schweiz. Heute ist es ein Kanton, der in verschiedenster Hinsicht sehr viel bietet – Arbeitsplätze, Internationalität, Landschaft, Natur. Es wurde hier ein Fundament geschaffen, damit sich auch der Mittelstand wohl fühlt. Und der Kanton trägt Sorge dazu, um auch in Zukunft diesen Stand zu halten. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben hier offenbar in einem guten Zusammenspiel und Dialog gewirkt.

Sie sind beruflich wie privat vielseitig engagiert, ständig auf Trab und kandidieren nun für eine dritte Legislatur. Woraus schöpfen Sie all die Energie?

Tännler: Ich brauche Bewegung, sowohl geistig als auch körperlich. Es ist eben mein Naturell. Ein Drang, Schritte vorwärts zu machen, Ideen zu entwickeln und Projekte anzugehen – und auch zu vollenden! Hierbei kann ich in der Baudirektion aus dem Vollen schöpfen. Ich habe noch vieles im Kopf, das ich zusammen mit dem Regierungsrat und zusammen mit der Bevölkerung angehen und umsetzen will. Nicht zuletzt kommt hinzu, dass ich hier in der Baudirektion ein hervorragendes Team um mich habe. Das bedeutet zusätzliche Motivation, in den nächsten vier Jahren tatkräftig neue Aufgaben zu bewältigen.

Denken Sie, dass Sie als «Macher» mit Ihrem zügigen Vorangehen Ihr Team manchmal auch überfordern?

Tännler: Ich verlange viel, aber auf faire Art. Es mag sein, dass die Zeitvorgaben und meine Forderungen nach hoher Arbeitsqualität die Mitarbeiter gelegentlich an die Grenzen bringen. Wir führen hier jedoch eine offene Gesprächskultur, und man darf mir jederzeit mitteilen, wenn es zu viel wird. Ich habe Respekt vor meinen Leuten, sie tragen alle zum Gelingen bei. Das ist Teamwork. Alles andere wäre Solistentum. Und das können wir hier nicht brauchen.

Sie sagen, Politik solle nicht dazu verleiten, immer gleich den Kompromiss zu suchen, sondern sie verlange oft beherztes Handeln.

Tännler: Am Kompromiss kommen wir in der Demokratie nicht vorbei. Er darf aber nicht schon in den Köpfen sein, bevor die politische Diskussion geführt und alle Argumente gegeneinander abgewogen sind. Beherztes Handeln erwarte ich vor allem dann, wenn der entsprechende Handlungsspielraum vorhanden ist. Das gehört zur Führungsverantwortung. Risiko des Irrtums inklusive.

Wer wagt, gewinnt ...

Tännler: Wie gesagt: Demokratie ist kein spontanes Vabanquespiel, sondern ein oft zeitaufwendiger Prozess. Um ihn letztlich für alle zu einem gewinnbringenden Ergebnis zu führen, hat die Baudirektion die politischen Instrumente sogar noch erweitert. Denken wir an das Stadttunnelprojekt oder an die flankierenden Massnahmen zur Umfahrung Cham-Hünenberg. Dort haben wir dank öffentlicher Mitwirkungsverfahren zu breit abgestützten Lösungen gefunden und damit letztlich wohl auch Zeit gespart.

Der Kanton entwickelt sich rasant. Wird Sie das in einer dritten Legislatur noch mehr fordern als bisher?

Tännler: Ich glaube schon, dass die Messlatte höher gesetzt sein wird, insbesondere im Umsetzen von Entscheidungen, die bereits getroffen worden sind. Beispielsweise das neue Richtplangesetz wird für die Gemeinden und vor allem für den Kanton zu einer grossen Aufgabe. Da wird es viele Hürden zu bewältigen geben. Aber wir werden diese Herausforderung gewissenhaft angehen.

Stichwort «Wachstum im Kanton Zug». Was bereitet Ihnen Sorgen?

Tännler: Obwohl ich ein Befürworter der Marktwirtschaft bin, finde ich, dass wir die Preisgestaltung im Wohnungsbereich im Auge behalten müssen. Doch wir sind hierbei mit unseren Vorstössen im Kanton auf einem guten Weg. Ein anderer Punkt ist die Bevölkerungsentwicklung. Wie können wir dem künftigen Zustrom in die Metropolitanregion Zürich, zu der Zug gehört, standhalten? Da stehen noch viele Fragen im Raum, auf die wir Antworten brauchen. Das betrifft unter anderem den Ausbau der Infrastruktur und die Entwicklung nach innen; diese muss verstärkt werden.

Apropos Infrastruktur. Der Stadttunnel – eines der grössten Projekte derzeit. Ist er für Sie ein Prestigeprojekt?

Tännler: Ganz klar nein. Er ist ein Auftrag. Er ist eine Investition in die Zukunft, und man erhält dafür einen Gegenwert, und zwar einen für Generationen. Ich bin von diesem Projekt überzeugt, denn es wird die Stadt und den Kanton weiterbringen, es bringt ihnen einen Mehrwert. Mit Prestige hat es aber nichts zu tun. Viele machen den Fehler, grosse Vorhaben zu personifizieren. Das wird nicht etwa der «Tännler-Tunnel». Was wir tun, ist, die Entscheidungsgrundlage schaffen, und sollte der Souverän schlussendlich Nein sagen, dann haben wir die Grandezza und akzeptieren den Entscheid, obwohl das ohne Zweifel eine verpasste Chance bedeuten würde.

Was denken Sie, wie Herr und Frau Zuger den Entwicklungen in ihrem Kanton gegenüberstehen?

Tännler: Aus Befragungen wissen wir, dass die Lebensqualität im Kanton Zug hoch eingestuft wird. Zudem sind die Zuger Gemeinden beim neusten Standortrating der «Weltwoche» wieder an der Spitze. Kurz: Die Entwicklungen können so schlecht nicht sein. Dass sich das Bild von Zug geändert hat, ist klar. Aber das ist nun mal die Entwicklung, und die ist von Herrn und Frau Zuger ja auch mitgetragen worden. Denn letztlich trägt die Mehrheit des Souveräns die Entscheidungen mit.

Wie sehen Sie den Kanton Zug in zehn Jahren?

Tännler: Ich hoffe, mit einem Stadttunnel, mit einer Umfahrung Cham-Hünenberg, mit einer Tangente Zug/Baar und einem neuen ZVB-Hauptstützpunkt. Ansonsten nicht wesentlich anders. Zehn Jahre gehen sehr schnell vorbei, und grosse Vorhaben brauchen Zeit.

Haben Sie im Sinn, 2015 für den Ständerat zu kandidieren?

Tännler: Das ist für mich jetzt kein Thema. Ich kandidiere für den Regierungsrat und habe ganz klare Ziele, die ich erreichen will. Und sollte mir der Kantonsrat das Vertrauen schenken, dass ich nächstes Jahr Landammann bin, dann ist es gut möglich, dass die Karten neu gemischt werden. Aber wie dieses Neumischen läuft, darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. On verra ...

Was wäre Ihnen ein Anliegen, falls Sie Landammann werden?

Tännler: Ich spreche da die Finanzlage des Kantons an, die zwar solid ist, die aber auch einige Herausforderungen birgt. Erstens ist es mir ein Anliegen, beim anstehenden Entlastungsprogramm als Landammann meinen Beitrag zu leisten und mitzuhelfen, dass wir die angestrebten Ziele erreichen können. Zweitens möchte ich, dass der Finanzausgleich in eine andere Diskussionssphäre gebracht wird. Aktuell ist die Diskussionskultur zwischen Gebern und Nehmern nicht gerade «freundeidgenössisch». Man ist kaum gewillt, diese Herausforderung quasi gemeinsam an einem Tisch zu diskutieren. Als Landammann würde ich hier einen Beitrag leisten wollen und innert vernünftiger Frist nach Lösungen suchen, die den Geberkantonen wie Zug Entlastung bringen können.

Zur Person

Vorname/Name: Heinz Tännler
Partei: SVP
Zivilstand: verheiratet
Beruf: Regierungsrat, Statthalter, Baudirektor, Rechtsanwalt mit
Notariatspatent.
Interessen: Lesen, Tennis, Radfahren, Sport allgemein.
Ämter: Präsident der Zentralschweizer Umweltdirektionen (ZUDK), Vorstand der Energiedirektorenkonferenz (ENDK), Mitglied der Schweizerischen Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK), Präsident des Vereins Minergie Schweiz, VR Axpo, VRP-Parkleitsystem Zug AG.