WAHLEN: «Die politische Kultur ist fragil geworden»

Martin Pfister sieht seine Kandidatur als CVP-­Regierungsrat nicht als Kampfansage gegenüber den Bisherigen. Sein Engagement biete dem Wähler eine Auswahl.

Interview Marco Morosoli
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Der CVP-Mann Martin Pfister engagiert sich gerne für seine Mitbürger: «Das Politisieren ist eine Leidenschaft von mir, sonst könnte man das gar nicht machen.» (Bild Stefan Kaiser)

Der CVP-Mann Martin Pfister engagiert sich gerne für seine Mitbürger: «Das Politisieren ist eine Leidenschaft von mir, sonst könnte man das gar nicht machen.» (Bild Stefan Kaiser)

Nicht wenige sagen, dass die CVP in den vergangenen Jahren nach links abgedriftet sei. Dies, weil die «Stahlhelm-Fraktion» mit Gerhard Pfister und Leo Granziol im Kanton nicht mehr politisiert. Teilen Sie diese Beobachtung?

Martin Pfister: Nein. Unsere Partei deckt ein breites Meinungsspektrum ab. Das war schon früher so. Die CVP-Fraktion politisiert in den zentralen Punkten unserer Agenda sehr geschlossen. Die frühere Gruppenbildung gibt es so nicht mehr. Die CVP ist die führende bürgerliche Partei im Kanton Zug. Die Schematisierung bürgerlich-nicht bürgerlich taugt allerdings nicht viel. Als staatstragende Partei suchen wir für gute Lösungen Mehrheiten und damit oft auch den Kompromiss.

Wie würden Sie sich politisch einordnen?

Pfister: Ich zähle mich zur Mitte. Der Staat muss nicht alles machen, aber er soll die Sachen, die er macht, kompetent erledigen können. Dafür muss er auch mit den notwendigen Mitteln ausgestattet sein. Bildung ist aus meiner Sicht eine Priorität des politischen Handelns. Auch der Qualität des Wirtschaftsstandorts muss Beachtung geschenkt werden. Von ihm hängt im Kanton Zug viel ab. Dabei müssen immer die gewöhnlichen Menschen im Fokus stehen.

Was für ein Politiker sind Sie?

Pfister: Ich kann Leute über die Parteigrenzen hinaus zusammenbringen. Ich bin ein Konsenspolitiker, der Lösungen sucht. Ich habe aber auch eine kreative Ader und entwickle gerne neue Strategien. Die Auseinandersetzung mit heiklen Themen scheue ich nicht.

Wie hat sich die CVP in den vergangenen Jahren verändert?

Pfister: Der Parteibetrieb ist professioneller als noch vor zehn Jahren. Gute Strukturen, über die die CVP verfügt, entscheiden mit über den Erfolg. Ich stelle gerade bei diesen Wahlen fest, dass es für junge, dynamische Leute wieder attraktiver ist, für die CVP zu politisieren, als noch vor wenigen Jahren. Wir sind im Kanton Zug politisch eine gestalterische Kraft. Die CVP hat in den letzten Jahren wichtige Themen wie Bildung, Sicherheit zuerst in die politische Diskussion eingebracht.

Sie haben sich neben den politischen Aushängeschildern Peter Hegglin und Beat Villiger, die wieder kandidieren, auf die Liste setzen lassen. Ist Ihre Kandidatur nicht chancenlos?

Pfister: Es ist die Pflicht der Parteien, dem Wähler eine Auswahl zu bieten. Stille Wahlen für den Regierungsrat fände ich schlecht. Ich habe genügend Erfahrung für das Amt eines Regierungsrats. Jetzt liegt es am Wähler, eine Entscheidung zu treffen.

Kandidieren Sie erneut, wenn der Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin bei den eidgenössischen Wahlen im kommenden Jahr nach Bern wechseln würde?

Pfister: Darüber mache ich mir derzeit keine Gedanken. Ich möchte zuerst im Herbst ein möglichst gutes Resultat erreichen. Und dann ist von der Partei noch nicht entschieden, wer als Nachfolger von Peter Bieri antritt.

In Politikkreisen wird derzeit heiss diskutiert, was das Volk ist. Wie lautet Ihre Definition?

Pfister: Das Volk ist die Summe aller Wähler. Viele Leute sind heute nicht mehr parteigebunden. Ich versuche, auch in diesem Segment zu überzeugen.

Der Job des Regierungsrates bringt wohl Würde, aber noch viel mehr Bürde. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Pfister: Ein Regierungsrat kann gestalten und umsetzen. Das reizt mich. Der Job als Regierungsrat ist zwar intensiv. Das ist bei mir heute schon so, wenn ich Familie, Beruf und Politik unter einen Hut bringen möchte. Das Politisieren ist eine Leidenschaft von mir, sonst könnte man das gar nicht machen. Die Politik ermöglicht auch viele bereichernde Begegnungen. Das Interesse für Politik ist mir in die Wiege gelegt worden. Schon in meinem Elternhaus haben wir viel debattiert.

In einem Statement haben Sie einmal gesagt, dass funktionierende staatliche Institutionen und eine faire, lösungsorientierte politische Kultur gefährdet seien. Wie kommen Sie zu dieser Erkenntnis?

Pfister: Die politische Kultur ist fragil geworden. Je stärker man sich von anderen abgrenzt, desto erfolgreicher scheint man politisch zu sein. Das geht aber auf Dauer nicht gut. Bis jetzt haben wir im Kanton Zug meist Lösungen gefunden, doch das wird immer schwieriger. Die vielen Initiativen und Referenden, die zum Teil zum reinen Marketinginstrument von Parteien verkommen sind, sind ein Symptom für diese Entwicklung.

Die goldenen Jahre des Kantons mit Überschüssen sind vorbei. Auch Zug muss sparen. Wo würden Sie den Rotstift ansetzen?

Pfister: Hört man sich bei der Verwaltung um, sagen viele, sie wüssten schon wo. Wir sollten dort ansetzen. Das Entlastungsprogramm des Regierungsrats sollte zudem eine ganzheitliche Sicht über die Direktionen hinaus einnehmen und klare Prioritäten setzen. Auch die geplanten Investitionen müssen Teil der Betrachtung sein. Es wird aber nicht einfach werden. Das haben wir schon bei der letzten Staatsaufgabenreform gesehen.

Ein Ärgernis im Kanton ist auch der Nationale Finanzausgleich (NFA). Wie kann die verfuhrwerkte Situation zum Segen aller gelöst werden?

Pfister: Die Höhe des Ressourcenpotenzials wird falsch berechnet. Das könnte der Bundesrat rasch korrigieren. Wichtig ist aber auch, dass die Unternehmenssteuerreform III den Wirtschaftsstandort Zug nicht schwächt. Es braucht eine geschickte Diplomatie des Regierungsrats und neue Ansätze, welche die Spirale der Mehrheit der Nehmerkantone bricht.

Wo steht der Kanton Zug im Jahre 2030?

Pfister: Ich wünsche mir einen Kanton mit herausragender Bildung, einer Wirtschaft mit hochwertigen und gut bezahlten Arbeitsplätzen und einer konstruktiven Kultur der Auseinandersetzung. Die Kleinräumigkeit hat den Kanton Zug weitergebracht und ihm gleichzeitig Grenzen gesetzt. Ich hoffe, dass die kurzen Wege für alle Anliegen auch weiterhin ein Markenzeichen des Kantons Zug sein werden. Dafür setze ich mich nach Kräften ein.

Zur Person

Name: Martin Pfister
Partei: CVP
Zivilstand: verheiratet, zwei Kinder, zwei Stiefkinder
Beruf: Historiker, Verbandsmanager
Interessen: Laufen, Joggen, Lesen (historische Sachbücher)
Ämter: Kantonsrat, Zuger Wirtschaftskammer (Vorstand), Hauseigentümerverband (Vorstand).