WAHLEN: Erneut brauchten die Zuger viel Geduld

Erst um 16.30 Uhr waren am Sonntag die Resultate bekannt – viel später als geplant. Die Staatskanzlei prüft nun, wie die Abläufe beschleunigt werden können.

Samantha Taylor
Merken
Drucken
Teilen
In den Auszählungs­- büros gab es am Sonntag viel zu tun. (Bild Keystone/ Alexandra Wey)

In den Auszählungs­- büros gab es am Sonntag viel zu tun. (Bild Keystone/ Alexandra Wey)

Samantha Taylor

Erst war es Spannung, dann verwandelte sie sich in Ungeduld. Das Warten auf die Resultate der nationalen Wahlen hat am Sonntag die Geduld von so manchem Besucher, Politiker und Journalisten strapaziert. Um 13.30 Uhr öffnete das Wahlzentrum im kaufmännischen Bildungszentrum, bis dann aber zu erfahren war, wer zu den Gewählten gehörte, dauerte es noch fast drei Stunden. Um genau 16.13 Uhr trat Landschreiber Tobias Moser vor die Versammlung und verkündete das Ergebnis der Ständeratswahlen. Kurz vor 16.30 Uhr folgten dann auch die Informationen zu den Nationalratswahlen. Zwischenergebnisse aus den Gemeinden gab es keine. Ganz im Gegensatz zu anderen Kantonen und zum Ärger manches Anwesenden. Von verschiedenen Seiten war im Wahlzentrum immer wieder zu hören, dass dieses Vorgehen nicht nachvollziehbar sei. «Das tötet doch die ganze Lust an der Sache», befand einer. Auch eine Leserzuschrift, die unsere Zeitung gestern erreichte, kritisierte die späte Verkündung und die fehlenden Zwischenresultate.

Beschluss der Regierung

«Das Gesetz sieht vor, dass die Staatskanzlei lediglich die Ergebnisse kommuniziert», begründet Landschreiber Tobias Moser das Vorgehen. Wenn ein Wahlkreis wie bei den National- und den Ständeratswahlen der ganze Kanton sei, dann warte man die letzte Gemeinde ab. «Die Staatskanzlei konsolidiert die Meldungen der Gemeinden. Anschliessend macht die Wahlaufsicht die Schlusskontrolle, bevor es im Wahlzentrum zur Veröffentlichung des Ergebnisses kommt», so der Landschreiber weiter. Dass der Kanton in dieser Weise kommuniziert, geht auf einen Beschluss der Regierung im Jahr 2010 zurück. «Bei Zwischenresultaten besteht zudem die Gefahr von Fehlermeldungen und Fehlinterpretationen», erklärt Moser. Ausserdem befürchtet der Landschreiber, dass durch den Druck der Kommunikation von Zwischenergebnissen womöglich eine Hast und ein inoffizieller Wettbewerb bei der Auszählung ausgelöst werden könnten. Dies wiederum könnte sich in einer niedrigeren Sorgfalt niederschlagen.

Zwei Faktoren spielten mit

Dass die Anwesenden gestern allesamt auf die Folter gespannt wurden, hatte laut dem Landschreiber vor allem mit zwei Faktoren zu tun: der gestiegenen Zahl der Listen (17) und der Kandidaten (50) bei den Nationalratswahlen sowie mit dem neuen Wahlsystem bei den Majorzwahlen. Es war nämlich das erste Mal, dass bei der Wahl der Ständeräte nur leere Wahlzettel abgegeben wurden, die von Hand ausgefüllt werden mussten. Die Gemeinden seien zwar gut auf die Rahmenbedingungen vorbereitet gewesen. «Dennoch beeinflussten diese Faktoren die Abläufe in den gemeindlichen Stimmbüros», so Moser. Der Landschreiber betont allerdings, dass die Gemeinden die Wahlen gut vorbereitet und durchgeführt hätten. Auch sei es eine eingespielte Zusammenarbeit zwischen der Staatskanzlei, den Gemeinden und der Wahlaufsicht der Direktion des Innern. Alle seien sich zudem bewusst, dass am Wahltag die Spannung gross sei. Moser: «Wir analysieren darum derzeit, wie man – unter gleichzeitiger Einhaltung der hohen Qualitätsstandards – die Abläufe beschleunigen kann.»