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WAHLEN: Für ihn ist noch lange nicht Abend

Stefan Thöni kandidiert für den Regierungsrat. Der Co-Präsident der Schweizer Piratenpartei ist jung und politisch ein «Aussenseiter». Und hat doch Bodenhaftung.
Susanne Holz
«Ich lasse mich nicht desillusionieren.» «Pirat» Stefan Thöni blickt zuversichtlich in die Zukunft. (Bild Stefan Kaiser)

«Ich lasse mich nicht desillusionieren.» «Pirat» Stefan Thöni blickt zuversichtlich in die Zukunft. (Bild Stefan Kaiser)

Er ist ein Freund der Freiheit und setzt sich auch politisch für diese ein – wie ein Freibeuter wirkt der junge Mann deshalb aber nicht. Stefan Thöni, seit einigen Monaten 30 Jahre alt (siehe Box), macht vielmehr einen ziemlich überlegten und erwachsenen Eindruck. Obwohl Mitglied und Co-Präsident einer kleinen Partei mit Aussenseiterstatus und rebellischem Namen, bewegt sich der jüngste der drei Bewerber um die Nachfolge Peter Hegglins in den Regierungsrat auf sehr geordneten Wegen.

Informatiker und Jurist in spe

Stefan Thöni machte seine Matura in Thun, studierte Informatik an der ETH in Zürich, arbeitet seit gut fünf Jahren bei der Crypto AG in Steinhausen als Softwareentwickler. Vor zwei Jahren startete er ein Fernstudium in Rechtswissenschaften – das Leben dieses jungen Mannes zwischen Arbeit, Studium und Politik ist streng strukturiert. «Ich arbeite, lerne, engagiere mich politisch und schlafe. Zu mehr bleibt keine Zeit», sagt Stefan Thöni. Und fügt in seiner ruhigen und gelassenen Art sogleich an: «Im Schnitt schlafe ich aber schon sieben Stunden.»

Natürlich seien seine Wochenenden verplant – alleine fünf Samstage pro Semester verbringt er mit Präsenzvorlesungen in Fribourg. Doch die Rechtswissenschaft mache ihm Spass: «Sie ist mein momentanes Hobby.» Der 30-Jährige hat fest vor, das Anwaltspatent zu erlangen: «Weil es mich interessiert und meiner politischen Arbeit zugute- kommt.» In politischen Diskussionen kämen immer wieder rechtliche Aspekte auf. Als er einem Parteimitglied und Juristen mal ein paar Fragen zu viel gestellt habe, habe sein Gegenüber gemeint: Geh das doch studieren.

Eine Mutter mit SP-Hintergrund

Neben dem Stefan Thöni mit dem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit gibt es selbstverständlich den leidenschaftlichen Informatiker und Tüftler. Den Technikfreak und «Digital Native». Den Stefan Thöni, der sich als Schüler stark für Geschichte interessierte, speziell für die des 20. Jahrhunderts, und dennoch den Schwerpunkt auf Mathe und Physik setzte. Und den Sohn einer Mutter, die bei der SP aktiv war und am Mittagstisch gerne über Politik sprach.

Diese Mutter hatte aber nie zum Ziel, aus dem Sohn einen SP-Wähler zu machen. «Ich fühlte mich früher zu keiner Partei hingezogen», blickt der heutige Co-Präsident der Schweizer Piratenpartei zurück. «Bei der SP und bei den Grünen kommen die Themen, die mich interessieren, wie die Digitalisierung der Gesellschaft, gar nicht vor.»

Etablierte Parteien haben aus Sicht des jungen Politikers «wenig Ahnung von den heutigen Problemen rund um die Gefährdung der Privatsphäre infolge staatlicher Überwachung, um die Grundrechte einer liberalen Gesellschaft auf Freiheit und um das zunehmende Fehlen neutraler Medien». Stefan Thöni spricht von verzerrten Vorstellungen von der Welt und davon, dass es in den USA eigene Fernsehsender von Demokraten und Republikanern gebe und in der Schweiz eigene Realitäten von SP oder SVP.

Extrem kurzsichtig ist der 30-Jährige, der als Jugendlicher Kafkas «Prozess» oder George Orwells düstere Vision einer Überwachungsgesellschaft («1984») gelesen hat, nur in medizinischer Sicht. Die starke Fehlleistung seiner Augen hat Stefan Thöni mit 14 Jahren vollends an den Computer herangeführt – in der Schule konnten die Lehrer seine Handschrift nicht mehr lesen. Auch war es dem Teenager nicht möglich, Fussball oder Hockey zu spielen: «Meine Augen können nicht fixieren», erklärt Thöni, «Sport fiel flach.» So baute der Jugendliche eben Computer auseinander und wieder zusammen. Oder vergnügte sich mit Videospielen – deren schlechten Ruf er nicht nachvollziehen kann. Dass diese Spiele gewalttätig machten, hält Stefan Thöni für «einen klassischen Fehlschluss». Zeit für diese Spiele finde er heute aber keine mehr: «Inzwischen ist die Politik für mich das interessantere Spiel.»

Blickt der Co-Präsident der Piratenpartei und aktuelle Zuger Regierungsratskandidat in die Zukunft, so macht er das mit Augenmass und einem langen Atem. «Ich bin hartnäckig», betont Stefan Thöni. Und fügt mit Bedacht an: «Ich lasse mich nicht desillusionieren.» Die Politik sei generell und auch für ihn kein kurzfristiges Projekt, sondern müsse in Grössenordnungen von zehn, zwanzig und mehr Jahren betrachtet werden. Er sei ein zuversichtlicher Typ, ruhig, selbstbewusst, kreativ und ohne Angst vor grossen Namen.

Für Freiheit und Gleichheit

Die Anliegen seiner Partei – der Einsatz für Privatsphäre und Datenschutz, die Transparenz des Staatswesens, Laizismus, gesellschaftliche Liberalität sowie Freiheit von Kultur und Medien – sind auch die Anliegen Thönis für den Kanton Zug. Im Detail fügt er an: E-Govern­ment als ein erstes Stichwort. Diesem Gedanken folgen weitere: Die Steuererklärung sollte man künftig elektronisch einreichen können, dem Einzelnen stünde mehr politische Teilhabe zu, jeder Ausländer sollte Deutsch können (müssen) – unabhängig vom Einkommen, und der Pauschalbesteuerung sei ein baldiges Ende zu setzen.

Stefan Thöni ist der Ansicht, dass es einen «Digital Native» wie ihn in der Regierung gut brauchen könne: «Immer nur die alten Herren ... die Chancen und Risiken der Digitalisierung sind bei der Zuger Regierung noch nicht angekommen.»

Ein «Pirat» auf Kurs

zur Person sh. Stefan Thöni kam am 28. September 1985 in Thun auf die Welt. In Spiez wuchs er auf, in Thun machte er die Matura. Das Informatikstudium an der ETH Zürich schloss er mit dem Master ab. Der 30-Jährige arbeitet seit mehreren Jahren bei der Steinhauser Crypto AG in der Softwareentwicklung. Seit zwei Jahren fordert ihn zudem ein Fernstudium in Rechtswissenschaften. Stefan Thöni ist seit 2009 Mitglied der Schweizer Piratenpartei und seit einem Jahr deren Co-Präsident. Seiner aktuellen Regierungsrats-kandidatur sind Kandidaturen für den Kantons- und Regierungsrat im Herbst 2014 sowie für den National- und Ständerat im Herbst 2015 vorausgegangen.

Susanne Holz

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