WAHLEN: In Bern bleiben Zugerinnen weiterhin aussen vor

Im neu gewählten Nationalrat sitzen so viele Frauen wie noch nie. Eine Zugerin ist erneut nicht darunter. Warum?

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Im Gegensatz zu Zug schickt der Kanton Tessin gleich zwei Frauen nach Bern: Roberta Pantani von der Lega (links) und SP-Frau Marina Carobbio wurden beide wieder gewählt. (Bild: Keystone)

Im Gegensatz zu Zug schickt der Kanton Tessin gleich zwei Frauen nach Bern: Roberta Pantani von der Lega (links) und SP-Frau Marina Carobbio wurden beide wieder gewählt. (Bild: Keystone)

Man kann nicht sagen, dass es keine Frauenpower in der Zuger Politik gibt. Im derzeitigen Kantonsrat sind 20 Frauen vertreten – das ist immerhin ein Viertel des Parlaments. Im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug sieht die Bilanz noch besser aus: Quasi ein Drittel der Sitze haben hier Frauen inne. Auch in den Exekutiven der elf Zuger Gemeinden betreiben zahlreiche Frauen Politik: 18 an der Zahl. Sogar zwei Gemeindepräsidentinnen halten das Banner hoch für Frauen in der Politik.

Doch sobald es um höhere politische Weihen geht, scheint die Luft für Zugerinnen dünn zu werden. Bekanntlich kämpft Manuela Weichelt-Picard für die Grün-Alternativen seit Jahren allein auf weiter Flur als Frau im Regierungsrat. Und bei den jüngsten Schweizer Parlamentswahlen gingen Zuger Politikerinnen einmal mehr leer aus – obwohl nun der Frauenanteil im Nationalrat mit 32 Prozent so hoch ist wie noch nie. Woran liegts? Ist in Zug Politik halt immer noch Männersache? Oder fehlt so eine Art Margret Thatcher in Zug?

Zu wenig Sitze

«Ich denke, ein wichtiger Grund für das Fehlen von Zugerinnen im Nationalrat ist schlicht und einfach die geringe Anzahl von nur drei Sitzen», sagt Monika Barmet von der CVP. Die 54-jährige Edlibacherin hat mit 4093 Stimmen immerhin die meisten Stimmen aller Kandidatinnen geholt. Eine respektable Leistung. «Das freut mich sehr und ist eine Bestätigung für meine politische Arbeit», so die Christdemokratin. Sie findet, dass es bereits ein politisches Signal sei, dass so viele Frauen aus Zug fürs Parlament kandidiert haben. «Das soll andere Frauen motivieren.» Doch warum hat sie es nicht nach Bern geschafft? «Es hätte realistischerweise keinen Sinn gemacht, einen Haufen Geld und Zeit zu investieren, um gegen einen so bewährten Politiker wie Gerhard Pfister anzutreten», sagt Barmet. Es müssten eben die Situation und der Zeitpunkt genau stimmen, damit es möglich sei, als Frau gewählt zu werden. «Und Frauen wägen eben noch mehr ab – ob die politische Karriere mit dem Beruf und der Familie zusammenpasst.» Die CVPlerin auf jeden Fall will in den kommenden Jahren dranbleiben.

«Ich habe Nationalratsformat»

Gabriela Ingold fühlte sich ebenfalls berufen, als Zugerin in Bern zu politisieren. Die 50-jährige Inhaberin einer eigenen Treuhandfirma hat stolze 3637 Stimmen erhalten und bekennt: «Ich fühle mich genauso fähig für die Politik wie Männer.» Doch auch in ihrer Partei hat der bisherige FDP-Abgeordnete wieder Tausende an Stimmen mehr erhalten als sie. Dabei scheut sie keine Konflikte mit Männern. Ingold ist auch absolut gegen Quotenfrauen in der Politik: Die Leistung müsse zählen. «Vielleicht braucht es halt einfach immer jemand, der die Erste ist», kann sie sich vorstellen, warum es bei den Zugerinnen bisher noch nicht geklappt hat. Sie kann sich durchaus vorstellen, diese erste Frau zu sein, der es in vier Jahren gelingt, in den Nationalrat einzuziehen. «Denn ich habe Nationalratsformat.» Für das Zuger Frauenmanko in Bern sieht Ingold auch gesellschaftliche Gründe: «Der Kanton Zug ist zwar sehr modern und urban, hat aber auch eine sehr ländliche Seite.»

Dabei kann einem die ländliche Seite auch durchaus Erfolg bescheren. «Ein Viertel meiner Stimmen stammt aus Hünenberg», sagt Anna Bieri von der CVP, und lacht. Mit 3908 Stimmen hat die junge Hünenbergerin ebenfalls ein sehr respektables Wahlergebnis eingefahren. Doch auch sie hofft natürlich, dass die Wahlarithmetik sich künftig noch zugunsten der Zugerinnen verändert. «Es ist für mich schwer zu sagen, warum es Frauen aus Zug bislang noch nie ins Parlament geschafft haben – denn es gibt hierzulande viele ambitionierte Frauen in der Politik», ist sich die 30-jährige Mathematiklehrerin sicher. Sie ist auch überzeugt, dass Zuger Frauen keine Angst haben, in so einem gewichtigen politischen Amt ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. «Allerdings ist so ein Posten im Regierungsrat oder im Nationalrat vielleicht für manche Frau eben zeitlich eine grosse Belastung.» Der Kantonsrätin macht das Politisieren – «Ich streite gerne konstruktiv» – jedenfalls so viel Spass, dass sie es sich durchaus vorstellen kann, in vier Jahren noch einmal für Bern zu kandidieren. «Das jetzige Ergebnis ist ein Motivationsschub für mich gewesen.»

«Im Wesen ist Zug konservativ»

Doch Motivation ist eine Sache, die politische Ausgangslage offenbar eine ganz andere. Und da hält Christina Bürgi Dellsperger von der SP, die bei der Wahl 2987 Stimmen erhalten hat, nicht hinterm Berg. «Im Wesen ist Zug trotz seiner vielen internationalen Firmen und den vielen Expats eben sehr konservativ, und die Wähler stimmen lieber für Mannen als für Frauen», so die 55-jährige Rischerin, die derzeit als Schweizer Diplomatin in der Türkei arbeitet. Wobei sie kritisiert, dass in Zug auch von «Frauenseite» offensichtlich nicht gewollt sei, eine Kandidatin in den Nationalrat zu wählen. Das liege nicht zuletzt daran, dass in den bürgerlichen Parteien in den vergangenen Jahren kaum Kandidatinnen aufgebaut worden seien. Da würden sich die linken Parteien schon wesentlich fortschrittlicher zeigen. «Ich hoffe aber, dass ich es irgendwann noch erlebe, dass eine Frau aus Zug in den Nationalrat gewählt wird.» Barbara Gysel (38), ebenfalls SP, die trotz ihrer 6612 Stimmen nicht in den Ständerat gewählt wurde, geht indes so weit zu sagen, dass sich alle Zuger Parteien hinterfragen müssten, ob sie Frauen effektiv reale Wahlchancen schaffen: «Das gilt auch für linke Parteien. Zu oft wurden und werden Frauen leider als blosse Stimmenfängerinnen eingesetzt.» Für Gysel ist trotzdem klar: «Kommt Zeit, kommt Frau!»Wolfgang Holz