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WAHLEN: Mit dem Erfolg kam die Motivation

Der Baarer SP-­Kantonsrat Zari Dzaferi will in die Zuger Regierung. Er möchte auch Zugs soziales ­Gewissen sein.
Harry Ziegler
SP-Kantonsrat Zari Dzaferi will Zuger Regierungsrat werden. (Bild Stefan Kaiser)

SP-Kantonsrat Zari Dzaferi will Zuger Regierungsrat werden. (Bild Stefan Kaiser)

Wer dem 30-jährigen Baarer Zari Dzaferi zum ersten Mal begegnet, dem fällt auf, dass er viel lächelt und lacht. Überhaupt scheint der SP-Kantonsrat von heiterem Gemüt zu sein. Der Sekundarlehrer, der im Kantonsrat momentan seine zweite Legislatur absolviert, kann in ihm wichtigen Fragen aber durchaus bissig, ja manchmal sogar richtiggehend verbissen sein. «Im positiven Sinne», wie Kolleginnen und Kollegen aus dem Zuger Kantonsparlament sagen. Aber er sei nicht leicht zu überzeugen. Argumente müssten schon schwerwiegend sein, um den Baarer zu überzeugen. Setzt sich Zari Dzaferi für eine Sache ein, dann immer zu mehr als 100 Prozent.

Tatsächlich zeichnen sich der Politiker und der Mensch Zari Dzaferi durch eine gehörige Portion Hartnäckigkeit aus. Diese Hartnäckigkeit hat ihn auch zu dem gemacht, was er heute ist: «Humorvoll, pflichtbewusst, fleissig, sozial und liberal», wie er sich selber beschreibt. Entsprechend richtet sich seine politische Tätigkeit aus: «Schutz, wo nötig, Freiheit, wo möglich», so einer von Dzaferis Leitsätzen.

Nicht immer schnurgerade

Das Leben des 30-Jährigen verlief nicht immer ohne Brüche. Mit seinen Eltern kam der junge Zari zu Beginn der 1990er-Jahre aus Mazedonien in die Schweiz, «direkt nach Baar», wie er im Gespräch sagt. Und fast ebenso direkt in den Fussballklub Baar. Wo er heute noch aktiv ist. «In einer Vor-Seniorenmannschaft», wie er schmunzelnd sagt. Beim Fussball könne er so richtig den Kopf durchlüften. Denn dieser Kopf arbeitet pausenlos – Dzaferi sprudelt vor Ideen. Momentan sieht man ihn wieder mit seinem Wahlvelo durch die Strassen fahren. Diesmal kandidiert er für den Regierungsrat. Das Wahlvelo war bereits im letzten Nationalratswahlkampf in Gebrauch. Der Bildungspolitiker und Sekundarlehrer Dzaferi hat zu Beginn seiner Schulkarriere den Wert der Bildung nicht zur Gänze erkannt. «Es musste in der Realschule erst Klick machen», sagt er. Nach einem Jahr in der Realschule wechselte er in die Sekundarschule und nach zwei Jahren an die Kantonsschule, wo er während vier Jahren das Wirtschaftsgymnasium besuchte und mit der Matura abschloss. Nach der Matura hat er sich eine Zeit lang mit dem Gedanken getragen, Wirtschaftswissenschaften zu studieren. «Ich musste mir aber eingestehen, dass es dabei um zu viele Zahlen und um zu wenig Mensch geht.» Deshalb hat er an der Pädagogischen Hochschule Luzern die Ausbildung zum Sekundarlehrer absolviert. Heute unterrichtet er in Menzingen. Dieser Lebenslauf ist denn auch Dzaferis ganz eigene Antriebsquelle, er treibt ihn vorwärts. «Denn», so der SP-Regierungsratskandidat, «mit dem Erfolg kommt auch die Motivation.»

Kein «Papierlischwiizer»

Dass den 30-Jährigen die Menschen mehr faszinieren als Zahlen, zeigt auch seine Zeit in der Armee. «Aus der Militärzeit nehme ich Positives und Negatives mit.» Dzaferi schätzte es, Teile der Schweiz zu entdecken, die er sonst wohl nicht kennen gelernt hätte. Auch gefiel ihm, dass Menschen aus unterschiedlichsten Schichten, Regionen und Berufsgattungen zusammenkommen. «Noch heute pflege ich einige Freundschaften.» Dzaferi, der zu Hause mit seinen Eltern häufig Albanisch spricht, hat – zu Beginn der RS von «Patrioten» als «Papierlischwiizer» belächelt – in Bière die Infanterieausbildung absolviert. Sein sprachliches Talent schien sich herumgesprochen zu haben. Er erledigte nach und nach zahlreiche Schreibarbeiten für «sprachlich Ungewandte», wie er sagt. Er habe sich aber auch oft über den verschwenderischen Umgang mit Steuergeldern aufgeregt. «Unnötiges Herumfahren mit Fahrzeugen, weil man noch Benzinbudget hatte, oder 1000 frisch kopierte Blätter zu schreddern, empfand ich als reine Verschwendung.» Seine Wiederholungskurse absolvierte er als Soldat. Kürzlich wurde er nach erfüllter Dienstpflicht aus der Armee entlassen.

Das Studium selber finanziert

Dzaferi weiss aus eigener Erfahrung, dass es im täglichen Arbeitsprozess nicht nur Kopfarbeiter gibt. «Ich bin als Arbeiterkind aufgewachsen.» Sein Studium an der Pädagogischen Hochschule hat sich der 30-Jährige zum grössten Teil selber finanziert. «Ich habe ab der Sekundarschule in fast allen Ferien gearbeitet.» Er sei als Hilfsgipser auf Baustellen tätig gewesen, habe als Kurierfahrer und als freier Journalist gearbeitet. All diese Erfahrungen hätten seine Neugier geweckt. Auch für die Politik. Aufgrund seiner Erfahrungen ist für ihn klar, dass sich ehrliche Arbeit lohnen müsse. Dafür kämpfe er. Zug brauche in der Regierung eine zweite linke Stimme, ein soziales Gewissen.

Er kommt bei vielen gut an

Das dürfte der Zuger SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin politisch zwar etwas anders sehen. Dennoch ist Bruhin Mitglied in Dzaferis Unterstützungskomitee. «Ich mache klare Politik, und wenn Gregor Bruhin findet, dass das unterstützenswert ist, dann freut mich das», so Dzaferi. Politische Überschneidungen mit Bruhin gäbe es zwar wenige. Höchstens vielleicht in einzelnen Fragen der Bildungspolitik. Das sei aber gar nicht zentral. «Es ist für linke Kandidaten wichtig, in der ganzen Breite des politischen Spektrums Unterstützung zu finden.» Wenn ihm das gelinge, dann sei das sehr positiv. «Es gibt in meinem Komitee übrigens auch andere Menschen, die politisch das Heu nicht unbedingt auf derselben Bühne haben, mich aber unterstützen, weil sie mich als Typ gut finden und von meiner Art, Politik zu machen, überzeugt sind.»

Zari Dzaferi

Zur Person haz. Zari Dzaferi ist ledig und seit Jahren in einer glücklichen Partnerschaft. Der 30-Jährige mit Master of Secondary Education (Deutsch, Englisch, Sport, Geschichte) arbeitet aktuell als Reallehrer in Menzingen. Als politisch prägende Figur nennt Dzaferi den ehemaligen Baarer SP-Gemeinderat Walter Ineichen. Seit 2011 sitzt Dzaferi für die SP Baar im Kantonsrat. Dort präsidiert er die Redaktionskommission und ist Mitglied der Bildungskommission. Dzaferi ist Präsident der SP-Sektion Baar.

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