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WAHLEN: Thomas Aeschi: «Wir müssen unsere Werte bewahren»

Er sass gerade mal ein Jahr im Kantonsrat, als ihn die Zuger in den Nationalrat wählten. Thomas Aeschi will alles dafür tun, dass sich daran nichts ändert.
Freddy Trütsch
Setzt wieder auf Äpfel: Thomas Aeschi macht beim Bahnhof Zug Werbung in eigener Sache. (Bild Maria Schmid)

Setzt wieder auf Äpfel: Thomas Aeschi macht beim Bahnhof Zug Werbung in eigener Sache. (Bild Maria Schmid)

Freddy Trütsch

Wenn es einen Beweis dafür braucht, dass man sich in der Politik nicht immer hochdienen muss, dann dient der Baarer Nationalrat Thomas Aeschi als Beispiel. Innerhalb von rund drei Jahren sass er in der Grossen Kammer. Aber das Neue hat ihn schon immer fasziniert. Er scheut sich auch nicht anzupacken. Beruflich arbeitet er für eine führende internationale Management- und Strategieberatungsfirma.

Thomas Aeschi, Sie machen einen sehr strukturierten, zielgerichteten Eindruck. Ist bei Ihnen alles durchdacht bis ins letzte Detail?

Thomas Aeschi: Strukturiert und gut organisiert war ich schon immer. Soweit stimmt der Eindruck. Ich hatte schon immer meine Listen. Heute arbeite ich aber mit Outlook. Prioritäten setzen, das ist für mich wichtig.

Eine Papieragenda führen Sie keine mehr, auch nicht als Back-up?

Aeschi: Nein, schon seit bald zehn Jahren nicht mehr.

Heisst dies, dass Sie Bauchentscheide nicht kennen?

Aeschi: Heisst es nicht. Nicht zuletzt in der Politik entscheidet man viel aus dem Bauch heraus. Ich kann noch so gut Vor- und Nachteile vor einem Entscheid herausarbeiten, über alle Informationen werde ich nicht verfügen. Auch lassen sich Reaktionen auf Vorschläge im besten Fall erahnen. Deshalb komme auch ich nicht um Bauchentscheide herum.

Geschieht dies häufig?

Aeschi: Würde ich schon sagen, ja.

Auch auf Ihrem schulischen Weg findet man keine Umwege.

Aeschi: Gesehen habe ich meinen Weg nicht, da können Sie ganz beruhigt sein.

Aber?

Aeschi: Gespürt. In der Primarschule haben Lehrer Donatus Stemmle und Alex Keel sowie Pfarrer Arthur Weber meine Neugier geweckt und mir die Augen für die Menschen und die Welt geöffnet. Ein gewisser Ehrgeiz war und ist bei mir vorhanden. Nach der Kantonsschule nahm dann alles einen ganz normalen Verlauf. Ich ging an die HSG, beteiligte mich am Studentenaustausch mit Abstechern nach Malaysia und Tel Aviv.

Sie studierten aber auch an der Eliteuniversität Harvard und schlossen ein Nachdiplomstudium mit dem Master in Public Administration ab. Nicht unbedingt alltäglich, dass man überhaupt einen Platz in Harvard bekommt, oder?

Aeschi: Harvard, ja das war eine grossartige Erfahrung. Ganz speziell. Ich habe mich sehr gut auf die Eintrittsanforderungen vorbereitet und dann die Chance erhalten. In Harvard lernte ich debattieren und Aussagen kritisch zu hinterfragen. Ich habe sehr viel profitiert und viele interessante Leute mit den unterschiedlichsten Hintergründen kennen gelernt. Diese Zeit möchte unter keinen Umständen missen.

Sie brauchen immer wieder neue Heraus­forderungen?

Aeschi: Neue Herausforderungen reizen mich. Deshalb suche ich auch immer wieder nach solchen, um mich einzubringen und Lösungen zu erarbeiten.

Sie waren ein Jahr Kantonsrat, gehören jetzt seit vier Jahren dem Nationalrat an. Auch Ihre politische Laufbahn findet auf der Überholspur statt.

Aeschi: In Amerika habe ich mich intensiv mit Politik befasst. Als sich nach meiner Rückkehr die entsprechende Gelegenheit bot, habe ich beschlossen, mich zu engagieren. Mit der Unterstützung der Stimmbürger werde ich mich auch die nächsten vier Jahre für das Wohlergehen der Schweiz einsetzen.

An Themen mangelt es nicht.

Aeschi: Die Schweiz steckt in einer schwierigen Situation. Wenn ich meinen Beitrag zu positiven Veränderungen leisten kann, tue ich dies gerne.

Was ist zentral?

Aeschi: Fragen der Eigenständigkeit, der Selbstbestimmung. Wir müssen alles dafür tun, dass wir diese nicht verlieren.

Sie verfügen auch über ein gewisses Mass an Abenteuerlust. Jedenfalls reisten Sie während der Studienzeit mit dem Motorrad durch die Türkei, Syrien und Jordanien. In Syrien hatten Sie eine technische Panne und lernten Einheimische noch besser kennen.

Aeschi: Stimmt, ja. Das sind sehr liebenswürdige Menschen, äusserst hilfsbereit. Ich fühlte mich bestens aufgenommen.

So gut, dass Sie sogar Gast bei einer Hochzeitsfeier waren?

Aeschi: Bis mein Töff geflickt war, dauerte es rund eine Woche. Ich war Gast im Hause meines Helfers, und er lud mich dann zu einer Hochzeitsfeier ein.

Jetzt wird das Land vom Krieg gebeutelt. Viele Syrer suchen Asyl bei uns. Geraten Sie damit in einen Zwiespalt?

Aeschi: Ja! Doch allgemein: Unser Land erfährt momentan einen massiven Zustrom von Asylsuchenden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Migranten aus Ländern, welche nicht direkt Kriegsherde sind, wie Eritrea oder Sri Lanka. Zu Syrien: Was in diesem Land passiert, das tut mir schrecklich leid. Meiner Meinung nach muss unser Ziel sein, diese Menschen möglichst rasch und effizient zu unterstützen. Tatsache ist doch, dass nur Vermögende und junge Männer es bis in die Schweiz schaffen. Ich finde, dass wir syrischen Flüchtlingen vor Ort, in Nachbarstaaten, effektiver und grosszügiger als bisher helfen müssten und es auch könnten. Die Schweiz verfügt, gerade bei der Hilfe vor Ort, über ausgesprochen hohe Kompetenz. Wir sind in der Lage, Zeltstädte mit Schulen und Spitälern zu bauen und zu unterhalten. Wir setzen in der Asylpolitik völlig falsche Anreize.

Weshalb haben Sie in der Politik Ihre Heimat bei der SVP und nicht bei der CVP oder der FDP gefunden?

Aeschi: Ich war 13 Jahre alt, als es um den EWR-Beitritt ging. Ich habe gespürt, dass es da um eine ganz wichtige und entscheidende Sache geht, nämlich um die Unabhängigkeit und Zukunft unseres Landes. Zu unserem direktdemokratischen System müssen wir Sorge tragen.

Und deshalb SVP?

Aeschi: In diesen Fragen waren und sind mir die beiden anderen Parteien zu wenig zuverlässig. Beide liebäugelten immer wieder mit der EU. Deshalb entschied ich mich für die SVP, die eine ganz klare Linie vertritt. In Wirtschaftsfragen unterscheide ich mich von der Zuger FDP oder CVP nur unwesentlich und arbeite in Bern auch gut mit meinen Zuger Kollegen zusammen.

Sie reisten bisher in über 70 verschiedene Länder und gelten als weltoffen. Passt dies mit der SVP zusammen?

Aeschi: Die SVP ist gegen die Abschottung. Dies wird uns populistisch unterstellt. Vielmehr sind wir eine weltoffene, kulturell interessierte Partei, die sich für eine freie, selbstbewusste und nicht einseitig auf die EU ausgerichtete Schweiz einsetzt. Wir sind für die bilateralen Verträge, aber wir wollen mit unseren Partnern auf gleicher Augenhöhe reden können. Wenn aber Staaten uns diktieren wollen, dann setzen wir uns zur Wehr.

Schweizer Eigenarten und Werte geraten unter Druck. Wo führt dies hin?

Aeschi: Um die Zukunft verstehen zu können, müssen wir unsere Herkunft kennen. Im Moment herrscht in der Schweiz grosse Orientierungslosigkeit. Es verschwindet viel Herkömmliches, alte Traditionen, Gewohnheiten, Schweizer Werte und Eigenheiten. Zu all dem sind seit Beginn dieses Jahres auch Teile unserer Wirtschaft unter Druck geraten. Seien wir vorsichtig und werfen wir nicht alles Alte über Bord, sondern integrieren wir Schweizer Werte in die Moderne. Tragen wir Sorge zu dem, was wir geschaffen haben. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns nicht am weltweiten Wettbewerb mit all seinen Möglichkeiten beteiligen sollen.

Bereiten Ihnen die politischen Entwicklungen Sorge?

Aeschi: Ja schon, denn in den letzten acht Jahren ist vieles in die falsche Richtung gelaufen.

Sie sehen keine Wende?

Aeschi: Doch, in einem gewissen Masse ist eine Wende in Sicht. Wir müssen uns wieder auf unsere eigenen Stärken besinnen. Und dies ist zunehmend der Fall.

Also, wo drückt der Schuh?

Aeschi: In der Verwaltung in Bern herrscht ein klarer Linkskurs. Die politischen Kulturen haben Risse erhalten. Da ist es sehr wichtig, dass wir sie kitten können und konsensfähig agieren.

Nicht zu kitten sind offensichtlich die Unstimmigkeiten im Kanton Zug zwischen CVP/FDP und der SVP. Jedenfalls konnten sich die drei bürgerlichen Parteien nicht für einen Schulterschluss, sprich eine Listenverbindung entscheiden. Die SVP muss einmal mehr alleine in den Wahlkampf steigen.

Aeschi: Das ist schade. Zumal das Ziel, die drei bürgerlichen Sitze im Nationalrat zu verteidigen, bei CVP, FDP und SVP ja gleichlautend sind. Ich bedauere, dass man mit uns nicht zusammenarbeiten will.

Das heisst, Sie ziehen wieder wie vor vier Jahren allein in den Wahlkampf.

Aeschi: Meine Wähler konnten meine Arbeit im Nationalrat verfolgen. Ich habe die Interessierten regelmässig an Anlässen informiert, war immer erreichbar für die Zuger. Jetzt ist die Zeit gekommen, Bilanz zu ziehen. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger müssen jetzt entscheiden. Aus meiner Sicht habe ich gute Arbeit geleistet und hoffe deshalb, dass mir die Zuger wieder das Vertrauen schenken und mich wieder wählen.

Das heisst, Sie werden Ihren Wahlkampf vor allem auch auf der Strasse führen?

Aeschi: Im direkten Gespräch mit meinen Wählern, ja. Ich habe dies vor vier Jahren schon durchgeführt und werde dies wieder tun. Das Diskutieren, auf die Leute zugehen, Kontakt suchen ist vertrauensbildend und wertvoll für beide Seiten.

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