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WALCHWIL: Abschied von einem «Angeschwemmten»

Der Rektor Jürg Portmann hat heute seinen letzten Schultag. Seine Amtszeit ist mit einer starken Veränderung des Dorfs einhergegangen. Der designierte Pensionär blickt auf die Herausforderungen zurück.
Jürg Portmann wird von den Schülern in Walchwil besungen und beschenkt. (Bild: Werner Schelbert (6. Juli 2017))

Jürg Portmann wird von den Schülern in Walchwil besungen und beschenkt. (Bild: Werner Schelbert (6. Juli 2017))

Sommerferien? Von wegen! Als Rektor hat Jürg Portmann gleich viel Ferien wie ein herkömmlicher Verwaltungsangestellter. Seinen letzten Arbeitstag in Walchwil vor der Pension wird er voraussichtlich am 31. Juli wahrnehmen. Danach ist der 65-Jährige pensioniert – 16 Jahre nach seinem Antritt. Fast alle aktuellen Schüler, die ihn am vergangenen Donnerstag mit einem Ständchen verabschiedeten, sind im Sommer 2001 noch nicht auf der Welt gewesen.

Es ist naheliegend, mit Portmann über Vergangenes zu reden, aber das greift zu kurz. Denn er ist, wie er selbst sagt, eine neugierige Person, die noch viel vor hat: hier ein Konzept im Auftrag der kantonalen Rektorenkonferenz, die er acht Jahre lang präsidiert hat; da ein Papier für den Gemeinderat als Diskussionsbasis für die schulergänzende Betreuung. Im Weiteren sind da die Tätigkeiten als Präsident der Musikgesellschaft Walchwil und als Wahlkampfleiter der FDP-Ortssektion hinsichtlich der Gemeinderatswahlen 2018. Und dann ist da noch ein neues Hobby, das der Vater dreier erwachsener Kinder mit seiner Frau Maya begonnen hat: Golf.

Wanderungen durch Walchwil

Vor 16 Jahren war all das noch kein Thema, als er eine Orts­karte von Walchwil auffaltete. «Nachdem ich die Stelle erhalten hatte, wollte ich die Gemeinde kennen lernen», blickt Portmann zurück. In der Folge fand er sich vermehrt an Stammtischen wieder. «Ich bin offen auf die Leute zuge­gangen. Das ist angekommen, denn sie nahmen mich auch als ‹Angeschwemmten› offen auf – das hat mich schon etwas überrascht», schildert er. Portmann hat sich auch darüber hinaus bemüht, Dorf und Menschen kennen zu lernen: Bald nach seinem Amtsantritt war er Präsident der FDP-Ortssektion und der Musikgesellschaft. Denn er und seine Familie waren sich einig, dass er nicht nur Rektor sein wollte, sondern auch aktives Mitglied der Gemeinde.

In beiden Rollen hat er miterlebt, wie die Gemeinde den Spagat zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten zu meistern versucht. Nach Angaben von Portmann besuchen derzeit 20 Prozent der schulpflichtigen Kinder die International School oder andere Privatschulen. Von den rund 280 Schülern der gemeindlichen Schule Walchwil sind viele fremdsprachig und mit einem anderen kulturellen Hintergrund aufgewachsen. Die Integration ist eine echte Herausforderung – und Portmann mag Herausforderungen: «Integration von Kindern passiert nur in Schulen und Vereinen, das ist Fakt. Also muss man sich diesem Thema annehmen, nicht untätig bleiben und wegschauen.» In Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Kulturkommission ist ein Anlass geplant, an dem sich die Eltern kennen lernen und austauschen können.

Auch die Fasnacht bietet Gelegenheit zur Integration. Der einstige Guggenmusiker Portmann hält zwar die «richtige Fasnacht» in Luzern hoch. Dennoch war es ihm stets ein Anliegen, dass die Schule sich am Umzug im eigenen Dorf beteiligt. «Es ist wichtig, den Kindern solche Traditionen weiterzuvermitteln und das Gefühl von Zusammengehörigkeit zu fördern», erklärt er.

Der lange Schatten

Portmann hat viel bewegt an der Schule Walchwil und auch in der kantonalen Rektorenkonferenz, sagt er selbst. Die Gefahr besteht, dass jemand nach so langer und prägender Zeit nicht loslassen kann. Glaubt man Portmann, muss der designierte Rektor Beat Schäli keine Einflussnahme befürchten: «Ich habe schon vor 30 Jahren gesagt, dass ich mit 65 Pensionär sein werde. Daran hat sich nichts geändert», hält Portmann fest, und ergänzt zufrieden: «Ausserdem bin ich absolut überzeugt, dass es in Zukunft gut kommt – in der Schule und in der kantonalen Rektorenkonferenz.» Der Pflichtbewusste wird bis zum letzten Tag dafür besorgt sein.

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

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