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WALCHWIL: China-Wespen retten Kastanien

Jetzt gibt es ein Mittel gegen die schädlichen Gallwespen: Schlupfwespen aus dem fernen Osten rotten die Schädlinge aus. Experten wittern jedoch Gefahren.
Erst seit kurzem in der Deutschschweiz: die Chinesische Schlupfwespe. (Bild Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft)

Erst seit kurzem in der Deutschschweiz: die Chinesische Schlupfwespe. (Bild Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft)

Yasmin Kunz

Noch sind die Früchte grün, doch in ungefähr drei Wochen werden sie erntereif sein: die Edelkastanien. Die auch als Marroni bekannten Früchte wachsen mehrheitlich südlich der Alpen. Vereinzelt gedeihen sie allerdings auch an warmen Orten auf der Alpennordseite. So etwa in der Zuger Gemeinde Walch­wil.

Josef Hürlimann, Landwirt in Walch­wil, besitzt auf seinem Hof zehn Kastanienbäume. Er ist punkto diesjähriger Ernte optimistisch: «Das heisse Sommerwetter und die geringe Anzahl der Gallwespen dürften mir eine gute Ernte einbringen. Ich hoffe, dass wir in ein paar Wochen um die 300 Kilo Kastanien einsammeln können.» Im Hitzesommer 2003 konnte Hürlimann mit 700 Kilo Kastanien eine Rekordernte verzeichnen.

Rund 10 000 Gallwespen im Kanton

Seit 2007 fallen in der Schweiz immer wieder ganze Kastanienbäume der Gallwespe zum Opfer. Die zwei bis drei Millimeter kleinen Insekten, die ursprünglich aus China eingeschleppt worden sind, legen ihre Eier in die Knospen der Edelkastanien und verhindern das Wachstum von Blättern und Früchten. Fazit: Einzelne Äste oder gar ganze Bäume sterben ab.

Die leidigen Kastaniengallwespen – im Kanton Zug dürften es laut groben Schätzungen um die 10 000 sein – könnten allerdings bald der Vergangenheit angehören. Grund: Jetzt ist auch die Chinesische Schlupfwespe in der Deutschschweiz angekommen, wie Martin Ziegler, Bereichsleiter Waldbiodiversität vom Amt für Wald und Wild im Kanton Zug, sagt. Warum man deren Ankunft begrüsst: «Die Schlupfwespen parasitieren die Gallwespen. Das heisst, die Schlupfwespen legen ihre Eier in die Knollen der Gallwespen. Dabei verenden die Larven der Gallwespen, und der Bestand dieser Insekten wird auf natürliche Weise dezimiert.» Von Menschenhand, so Ziegler, könne man diese Insekten nicht ausrotten, «weil sie zu flink sind und sich schnell vermehren.»

Befürchtung: Mutationen

Auch für Ziegler steht fest, dass das Aufkommen der Chinesischen Schlupfwespe im Kanton zu einem massiven Rückgang der schädlichen Gallwespen führt. Doch äussert der Experte auch Befürchtungen: «Wir wissen noch nicht, wie sich die Schlupfwespe hier entwickelt.» So könne es beispielsweise sein, dass die Schlupfwespe auch andere einheimische Insekten zerstört oder sich mit ihnen paart. «Das Verhalten allfälliger Mutanten kann nicht vorausgesagt werden.»

Via Italien in die Schweiz

Ebenfalls unklar ist, wie die Wespen nach Walchwil gekommen sind. «Sie könnten natürlich, wissentlich oder versehentlich eingeschleppt worden sein.» Ziemlich klar ist, dass die Insekten über Italien in die Schweiz gereist sind. Ausserdem geht Ziegler davon aus, dass die Schlupfwespen heuer nicht das erste Mal in Walchwil ihre Eier legen, sondern schon vergangenes Jahr in der Region aktiv waren. Denn: «Geschätzte 50 Prozent der Kastanienbestände weisen diese Insekten auf.»

Die schädlichen Gallwespen könnten also in den nächsten Jahren ganz von den rund 3000 Kastanienbäumen im Kanton Zug verschwinden. Obschon Gallwespen immer wieder für schlechte Ernten sorgen, sind sie nicht das grösste Sorgenkind der Walchwiler Kastanien, wie Josef Hürlimann sagt: «Die Hälfte meiner Bäume leiden an Kastanienrindenkrebs.» Im Frühjahr musste er deswegen bei mehreren Bäumen kranke Teile entfernen. «Einen Baum musste ich leider ganz umtun», fügt er an.

Martin Ziegler bestätigt, dass diese Krebserkrankung (siehe Kasten nebenan) für die Kastanien schlimme Folgen hat, «weil sie kaum behandelbar und sehr ansteckend ist».

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