WALCHWIL: Der Cheschtänä-Igel goes international

Die Redaktion der traditionsreichen Fasnachtszeitung nimmt Rücksicht auf die wachsende englischsprachige Bevölkerung – no fake, wie es vertrauensvoll heisst.

Raphael Biermayr
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Titelbild der traditionsreichen Fasnachtszeitung Cheschtänä-Igel. (Bild: pd)

Titelbild der traditionsreichen Fasnachtszeitung Cheschtänä-Igel. (Bild: pd)

«Walchwil first» steht über der legendären Kastanie auf dem Deckblatt des diesjährigen Cheschtänä-Igel. Und weiter ist zu lesen: «Ohne alternative Fakten. No fake!» In ihrem 111. Jahr hat die Fasnachtszeitung offenkundig die Zeichen der Zeit erkannt und richtet sich auch an die Englisch sprechende Bevölkerung, die im Dorf respektive an den Seesicht-Hügeln bekanntlich wächst.

Besonders gelungen ist in diesem Zusammenhang der Beitrag zu den Chlausjägern, von denen immer mehr Migrationshintergrund hätten. Deshalb sei es «für eine fortschrittliche Gemeinde zeitgemäss, die Chlausjägerregeln mal niederzuschreiben und ins Swinglische (Swiss-Englisch) zu übersetzen». Nachfolgend eine Auswahl der insgesamt 13 Regeln:

«Das Chlausjagen findet jährlich am 5. Dezember (auch in Schaltjahren) ab 17.00 Uhr statt. Samiklaus-Hunting is ever am December 5th (al so in leap-­years), start when dark.»

«Beim Chlausjagen werden keine Waffen getragen, dafür Kuhglocken. Yu have be a friendly hunter ohni guns and weapons, in exchange cow-glocks.»

Chlausjäger bewegen sich zu Fuss. Yur Bentley, Porsche ore Range Rover has to bliib at home, no Shuttlebus, nix Uber Taxi.»

«Gegen Kälte trägt man eine Zipfelmütze. If yu has kold ohrs, a Appenzeller-cap helps. Burka or Hijab ar not allowed.»

«Das Chlausjagen soll Spass bereiten. Most Walchwiler are funny, but no garantie, yugo ring the bells on own risk.»

«Bei Fragen bitte an Einheimische wenden oder sich am Schalter der Gemeindeverwaltung informieren. If yu not tscheggsch the ­rules, thän pliis ask native peepels. Thei called Hürlimann, Rust, Enzler, Red, Miller or Röllin. Wenn yu feind a Röllin, let me know this, bikouse they sind ausgedied.»

Unabsichtlich komisch war im Gegensatz zu den Beiträgen in der Fasnachtszeitung das Hin und Her um die Benennung der im Bau befindenden Nordzufahrt. Diese heisst bekanntlich per Gemeinderatsbeschluss von Ende November 2016 nicht mehr Emmuetenstrasse, wie das der Gemeinderat gern gesehen hätte, sondern Oberdorfstrasse. Natürlich hat auch der Cheschtänä-Igel diese Story aufgenommen: «Emmueten-strasse, so glaubt es mir, will hier kein Mensch, ausser dir!», wendet sich die Redaktion an den Gemeinderat. Doch er hat auch eine weitergehende Forderung: «Oberdorfstrasse, also meinetwegen, aber lasst Hörndlirain auch leben!» Schliesslich wendet sich der Autor an den «hoch geschätzten Gemeinde-King», den Gemeindepräsidenten Tobias Hürlimann: «Gib dir einen Schupf, es macht Sinn! Ich weiss, es wird dir bestimmt gelingen, musst einfach über deinen Schatten springen. Hier noch ein Tipp für das neue Trasse, nennt es doch einfach Tobi-Gasse!»

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch