Walchwil
Die neue Pächterin will dem Riviera Café etwas Italianità verleihen

Renate Baur hat das Lokal auf dem Dorfplatz wiedereröffnet. Für die 52-Jährige ist es eine Rückkehr an einen Sehnsuchtsort. Durch ein besonderes Angebot versucht sie, die Vereine ins Boot zu holen.

Raphael Biermayr
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Die Pächterin Renate Baur (Zweite von links) mit ihrem Team Jan Bruhin, Erika Camenzind (Zweite von rechts) und Linda Imhof.

Die Pächterin Renate Baur (Zweite von links) mit ihrem Team Jan Bruhin, Erika Camenzind (Zweite von rechts) und Linda Imhof.

Bild: Stefan Kaiser (Walchwil, 2. Mai 2021)

Walchwil statt Italien. Viele Jahre lang war Renate Baur als Reiseleiterin im südlichen Nachbarland tätig gewesen. Dann kam die Pandemie und schickte sie auf eine neue Reise. An deren Ende ist sie die neue Pächterin des gemeindeeigenen Cafés in Walchwil. Dieses hat mit «Riviera» immerhin einen italienischen Namen. Bis zur Eröffnung musste sich Baur umständehalber gedulden, ehe am 1. Mai erstmals seit Monaten wieder eine Kaffeemaschine auf dem Dorfplatz brummte – abgesehen von der im Gemeindehaus, natürlich. Es war an diesem Tag zwar diesig und kühl und eigentlich nicht Terrassenwetter: Bekanntlich dürfen Gastronomiebetriebe derzeit nur ihre Aussenbereiche für Gäste öffnen. Doch davon liessen sich Baur und ihr Team die Laune nicht verderben. Auch weil sie die Unterstützung der Bevölkerung gespürt habe.

«Es kamen immer wieder Gäste. Das Bedürfnis nach Zusammensein ist offensichtlich gross.»
Renate Baur ist auf die noch nicht allzu sommerlichen Temperaturen vorbereitet.

Renate Baur ist auf die noch nicht allzu sommerlichen Temperaturen vorbereitet.

Bild: Stefan Kaiser (Walchwil, 2. Mai 2021)

Die 52-Jährige arbeitete 2015 kurzzeitig schon einmal im Walchwiler Lokal, das damals neu war und – nach seinem ersten Pächter benannt – «Loris Coffee» hiess. Doch weil ihre Familie in Rickenbach gerade ein Haus baute, sei es ihr zu viel geworden. «Aber wenn ich von der Autobahn her rüber auf Walchwil schaute, spürte ich immer etwas Wehmut, denn ich mochte den Ort und die Leute», sagt Renate Baur.

Die vierte Pächterin in sechs Jahren

Mittlerweile hätten sich ihre privaten Voraussetzungen geändert, zumal auch ihre beiden Kinder nun selbstständig seien. Ihre Familie stehe voll und ganz hinter ihrem Unternehmen. Es sei ihr Mann gewesen, der sie auf die Pächtersuche der Gemeinde aufmerksam machte. Jene war nötig, nachdem die Vormieter ihren nach drei Jahre ausgelaufenen Vertrag aus öffentlich unbekannten Gründen nicht verlängert hatten. Sie waren in der kurzen Zeit bereits die dritten Mieter und setzten unter anderem auf abwechslungsreiche Mittagsmenus.

Unter anderem gibt es Crêpes zu essen.

Unter anderem gibt es Crêpes zu essen.

Bild: Stefan Kaiser (Walchwil, 2. Mai 2021)

Renate Baur verfolgt eine andere Linie. Einerseits bietet sie – wie in den Anfangszeiten des Lokals – ein reiches Brotsortiment aus Arth sowie Walchwiler Erzeugnisse an. Andererseits gibt es Einfaches zu essen: Sandwiches, Plättli, Crêpes und Piadine. «Alles mit frischen Zutaten zubereitet, auch den Teig für die Piadine machen wir hier», sagt Baur, «aber das Riviera Café ist kein Restaurant, sondern eben ein Café.» Das Augenmerk liege auf der Qualität des Kaffees, mit Linda Imhof zählt sie eine Barista zum Team, die weiteren Mitglieder sind Erika Camenzind und Jan Bruhin.

Jan Bruhin beim Herzstück des Lokals, der Kaffeemaschine.

Jan Bruhin beim Herzstück des Lokals, der Kaffeemaschine.

Bild: Stefan Kaiser (Walchwil, 2. Mai 2021)

Vereine können sich voranmelden

Überdies hat Renate Baur etwas Besonderes eingefädelt: Für Vereinsmitglieder werde das Café von einer Person auf Abruf extra geöffnet, wenn diese nach Trainings oder Proben einkehren wollen. «Sie können sich zum Voraus anmelden», erklärt Baur. Damit schafft sie es, die Öffnungszeiten (siehe Fussnote) straff zu halten und zu vermeiden, dass sie und die Festangestellten Zeit totschlagen müssen. Das war bislang eine grosse Herausforderung.

Bei der Information der Vereine über dieses Angebot wird die neue Pächterin von der Kulturkommission und ihrem Vorsteher Manuel Studer unterstützt. Überhaupt komme der Gemeinderat ihr entgegen, sagt Baur. So seien ihr pandemiebedingte Mietreduktionen in Aussicht gestellt worden. Und man habe gegenseitig vereinbart, Lösungen zu finden, sollte sich die Coronasituation verschärfen.

An das Ende will Renate Baur so kurz nach ihrem Beginn natürlich gar nicht erst denken. Vielmehr will sie das Riviera Café nach zeitweise unruhigen Jahren «als Begegnungsort im Dorf» etablieren. Die Reiselustige ist nicht nur neugierig auf den Austausch mit den Eingesessenen. Sie ist auch gespannt auf die Geschichten der Expats. Diese haben einen namhaften Anteil an der Bevölkerung, die erstmals in der Geschichte über 3800 Köpfe zählt. Renate Baur weiss:

«Damit es mit dem Café gelingt, sind wir auf alle Walchwilerinnen und Walchwiler angewiesen.»

Das Riviera Café hat montags geschlossen sowie dienstags bis freitags von 7 bis 18.30 Uhr, samstags von 7 bis 17 Uhr und sonntags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Aktuelle Informationen unter www.riviera-cafe.ch.

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