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WALCHWIL: Ein Holländer an der Spitze und ein Forstwart unter dem Tisch

Den Cheschtänä Igel gibt es bereits seit 1906. Das «Satirisch-humoristisches Organ der Walachei» wartet auch dieses Jahr wieder mit erstaunlich vielen Geschichten auf. Diese erstrecken sich über elf Seiten – «ohni Bilag».
Raphael Biermayr
Der Cheschtänä-Igel goes international

Der Cheschtänä-Igel goes international

Ernst ist es nur am Anfang im neuen Cheschtänä Igel. Patrick Willemsen erzählt im Vorwort, wie schwierig es gewesen sei, die Alteingesessenen während einer Busfahrt davon zu überzeugen, dass er der neue Präsident der Fasnachtsgesellschaft Walchwil ist – als zugezogener Ausländer. «Damit wurde mir klar, dass mich längst nicht jeder kennt im Dorf», schreibt der Holländer, der seit rund 15 Jahren in Walchwil wohnt. Willemsen nimmt sich auch selbst auf die Schippe, wenn er schreibt, dass er mittlerweile «Es Buurebüebli» singen könne.

Der «Igel» selbst zielt vorwiegend auf alte Bekannte. Garagist und Dorforiginal Chabi Hürlimann kommt in gleich fünf Geschichten vor. Und auch der Gemeinderat wird das eine oder andere Mal angesprochen. Etwa, wenn es darum geht, Namen für das Lokal neben dem Gemeindehaus zu finden, das nach dem Konkurs des ersten Pächters umbenannt wurde. In einem fiktiven Dialog geht es um die Suche des nächsten Namens: «Er: Wie denkst du, werden sie das Lokal beim nächsten Mal nennen? ‹Schmittenstübli› oder ‹Chilenkaffee›? Sie: Ich tippe auf ‹Chilekaffee›, denn da liegst du nicht falsch, weil dort das Defizit mit den Steuern bezahlt wird. Nur so ist der Name zeitlos und hat Bestand.»

Das Festhalten am Veralteten

Apropos Beiz: Die Pächterwechsel in der Fyrabig-Bar sowie deren Öffnungszeiten geben dem «Igel» ebenfalls zu denken. Das gilt auch für die jüngste Korporationsversammlung. Sie verweigerte trotz Bundesgerichtsbeschluss die Öffnung für Träger anderer Nachnamen als der sechs alten Geschlechter. «Hei, wie ist das doch schön. So bleibt unser Döfli ein echtes Kulturobjekt und ein beschauliches Fischer- und Bauerndöfli am Zugersee!», meint der «Igel» mit einer grossen Portion Spott.

Ausserdem erinnert die Zeitschrift an einen offenkundig denkwürdigen Ausflug der Korporation Zug mit dem Walchwiler Forstpersonal, der in einem Lokal in Arth endete. Der «Hintermettler Mathis» versuchte sich im Kiffen, was ihm gar nicht behagte: «Es flog dann der Mathis zack, vom Höcker wie ein nasser Sack. Wie im Trockenen ein Fisch, lag der Forstwart unterm Tisch.» Der Cheschtänä Igel wirft beim abschliessenden Rat seine ganze lange Lebenserfahrung in die Waagschale: «De Igel meint da hinnedrii, wenns nid verlitsch denn lachs la sii.»

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

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