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WALCHWIL: Gedenkblatt für Alois Hürlimann

Mit Alois Hürlimann wurde heute vor 100 Jahren einer der herausragendsten und originellsten Zuger Köpfe geboren.
Jürg Johner
Immer authentisch und kraftvoll: Alois Hürlimann († 2003) würde heute seinen 100. Geburtstag feiern. Er führte stets eine kleine Agenda, auf deren erste Seite er seine Leitsprüche einzutragen pflegte. (Bild: PD)

Immer authentisch und kraftvoll: Alois Hürlimann († 2003) würde heute seinen 100. Geburtstag feiern. Er führte stets eine kleine Agenda, auf deren erste Seite er seine Leitsprüche einzutragen pflegte. (Bild: PD)

Auch als Doktor der Jurisprudenz blieb Alois Hürlimann stark mit den einfachen Leuten seines Dorfes verbunden, der Bauernsohn ab der Chilchmatt verhehlte seinen Stolz, ein Walchwiler zu sein, niemals. Seinem Heimatort diente er denn auch während zwölf Jahren als um- und weitsichtiger Gemeindepräsident. Seine Persönlichkeit, basierend auf fundierten historischen Kenntnissen, einem phänomenalen Gedächtnis, einer sprichwörtlichen Belesenheit, einer zupackenden Tatkraft, einer sprachgewaltigen Brillanz, vermochte er ohne Federlesens und wirkungsreich in das öffentliche Leben des Kantons wie der Eidgenossenschaft einzubringen. Ebenso setzte er stets humanitäre Prinzipien in seine Lebensrealität um. Sein Leben und Schaffen umschloss vier Bereiche:

Der Politiker: Nach 7 Jahren im Kantonsrat wählte ihn das Zuger Volk 1955 in den Regierungsrat, dem er 19 Jahre angehörte. Nicht umsonst erhielt er die Bezeichnung «dynamischer Baudirektor» zuerkannt, erwies er sich doch als Macher par excellence. So mit dem Bau- und Strassengesetz, dem Autobahnbau, den ­kantonalen Schulen, dem kantonsübergreifendem Abwasserreinigungssystem und der interkantonalen Strafanstalt Bostadel. Als lustvoller, eigenwilliger, visionärer Politiker glänzte er von 1963 bis 1979 als Nationalrat in Bern, wo ihn die CVP-Fraktion zum Chef berief und wo er als Vater der Gesamtverkehrskonzeption in die Annalen einging.

Der Sprachvirtuose: Alois Hürlimann zündete – mündlich wie schriftlich – derart einzigartige sprachliche Feuerwerke, dass es in Zug bloss einen Kontrahenten gab, welcher sich als ihm ebenbürtig erwies, nämlich Kantonsrat Hans-Ulrich Kamer, mit dem er eloquente Duelle auf höchstem Niveau ausfocht. Er selber blieb schweizweit der Einzige, der es auf nämlicher Ebene mit James Schwarzenbach aufnehmen konnte. Hürlimanns Schriften und Reden sprühten geradezu vor Elan und Leidenschaft. Unvergesslich auch seine Ansprachen, welche er einzuleiten pflegte: «Meine Herren, meine Rede gliedert sich in drei Teile, Teile zwei und drei kenne ich selber noch nicht.» Während er sodann sprach, kam sein feines und untrügliches Gespür für das zum Tragen, was seine Zuhörerschaft umtrieb, welche Schwerpunkte sie zu vernehmen wünschte.

Der Mitmensch: Bereits als Zentralsekretär des Schweizerischen Studentenvereins von 1943 bis 1950 und als Zentralpräsident des Verbandes Katholischer Arbeitervereine der Schweiz von 1952 bis 1962 konnte Alois Hürlimann v/o Soz seine Herkunft aus der christlichen Soziallehre prägend unter Beweis stellen. Denn er wirkte als Initiant der überlebenswichtigen Lieferung von Hilfsgütern der Stadt Zug an die durch den Krieg äusserst schlimm zugerichtete Stadt Fürstenfeld in der Südoststeiermark. Schon damals verdichteten sich bei ihm klärende gedankliche Vertiefungen zu glasklaren Haltungen, welche er in schnörkellose Entscheidungen umsetzte, getreu seinem lebenslangen Leitbegriff: «Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.» Sein intelligent strukturiertes Denken und Handeln in Zusammenhängen liess keine verbohrten Kleindenker zu, welchen er gleichwohl mit argumentativem Respekt begegnete.

Die Frohnatur: Ausgerüstet mit mediterranem Temperament und ansteckendem Humor pflegte der sinnenfrohe ­«Chilch­matt-Wysel» seine gemütlichen Runden und geselligen Unterhaltungen, erholte und erlabte sich in südlichen Gefilden an Erzeugnissen aus Küche und Keller sowie kulturellen Erbauungen. Legendär waren die sonntäglichen Mittagessen im Kreise seiner Familie, wo während Stunden debattiert, gelacht, politisiert und philosophiert wurde.

Mit Alois Hürlimann, welchen seine Heimatgemeinde Walchwil 1986 zum Ehrenbürger ernannte, ist am 27. September 2003 ein aufrechter, authentischer und kraftvoller Mensch und Politiker in die ewige Freude eingegangen.

Jürg Johner,Lokalhistoriker

... Einer davon war «Die Tat ist alles, nichts der Ruhm». (Bild: PD)

... Einer davon war «Die Tat ist alles, nichts der Ruhm». (Bild: PD)

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