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WALCHWIL: Geprüft über den Zugersee

Wer auf dem See mit seinem Boot unterwegs ist, wird genau geprüft – dabei schauen die Experten auch auf Krankheiten.
Luc Müller
Markus Meier ist Schifffahrtsexperte beim Strassenverkehrsamt. (Bild Werner Schelbert)

Markus Meier ist Schifffahrtsexperte beim Strassenverkehrsamt. (Bild Werner Schelbert)

Luc Müller

Die Sonne brennt und lässt das Seewasser glitzern. Mit der Sonnenbrille auf der Nase und in kurzen Hosen besteigt Markus Meier (53) das kleine Sportboot. Jedoch nicht für eine erholsame Fahrt über den Zugersee, sondern er macht seine Arbeit. Er ist einer von drei Schifffahrtsexperten beim Strassenverkehrsamt des Kantons Zug. Und wie die Autos müssen auch die Boote beim Experten vorgeführt werden. Von April bis Oktober werden Boote geprüft, an einem durschnittlichen Tag bis zu acht Stück.

«Die Klientel ist anders. Wer ein Boot hat, pflegt damit sein Hobby. Unsere Kontrollen werden nicht als Last empfunden», sagt Meier, der selber auch Automobile prüft. In der Woche ist er dreimal beim Zugersee vor Ort, um die Schiffe auf ihren technischen Zustand und die Einhaltung von Umweltvorschriften zu überprüfen.

2000 registrierte Boote

Segel- und Ruderboote müssen alle sechs Jahre beim Experten des Strassenverkehrsamts vorgeführt werden. Auf dem Zuger- und Ägerisee sind zusammen rund 2000 Boote registriert. «Die Zahl ist seit Jahren etwa konstant. Das hat auch mit der beschränkten Anzahl von Bootsplätzen zu tun. Für viele Stellen gibt es auch schon Wartelisten», sagt Markus Meier.

Veraltete Schwimmweste

Motorboote werden alle drei Jahre unter die Lupe genommen. Markus Meier lässt den Aussenbordmotor laufen. «Ich schaue, ob sich kein Ölfilm auf dem Wasser bildet», sagt der Experte. Darauf werde stark geschaut. «Die Schweizer Seen bilden ein Trinkwasserreservoir, da sind die Vorschriften streng.» Das Boot mit einem 6 PS starken Motor schwankt leicht. Markus Meier hat sich in den hinteren Teil bewegt. «Die Schwimmweste entspricht nicht mehr den neusten Vorschriften. Auch das Notlicht fehlt», hält Meier fest und macht sich Notizen. Auch das Rundumlicht, das auf dem Boot auf einem Stab befestigt wird – damit man auf dem See von weither sichtbar ist –, fehlt. Ansonsten ist alles in Ordnung, die rund zehnminütige Prüfung ist abgeschlossen. «Mit ihrer Unterschrift bestätigen Sie, die oben aufgeführten Beanstandungen an ihrem Schiff unverzüglich fachmännisch beheben zu lassen. Wir wünschen Ihnen gute Fahrt», ist auf dem offiziellen Prüfbericht zu lesen. Nur bei grösseren Fehlern muss das Schiff zur Nachkontrolle vorgeführt werden.

Alle zwei Jahre ans Land holen

Werner Fehr von der gleichnamigen Baarer Firma für Marine-Service, fährt das Schiff nun für seine Kundin wieder nach Hause. «Die Boote darf man das ganze Jahr im Wasser lassen», erklärt der langjährige Fachmann. «Aber ich rate den Kunden, das Boot mindestens alle zwei Jahre an Land zu holen und trocknen zu lassen.» Ist das Boot auf dem Trockendock, wird bei Bedarf gleich die Unterbodenversiegelung erneuert.

Osmose im Visier

«Ich mache vor allem eine optische Kontrolle von aussen. Wenn ich etwas entdecke, kann ich anordnen, das Boot beim Zuger Hafen auszuwassern», erklärt Prüfer Markus Meier. Vor allem bei den Schiffen mit Plastikschale ist auf die Osmose-Krankheit zu achten. Im Laufe der Ölkrise in den 70er- und 80er-Jahren kamen fehlerhafte Kunststoffe auf den Markt. Das Material kann zu gären anfangen und Blasen bilden, wodurch der Schiffsrumpf brüchig werden kann. Boote mit einer Leistung von mehr als 55 PS müssen sich einer Lärmmessung unterziehen.

Ein Seglertraum

Schon steht beim neuen Hafen von Walchwil direkt neben dem Restaurant Lido das nächste Boot zur Kontrolle bereit. Ein wahrer Seglertraum ist hier vor Ort: ein zehn Meter langes Holzschiff aus Mahagoni mit einem zwölf Meter hohen Masten. «Das Boot habe ich 1952 in Zürich gekauft. Es stammt aus Hamburg», berichtet Besitzer Arthur Rust (83) stolz. «Das ist eine richtige Rennjacht.» Das Boot pflegt er auch heute noch mit viel Liebe. «Den originalen Holzmast hat es einmal durch einen Fallwind hier auf dem Zugersee abgeknickt», erzählt Rust, der eine Kapitänsmütze trägt. Bei der Kontrolle gibt es vor allem eine Beanstandung: Der alte 2-Takt-Motor, der mit einem Öl-Benzin-Gemisch betrieben wird, verliert zu viel Öl. «Der Motor muss nochmals zur Nachkontrolle», sagt Prüfer Markus Meier. Ab 2017 sind diese 2-Takter aber verboten.

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