WALCHWIL: Historisches Haus braucht neuen Gastgeber

Das Gasthaus Engel bekommt bald einen neuen Chef. Und dies, obwohl Besitzer, Pächter und Geschäftsführerin mit der momentanen Geschäftslage äusserst zufrieden sind.

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Im Gasthaus Engel in Walchwil steht ein Wechsel an. (Bild: Werner Schelbert (16. Februar 2017))

Im Gasthaus Engel in Walchwil steht ein Wechsel an. (Bild: Werner Schelbert (16. Februar 2017))

Für das Gasthaus Engel in Walchwil wird ein neuer Pächter gesucht («Zuger Zeitung» vom 10. Februar). Schon wieder. Denn erst im Oktober 2014 hat Peter Leder den «Engel» gepachtet. Leder führt zusammen mit seiner Gattin Bozena zwei Lokale in Brunnen. Genauer das Hotel Restaurant Weisses Rössli an der Bahnhofstrasse und das «Steakhouse».

Leders Plan sah vor, dass er die Betriebe in Brunnen aufgeben will, um sich per Herbst 2017 «ganz und gar auf das Gasthaus Engel in Walchwil zu konzentrieren», wie er vor zwei Jahren der «Zuger Zeitung» verriet. Bis dahin sollte Beatrice Furrer als Geschäftsführerin in Walchwil amten. «Sie ist jung und sehr tüchtig», schwärmte Leder damals und ergänzte: «Zuvor führte sie für uns das Steakhouse.» Auch Koch Fabian Baumann verlegte seinen Arbeitsort von Brunnen nach Walchwil und schmiss erfolgreich den Laden zusammen mit der jungen Urnerin.

Die Gesundheit geht vor

Doch schon Mitte dieses Jahr ist Schluss – und Peter Leders Pläne sind Schall und Rauch. Denn aus gesundheitlichen Gründen will oder besser kann er die Pacht nicht weiterführen.

«Ich bedaure das sehr», sagt Hans Durrer, Besitzer des Gasthauses Engel und fügt an: «Ich wünsche Peter Leder nur das Allerbeste.» Weil Fabian Baumann wieder nach Brunnen zurück will und die inzwischen verheiratete Beatrice Hughes-Furrer die Pacht nicht übernehmen kann, muss Durrer eine andere Lösung finden. «Hughes kann die nötige Garantie von sechs Monatsmieten nicht aufbringen und bekommt bald ein Kind», erklärt Durrer das Aus für die junge Frau mit den rot gefärbten Haaren, die im Dorf sehr beliebt ist. «Und da zudem ihr Mann nicht in der Gastronomie zu Hause ist, ist das Ganze für sie zusätzlich schwierig.»

«Verlange einen moderaten Mietzins»

Nur 8000 Franken betrage die Monatsmiete des «Engels», sagt Durrer. Darin seien nebst der Gaststube die Bar im Untergeschoss, die Wirtewohnung, sechs vermietbare Zimmer und 19 Parkplätze inbegriffen. «Ich verlange nur einen moderaten Mietzins, ­damit jemand Geld verdienen beziehungsweise anständig vom Gastbetrieb leben kann», betont Durrer. «Ich will, dass die Walchwiler Freude haben und der ­‹Engel› auch weiterhin als Treff für die Dorfbewohner zur Verfügung steht.»

Die Anfragen zur Übernahme der Pacht seien zahlreich, sagt Durrer. Unter den Interessenten seien einige bekannte Gastronomen aus dem Kanton Zug. «Mir ist es wichtig, dass das Restaurant gut geführt wird und als Gasthaus weiter erhalten bleibt», sagt Durrer. Dies umso mehr, als es in Walchwil nicht so viele Orte gebe, wo gutbürgerlich gekocht werde und die Gäste in heimeliger Atmosphäre verweilen könnten.

Denkmalgeschütztes Giebelhaus

Hans Durrer hat den Engel im Jahr 1987 gekauft, unter Denkmalschutz stellen lassen und rund 4 Millionen Franken investiert. Das stattliche Giebelhaus wurde im Jahr 1669 erbaut und erhielt erstmals sein «eisernes Wirtsschild». Das heute noch vorhandene Intarsien-Buffet kam 1784 in die Wirtsstube. Von diesem Jahr an war im «Engel» auch das Postamt zu finden. In dieser Zeit war das Haus auch ein wichtiger Ort für die Gotthardstrecke. Hier wurden die Pferde gewechselt und die Reisenden mit Speis, Trank und einem Zimmer versorgt. Die Investition sei nur möglich gewesen, weil er den «Engel» über seine Firma habe kaufen und die Investitionen abschreiben können, erklärt Durrer. «Darum kann ich den Betrieb auch zu einem günstigen Preis verpachten, damit die Pächter gut leben können.» Er hoffe nun, dass es Mitte Jahr nahtlos weitergehe und ein Pächter übernehme, der dem «Engel» möglichst lange erhalten bleibe.

 

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch