WALCHWIL: Im Messbecher steckt der Preis der Kuh

Peggy Hürlimann holt Milchproben bei den Bauern in der Gemeinde ab. Ihre Arbeit hat eine grosse Auswirkungen.

Stephanie Hess
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Sie tauschen sich nicht nur über die Milchmengen aus, sondern gerne auch über den Alltag: Milch­kontrolleurin Peggy Hürlimann und Bauer Josef Hürlimann. (Bild Stefan Kaiser)

Sie tauschen sich nicht nur über die Milchmengen aus, sondern gerne auch über den Alltag: Milch­kontrolleurin Peggy Hürlimann und Bauer Josef Hürlimann. (Bild Stefan Kaiser)

Pina und ihre 21 Kolleginnen malmen im Stall ihr Futter. Drei Katzen schleichen um die Tröge, ab und an guckt ein Huhn zur Tür hinein. Am Euter von Pina sitzt Bauer Josef Hürlimann auf einem Schemel und stülpt die Becher einer Melkmaschine über die Zitzen. Ums Melken gehts hier aber nicht – sondern vielmehr ums Messen. Neben dem Bauer steht nämlich Peggy Hürlimann, Milchkontrolleurin vom Züchterverband Braunvieh Schweiz. Hat die Maschine genügend lange gepumpt, schraubt Josef Hürlimann den Messbecher ab und überreicht ihn der Kontrolleurin. Und so gehts weiter, Kuh um Kuh. Peggy Hürlimann schwenkt die Milch im Becher, «um sie gut zu durchmischen», bevor sie diese dann in einzelne Probebehälter abfüllt, die mit dem Namen der Kuh beschriftet sind. «Eigentlich», sagt Bauer Josef Hürlimann mit einem Lachen, «geben wir den Kühen nur wegen diesen Kontrollen Namen. Auch wenn ich die Kühe auseinanderhalten kann, kann ich mir selber doch die Namen nie merken.»

Labor testet die Milch

Im Behälter liegt eine Tablette, die verhindert, dass die Milch sauer wird. Sind alle Proben gemacht, schickt sie Peggy Hürlimann ins Milchlabor nach Zollikofen. Dort wird der Fettgehalt der Milch bestimmt, der Eiweiss- und der Laktosegehalt sowie weitere Gehalts- und Qualitätsmerkmale. Diese Informationen erhält der Halter schliesslich einige Tage nach der Kontrolle.

Während des Melkvorgangs plaudern Peggy Hürlimann und Josef Hürlimann miteinander. Über die Kühe, den Hof, das Leben als Landwirt. «Wir reden oft über die kleinen Probleme, die einen Bauern beschäftigen», sagt Peggy Hürlimann. Die ursprünglich Ostdeutsche betreut selber Kühe und Pferde auf dem Walchwiler Schafboden. Der Job als Milchkontrolleurin ist für sie ein Nebenverdienst, gewählt hat sie ihn, weil sie dadurch mit verschiedenen Menschen in Kontakt kommt. Und: «Weil ich Tiere einfach sehr gerne habe.»

Die 40-Jährige besucht «ihre» Bauern einmal pro Monat für die amtliche Kontrolle. Sie sammelt inzwischen seit fast zehn Jahren auf insgesamt 13 Betrieben in Walchwil und Zug Milchproben ein. Damit gehört sie zu den rund 2000 Milchkontrolleuren, die im Auftrag des Verbands Braunvieh Schweiz unterwegs sind.

So werden auch Stiere bewertet

Für jene Bauern, die beim sogenannten Herdebuch mitmachen, ist diese Kontrolle Pflicht, wie Oskar Grüter vom Verband Braunvieh Schweiz sagt. Das Herdebuch sichert die Abstammung des Zuchtviehs, hier wird die Abstammung lückenlos aufgezeichnet.

«Ein zentraler Punkt dieser Kontrollen ist die Selektionsgrundlage, die sie bietet», erklärt Grüter. Denn durch sie könne die Milchleistung der Kuh ausgewiesen werden, was für den Handel preisbildend wirkt. Und nicht nur die Kuh selber wird über ihre Milchmenge und deren Qualität bewertet – sondern auch ihr Vater, also der Stier, der die Samen für die Kuh gegeben hat. So werden anhand der Milchmenge seiner Töchter in den ersten Jahren auch seine genetische Potenz und damit sein Wert berechnet. Wie Oskar Grüter sagt, bezeichnet man die Stiere, die gute Milchkühe zeugen, unter den Bauern als «milchiger Typ». Braunvieh Schweiz führt diese Kontrollen für Braun- und Grauvieh, Hinterwälder- und Jerseykühe durch.

Die Verbandskontrollen sind zu unterscheiden von den staatlich vorgeschriebenen Untersuchungen der Milch. Diese werden zweimal pro Monat in einer Sammelprobe vorgenommen. Hier wird die Milch unter anderem schliesslich auf Keime und Antibiotika-Rückstände untersucht.