Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

WALCHWIL: Jasmin Stadler: «China ist meine zweite Heimat»

Studentin Jasmin Stadler besucht die renommierte Oxford University – auch dank eines Stipendiums der Schweizerischen Studienstiftung. Bald geht ihre Reise weiter, dieses Mal zurück in den Osten.
Andrea Muff
Jasmin Stadler geniesst ihre Ferien, bevor sie ihr Studium in Oxford fortsetzt. (Bild: Maria Schmid (Zug, 16. August 2017))

Jasmin Stadler geniesst ihre Ferien, bevor sie ihr Studium in Oxford fortsetzt. (Bild: Maria Schmid (Zug, 16. August 2017))

Andrea Muff
<span style="font-size: 1em;">andrea.muff@zugerzeitung.ch</span>

Der offene Blick von Jasmin Stadler verrät: Hinter den blauen Augen steckt ein äusserst wacher Verstand. Die 24-Jährige hört aufmerksam zu und gibt durchdachte Antworten – und ihr akademischer Werdegang ist beeindruckend: Universitäten in Peking, London und Paris hat sie bereits besucht. Der kluge Kopf ist auch der Schweizerischen Studienstiftung nicht verborgen geblieben. Sie sprach der Walchwilerin ein Stipendium von 20000 Franken, damit sie ihren Master an der Oxford University fortsetzen kann. Am 1. Oktober geht Jasmin Stadler wieder zurück in die englische Studentenstadt. Sie hat aber ein übergeordnetes Ziel: Jasmin Stadler möchte wieder zurück nach China und ihre Forschungen für eine gute Beziehung zwischen China und dem Rest der Welt einsetzen.

Die Faszination für das Land des Lächelns begleitet Jasmin Stadler schon länger. Mit 16 Jahren reiste sie im Rahmen eines Auslandssemesters der Kantonsschule Zug zum ersten Mal dahin. «Ich wollte in ein Land, das sich möglichst von der Schweiz unterscheidet – aber immer noch sicher ist», erklärt die Walchwilerin. Sie spricht in einem schnellen Tempo und fordert damit die Aufmerksamkeit ihres Gegenübers. Ein halbes Jahr war sie in Schanghai.

Der Reiz der Herausforderung

Nach dem Abschluss der Matura als Jahrgangsbeste zog es Stadler wieder nach Osten. Sie studierte zwei Semester lang Mandarin an der Tsinghua University in Peking. «Am Anfang gibt es eine Riesenhürde, bis man die verschiedenen Töne der Sprache beherrscht, danach ist es aber wie bei jeder anderen Fremdsprache», sagt die 24-Jährige und fügt lachend an: «Ein musisches Gehör hilft.» Für sie hiess es vor allem: Viel üben und die Sprache möglichst oft sprechen. «Ich setze mich gerne Herausforderungen aus», fügt die Studentin hinzu. So auch während ihres Bachelorstudiums am University College London, wo sie auf Chinesisch debattiere. «Das hatte natürlich auch etwas Unangenehmes, und ich fühlte mich manchmal dumm, aber ich muss an der Sprache dranbleiben», erzählt sie. Jasmin Stadler bezeichnet sich selbst unter anderem als hyperaktiv: «Das heisst, ich muss immer etwas zu tun haben. Auch beim Lernen muss das Problem komplex sein, um mich zu fesseln.» So passt das Studium von Mandarin wohl zu ihrem Lernverhalten.

Nach ihrem dreijährigen Studium in London wechselte Stadler noch für ein Jahr an die Science Po in Paris und schloss ihren Bachelor in Politik mit Wirtschaft und Datenwissenschaft im Nebenfach ab. Das Stipendium der Studienstiftung ist nun bereits ihr zweites: Nach dem Bachelorabschluss erhielt sie ein Vollstipendium an der Tsinghua University vom wissenschaftlichen Programm Schwarzman Scholars und kehrte wieder zurück nach Peking. «Ich bin für die beiden Stipendien sehr dankbar. Ich habe dadurch Freunde auf der ganzen Welt und ein grosses Netzwerk», sagt Jasmin Stadler.

Verdiente Ferien bei der Familie

Die vielen Auslandaufenthalte prägten die 24-Jährige: «Für mich sind sie eine enorme Bereicherung, und China ist mittlerweile zu einer zweiten Heimat geworden.» Die Menschen im Reich der Mitte seien «extreme Stehaufmännchen» und sehr zufrieden mit ihrem Leben. Sie habe auch gelernt, sich durchzusetzen, ab und zu «zu ellböglen», wie sie sagt. Unter den Studenten habe sie keine Probleme gehabt, Anschluss zu finden, und meint: «Nur wenn man willens ist, zuzuhören, ist man offen genug, die Kultur zu verstehen.»

Diese Offenheit will Jasmin Stadler auch in ihrem Masterstudium behalten. In Oxford besucht sie Kurse der vergleichenden Politikwissenschaften. In ihrer Masterarbeit will sie der Frage nachgehen, was Regierungen mit «Big Data» machen können. «Big Data» ist ein gigantischer Datensatz, der etwa von Mobiltelefonen, Computern, Regierungen, Google und den sozialen Medien über die Menschen gesammelt wird. «Die Möglichkeiten sind enorm, und ich will zeigen, wie eine Regierung damit umgehen könnte.» Doch bis Jasmin Stadler sich wieder mit solchen Fragestellungen beschäftigt, weilt sie noch ein paar Wochen in der Schweiz. Die Lebensqualität sei hier sehr hoch, meint sie und macht ein Beispiel: «Ich geniesse es einfach, mit dem Velo am Zugersee entlangzufahren – es ist wie im Paradies!» Die nächste Herausforderung lockt die junge Frau aber bereits.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.