WALCHWIL: Mafia-Staffia übernimmt Macht

Die sanfte Regentschaft der Beätels-­Hudiväter ist vorbei. In ­Walchwil hat jetzt die Mafia-Staffia – Ueli und Pädel ­Hürlimann – das Sagen.

Martin Mühlebach
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Die Hudiväter Ueli (links) und Pädel Hürlimann, die unter dem Motto Mafia-­Staffia die Fasnacht feiern. (Bild Stefan Kaiser)

Die Hudiväter Ueli (links) und Pädel Hürlimann, die unter dem Motto Mafia-­Staffia die Fasnacht feiern. (Bild Stefan Kaiser)

Am Samstagabend hängen beim Eingang zum Gemeindesaal in Walchwil gewaschene Banknoten an einer Wäscheleine, und ein dubios anmutendes Wettbüro verspricht hohe Gewinne. Der schwarz-weiss geschmückte Saal und die zu einem schmuddeligen Hinterhof umfunktionierte Bühne geben einen ersten Hinweis auf das Motto der am vergangenen 11. November neu erkorenen Hudiväter Ueli und Pädel Hürlimann von der Unterstaffel. Um Punkt 20 Uhr gibt die im Westernlook gekleidete und von den Röllener unterstützte Guggenmusig Cheschtänärigler eine lautstarke Kostprobe ihres kakofonischen Könnens ab. Nach einer kurzen Begrüssungsansprache von Patrick Wilemsen von der Fasnachtsgesellschaft bittet der wortgewandte Zeremonienmeister Vitus Hürlimann die designierten Hudiväter auf die Bühne. Mit einer qualmenden Zigarre in der Hand verkündet Ueli Hürlimann: «Die Walchwiler Fasnacht steht während unserer Regentschaft unter dem Motto Mafia-Staffia.» Auf der Grossleinwand werden Fotos der Hudiväter eingespielt, die so einiges verraten. Es ist offensichtlich, dass sie trinkfest und für jeden Spass zu haben sind. Bevor sie die Insignien der Macht – das Zepter und das goldene und das silberne Chestänäblatt – übernehmen dürfen, müssen sie noch einen Eignungstest für das hohe Hudiväteramt bestehen. Sie tun sich scheinbar schwer und geben absichtlich haarsträubende Antworten, die den Zeremonienmeister zu gütigem Beistand provozieren. Nach dem doch noch bestandenen Test dürfen sie die Insignien von ihren Amtsvorgängern, den Beätels, endlich in Empfang nehmen.

Humorvolle, witzige Huldigungen

Nach einer kurzen Pause wird den Hudivätern humorvoll witzig gehuldigt. Die Beat Hürlimann GmbH, Pädels Arbeitgeber, lässt nach seinen Anweisungen auf der Bühne eine Hütte zimmern. Patrick Rub alias Wetterschmöcker Martin Horat wartet mit allgemein gültigen Wetterprognosen auf, die etwa in der Aussage gipfeln: «Wenn die Ameisen den Hudivätern bis zum Hintern hinaufkraxeln, dann gibt es einen verschi ... Winter.» Die Theatergruppe erzählt anhand von Fotos auf der Grossleinwand amüsante Episoden aus den Auftritten ihres Vereinsmitglieds Ueli Hürlimann. Und der Atemschutz entlarvt mit starken Bildern, dass Ueli als einziger der gesamten Walchwiler Feuerwehrmänner nie im offiziellen roten Shirt zu den Übungen und den Einsätzen antritt. Seine Rechtfertigung: «Ich muss meine Kleider selber waschen, deshalb wechsle ich das Shirt nicht wegen der Feuerwehr», entlockt dem Publikum ein verständnisvolles Lachen. Der Fussballklub Walchwil weiss zu berichten, dass Pädel Hürlimann wegen seiner fehlenden Technik dafür aber athletisch stark «Brecher» genannt wird. Darüber hinaus wird verraten, dass er nach einem Spiel auch schon mal im Schlafsack auf dem Fussballplatz übernachtet hat. Mit dem Auftritt der Bärgtrychler nehmen die Huldigungen ein lautstarkes Ende.

Geheimnis gelüftet

Der Anlass neigt sich dem Ende entgegen. Aber noch wartet das Publikum gespannt auf die Bekanntgabe der neuen Hudimütter. Das bislang streng gehütete Geheimnis wird gelüftet, als Lea Hürlimann und Yoja Brand einem auf die Bühne gefahrenen silbernen Rolls-Royce entsteigen. Es bleibt zu hoffen, dass die beiden Hudifrauen mit ihren trinkfesten Mafiosi mitzuhalten vermögen, die lauthals eine geile Fasnacht versprechen.

Martin Mühlebach