WALCHWIL: Neuer Wind in altem Gasthaus

Das Gasthaus Engel gewinnt an Bedeutung. Und dies nicht nur wegen des neuen Pächters, sondern auch aufgrund «äusserer» Umstände.

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Im altehrwürdigen Gasthaus Engel in Walchwil hat der Pächter gewechselt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Im altehrwürdigen Gasthaus Engel in Walchwil hat der Pächter gewechselt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Charly Keiser

Im Frühling 1987 und damit 318 Jahre nach dessen Bau hat Hans Durrer das Gasthaus Engel in Walchwil gekauft. «Der ‹Engel› ist mein Herzblut», sagt Durrer, der damals 1,5 Millionen Franken für den renovationsbedürftigen Bau auf den Tisch geblättert hat.

Seit letztem Oktober hat der «Engel» einen neuen Pächter. Dieser heisst Peter Leder, der zusammen mit seiner Gattin Bozena bereits zwei Lokale in Brunnen betreibt. Das Hotel Restaurant «Weisses Rössli» an der Bahnhofstrasse ist ein geschichtsreicher Gasthof weniger als 100 Meter von den Gestaden des Vierwaldstättersees entfernt. Bereits 1559 wurde das «Weisse Rössli» erstmals erwähnt. 1865 logierte König Ludwig II. von Bayern im «Rössli», von wo aus er das Land von Wilhelm Tell und das Rütli erleben wollte. Noch heute sind im «Weissen Rössli» Spuren des Mo­narchen sichtbar. Nebst dem «Rössli» führen die Leders in Brunnen zudem das «Steakhouse». Dort dominiert – nomen est omen – eine grosse Variation von Grilladen.

Gelungener Start

Noch rund zwei Jahre ist Leder Pächter der beiden Betriebe in Brunnen, von denen er sich dannzumal zurückziehen will, um sich dann ganz und gar auf das Gasthaus Engel in Walchwil zu konzentrieren, wie er der «Neuen Zuger Zeitung» verrät. Bis dahin hat er Beatrice Furrer als Geschäftsführerin in Walchwil eingesetzt. «Sie ist jung und sehr tüchtig», schwärmt Leder und ergänzt: «Zuvor führte sie für uns das Steakhouse.» Drei Jahre wird Furrer mindestens im Gasthaus Engel bleiben. So sei es abgemacht, fügt Leder hinzu.

«Beatrice Furrer und unser Konzept haben sehr gut eingeschlagen», beschreibt Leder den Geschäftsgang seit der Übernahme im Herbst. Das Team um Furrer sei immer noch in der Phase, bei den Walchwilern den Hemmschuh zu brechen und sie am Mittag zum Kommen zu bewegen. «Wir sind zwar mit der Belegung über Mittag zufrieden, aber viele Leute wissen noch nicht, wie heimelig es im ‹Engel› ist und wie gut das preiswerte Essen bei uns schmeckt.»

Dass Peter und Bozena Leder überhaupt den modernen Betrieb in Walchwil übernehmen konnten, hat mit Hans Durrers Liebe zum «Engel» zu tun. Das stattliche Giebelhaus wurde im Jahr 1669 erbaut und erhielt erstmals sein «eisernes Wirtschild». Das heute noch vorhandene Intarsien-Buffet kam 1784 in das Gasthaus. Von diesem Jahr an war im «Engel» auch das Postamt zu finden. In dieser Zeit war der «Engel» auch ein wichtiger Ort für die Gotthardstrecke. Hier wurden die Pferde gewechselt und die Reisenden mit Speis, Trank und einem Zimmer versorgt.

Die lange Geschichte des «Engels» war der Grund, warum Hans Durrer das Haus unter Denkmalschutz stellen lassen wollte. «Stefan Hochueli vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Zug hat mir damals 50 000 Franken zugesichert und gesagt, dass der ‹Engel› unter Schutz gestellt werde, wenn Walchwil den gleichen Betrag einsetze.» Der Gemeinderat habe aber im ersten Anlauf nicht zugestimmt, was Hoch­ueli auf den Plan gerufen habe, der sehr an einer Unterschutzstellung interessiert gewesen sei. «Die Walchwiler sind dann auf ihren Entscheid zurückgekommen, und ich habe insgesamt 100 000 Franken bekommen», erzählt Durrer weiter und lacht. «Denn der Betrag war nur ein Tropfen auf den heissen Stein, ich habe nämlich danach mehr als 4 Millionen Franken in die Sanierung und Modernisierung des ‹Engels› investiert.» Dies sei nur darum möglich gewesen, weil er den «Engel» über seine Firma habe kaufen und die Investitionen habe abschreiben können, erklärt Durrer. «Darum kann ich den Betrieb auch zu einem günstigen Preis verpachten, damit die Pächter gut leben können.»

Wie gerüchteweise zu hören ist, könnte schon bald ein weiteres Restaurant an der Zuger Riviera verschwinden. Und da im Moment die Nachfolge im «Sternen», auf der anderen Strassenseite, noch nicht geregelt ist steigt die Bedeutung des «Engels» womöglich noch mehr. Leder schwärmt: «Ein wunderbarer Betrieb, den ich gerne einst besitzen würde.»