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Walchwil plant eine einzigartige Entsorgungsstelle

Der Gemeinderat will unter anderem weniger Verkehr im Ortszentrum. Deshalb soll der neue Öki- und Werkhof in Seenähe gebaut werden – unterirdisch. Es kündigt sich allerdings eine rechtliche Auseinandersetzung an.
Raphael Biermayr
Bei der heutigen Scheune (links) ist die Einfahrt zum neuen Ökihof geplant. (Bild: Google Maps)

Bei der heutigen Scheune (links) ist die Einfahrt zum neuen Ökihof geplant. (Bild: Google Maps)

An der Artherstrasse sollen dereinst 40-Tönner vom Erdboden verschluckt werden – beabsichtigt, versteht sich. Denn die Gemeinde plant, über zwei Parzellen bis zur Schulhausstrasse hin einen unterirdischen Öki- und Werkhof zu bauen. Eine Parzelle ist noch in privatem Eigentum, die andere gehört der Gemeinde. Letztgenannte dient gegenwärtig als Parkplatz.

Unterflurcontainer sind im Kanton seit längerem bekannt und beliebt. Ein Unterflur-Ökihof würde indes einer Neuheit gleichkommen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bei der Entsorgung ist kaum mit Lärm- und Geruchsbelästigung der Anwohner zu rechnen. Und das Dorfzentrum würde von einem Teil des Verkehrs befreit werden, denn heute befindet sich die Entsorgungsstelle beim Bahnhof. Gemäss dem Gemeindepräsidenten Tobias Hürlimann (CVP) habe eine vor einigen Jahren angefertigte Studie die Machbarkeit dieses Vorhabens bestätigt. Die geschätzten Kosten lägen bei 7 Millionen Franken.

Neuer Ökihof in Walchwil

Komplexer Entschädigungsvorgang

Das sind allerdings lediglich die Baukosten. Dazu kommt die Entschädigung des Eigentümers des seenahen Grundstücks. Auf Spekulationen, was ihre Höhe betrifft, lässt sich Hürlimann nicht ein. Jedenfalls ist sie zweiteilig. Denn die 1847 Quadratmeter grosse Parzelle wurde infolge der Ortsplanung 2006 in die Zone des öffentlichen Interesses überführt. Gemäss Hürlimann fanden Gemeinde und Eigentümer in Verhandlungen keinen gemeinsamen Nenner.

Im folgenden ordentlichen Prozess habe die Gemeinde auf Antrag des Eigentümers die sogenannte materielle Enteignung entschädigt. Das bedeutet: Wegen der Umzonung erhielt der Eigentümer eine Abgeltung, die von der kantonalen Schätzungskommission festgelegt worden war.

Nun geht es um die Festlegung des Restwerts der Parzelle. Dieser Wert wird der zusätzlichen Entschädigung entsprechen, auf die der Eigentümer Anspruch hat. Wie hoch jene ausfallen wird, hängt gemäss dem Gemeindepräsidenten von einem weiteren Entscheid des Kantons ab. Denn auf dem Grundstück neben dem Wihelbach befinden sich zwei Objekte aus dem Inventar der schützenswerten Denkmäler: Das offensichtlich verlassene Bauernhaus Wihel (gemäss dem Amt für Denkmalpflege von 1819) und die dazugehörige Scheune (1901); an beiden hat der Zahn der Zeit unübersehbar genagt.

Die Scheune als Knackpunkt

Es kündigt sich folglich eine rechtliche Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der Denkmalschutzfrage an. Der Walchwiler Gemeinderat hat sich damit abgefunden, dass das Haus wohl als Zeitzeuge auf dem Land stehen bleibt. «Das geht in Ordnung», sagt der Gemeindepräsident. Kein Verständnis bringt er hingegen für die Schutzwürdigkeit der Scheune auf. An ihrer Stelle ist die Einfahrt zum neuen Ökihof geplant.

Die kantonale Denkmalpflegerin, Franziska Kaiser, geht wegen des laufenden Verfahrens nicht auf den konkreten Fall an der Artherstrasse ein. Auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen Scheunen schützenswert sein können, schreibt sie unter anderem: «Ökonomiebauten sind wichtige Bestandteile einer historischen Hofanlage. Ein Bauerngut besteht ja nie nur aus einem Wohnhaus für die Bauernfamilie, sondern es gehören immer auch eine ganze Reihe von Nebenbauten dazu, damit ein Betrieb überhaupt funktionieren kann. Auch diese sind wichtige Zeugen für die Kulturgeschichte.»

Tobias Hürlimann zufolge würde die Gemeinde einen Unterschutzstellungsentscheid «genau analysieren und weitere rechtliche Möglichkeiten prüfen».

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