Walchwil
Potente Steuerzahler bescheren Walchwil einen starken Abschluss

Die Rechnung 2020 der Gemeinde weist einen Ertragsüberschuss von rund 5,4 Millionen Franken aus – auch dank der Covid-19-Pandemie.

Raphael Biermayr
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Freude herrscht ob der Rechnung 2020 im Walchwiler Gemeindehaus.

Freude herrscht ob der Rechnung 2020 im Walchwiler Gemeindehaus.

Bild: Stefan Kaiser (25. März 2021)

Die Walchwiler Jahresrechnung 2020 fällt um fast 4 Millionen Franken besser aus als budgetiert. Dies vor allem wegen höherer Steuererträge, aber auch wegen geringerer Ausgaben. Letzteres mag erstaunen, liegt der Gesamtaufwand in der Rechnung doch deutlich höher als im Voranschlag: rund 2,3 Millionen Franken.

Darin finden sich allerdings auch Rückstellungen für den Zuger und den Nationalen Finanzausgleich in der Höhe von fast 2,5 Millionen Franken. Diese müssten wegen der hohen Steuererträge gebildet werden, heisst es in den Erläuterungen der Gemeinde zur Rechnung. Diese Rückstellungen ausgeklammert, wurde in den Abteilungen «sehr gut gearbeitet», stellt der Gemeindepräsident und Finanzvorsteher Stefan Hermann (CVP) fest.

Der Schulbus wurde zeitweise nicht benötigt

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich etwas Ungewöhnliches: Der Aufwand in der Bildungsabteilung – traditionell die kostspieligste in Gemeinwesen – liegt 460'000 Franken unter dem Budget. Neben niedrigerer Gehaltskosten in der Musikschule sind ein Grund die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, erläutert Hermann:

Gemeindepräsident Stefan HermannBild: Stefan Kaiser

Gemeindepräsident Stefan Hermann

Bild: Stefan Kaiser

«Durch das Homeschooling fuhr der Schulbus seltener, zudem fanden weniger Exkursionen und andere Veranstaltungen statt. Dadurch fielen weniger Ausgaben an.»

Der Bildungsabteilung ist in Walchwil auch der Bereich Kultur angegliedert. Hier resultierten wegen coronabedingter Ausfälle (Freie Bühne, 1. August) ebenfalls Einsparungen in der Höhe von 9000 Franken im Vergleich zum Voranschlag. Und auch bei der Feuerwehr (minus 40'000 Franken infolge weniger Übungen) ergibt sich umständehalber ein positiver Unterschied zwischen Budget und Rechnung.

Auf der anderen Seite sorgte Covid-19 auch für Einbussen und unvorhergesehenen Ausgaben in der Verwaltung. So wurden am Gemeindehausschalter deutlich weniger SBB-Tagestickets und Billette für die Rigi-Bahnen verkauft als vorhergesehen (minus 24'000 Franken). Ausserdem fiel die Position «Betriebs- und Verbrauchsmaterial» mit 76'000 Franken mehr als 20'000 Franken höher aus – wegen Aufwendungen für Schutzmasken, Desinfektionsmittel und dergleichen.

Weil sich wie alle Zuger Gemeinden auch Walchwil nicht in grossem Stil an den Stützungsmassnahmen beteiligen musste, hat die Covid-19-Pandemie auf die Jahresrechnung 2020 insgesamt keine gravierenden Auswirkungen. «Der Bund und insbesondere der Kanton Zug haben mit ihren Programmen schnell und sehr gut reagiert. Wir konnten uns deshalb darauf konzentrieren, Hilfesuchende an die richtigen Stellen zu vermitteln», sagt der Walchwiler Gemeindepräsident und fügt hinzu:

«Wir beobachten aber die laufende Situation aufmerksam. Sollte jemand durch alle Maschen fallen, würden wir natürlich Hand bieten.»

Steuern aus Vorjahren sind entscheidend

Auch in Bezug auf die gegenwärtige und künftige Steuersituation gelte es, genau hinzusehen. Denn der eingangs erwähnte Geldsegen werde laut Hermann künftig wohl ausbleiben. «Es handelt sich um Sondereffekte, die auf die Aufarbeitung der Steuerunterlagen einiger grösserer Steuerzahler durch den Kanton zurückzuführen sind», erklärt er. Damit sind in Walchwil nicht Unternehmen, sondern natürliche Personen gemeint. Die Detailrechnung zeigt auf: Die Einkommenssteuern aus Vorjahren liegen im Vergleich zum Budget um über 2,3 Millionen Franken höher, die Vermögenssteuern aus Vorjahren um fast 1,8 Millionen Franken. Auch die Vermögenssteuern des letzten Jahres (5,4 Millionen) liegen weit über dem Voranschlag (3,6 Millionen).

Für Walchwils Firmen, Stiftungen und steuerpflichtigen Vereine war 2020 hingegen augenscheinlich ein hartes Jahr: Die Gewinn- und Kapitalsteuern liegen zusammengezählt bei nicht einmal 6000 Franken (Budget: 537'000). Aus Vorjahren resultierten hingegen auch hier hohe Steuererträge, namentlich 455'000 Franken (Budget: 98'000).

Stefan Hermann rechnet für 2021 und die Folgejahre mit deutlich weniger Steuereinnahmen. Dies wegen Direktfolgen der Pandemie sowie Auswirkungen des im März angenommenen kantonalen Steuerpakets. In jenem wird zwar lediglich der Kantonssteuersatz gesenkt, allerdings würden sich die neuen Abzüge auch in den Gemeindesteuern niederschlagen.

Eigenkapital soll aufgestockt werden

Gegenwärtig erfreut sich der Finanzchef am zusätzlichen finanziellen Polster dank des Rechnungsabschlusses 2020 mit einem Plus von 5,4 Millionen Franken. Der Gemeinderat schlägt der Gemeindeversammlung vom 23. Juni vor, davon 2,9 Millionen für Vorfinanzierungen von Abschreibungen bei den Projekten Werkhof und Schulraumerweiterung aufzuwenden und die restlichen 2,5 Millionen dem Eigenkapital zuzuweisen. Jenes würde danach über 32 Millionen Franken betragen.