Walchwil

Schattenspender und Rückzugsorte: Der neue Pausenplatz soll 350'000 Franken kosten

An der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember befinden die Stimmenden unter anderem über eine Umgestaltung des Oberstufenschulhausplatzes. Für Diskussionen in den Ortsparteien sorgt eher das Budget 2021.

Raphael Biermayr
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An der Gemeindeversammlung (GV) vom kommenden Mittwoch im Walchwiler Gemeindesaal wird natürlich nicht über die Köpfe der Stimmberechtigten entschieden. Vielmehr werden die Stimmberechtigten entscheiden, was über ihren Köpfen geschehen wird. Denn sie befinden unter anderem über die Neugestaltung des 32 Jahre alten Pausenplatzes der Oberstufenschüler, der über dem Gemeindesaal liegt, im Gegenwert von 350'000 Franken.

Die Traktanden

An der Gemeindeversammlung vom Mittwoch, 9. Dezember, ab 20 Uhr, im Gemeindesaal steht Folgendes auf dem Programm: Protokoll der Gemeindeversammlung vom 22. September 2020; Kredit Neugestaltung Pausenplatz Oberstufe; Budget 2021; Finanzplan 2021 bis 2024.

Der Platz zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: eine halbrunde Erhöhung. Auf jener sollen die Voraussetzungen für künftigen Unterricht im Freien geschaffen werden, namentlich Sitzgelegenheiten, Tische sowie Pflanzen als Schattenspender. Der untere Pausenplatzbereich soll ebenfalls durch Pflanzen aufgehübscht werden sowie Rückzugsorte beinhalten. Das Herzstück dabei bildet eine überdachte Fläche mit Sitzgelegenheiten. Die Vorhaben sollen anscheinend die gegenwärtige Pflastersteintristesse mit dem verloren wirkenden Pingpongtisch beenden.

So sieht der Pausenplatz heute aus.

So sieht der Pausenplatz heute aus.

Bild: Patrick Hürlimann (Walchwil, 24. November 2020)
So soll der Pausenplatz gemäss Visualisierung in der Vorlage zur Gemeindeversammlung dereinst aussehen.

So soll der Pausenplatz gemäss Visualisierung in der Vorlage zur Gemeindeversammlung dereinst aussehen.

Bild: PD

Fast auf den Tag genau acht Jahre ist es her, seitdem die Walchwiler an der Gemeindeversammlung von «Denkfeldern» im Schulumfeld hörten. Hinter diesem Begriff stehen bauliche Veränderungen an mehreren Orten in der Grössenordnung von 860'000 Franken. Die erste betraf den Pausenplatz des Schulhauses Engelmatt, der 2013 für 118'000 Franken – und damit für 7000 Franken weniger als im Kredit vorgesehen – «kindgerecht» umgestaltet wurde.

Der Neuerungen ungeachtet sind auf dem Pausenplatz altersbedingte Arbeiten nötig, die auch die Abdichtung des Gemeindesaals betreffen. Diese Investitionen sind nicht Teil des 350'000-Franken-Kredits, über den an der GV befunden wird, sondern stehen separat in der Investitionsrechnung und liegen deutlich höher: Im Bericht zum Finanzplan sind sie mit 570'000 Franken beziffert.

Kritik der Parteien am Budget

Die Ortsparteien unterstützen die Pläne des Gemeinderats beim Oberstufenschulhaus. Die SVP mahnt jedoch an, «dass nicht dasselbe geschieht wie beim Fussballplatz, nämlich dass dieser Platz mehrheitlich von ausserkantonalen Personen benutzt wird». Auch hinter dem Budget 2021 stehen alle Ortsparteien. Die darin enthaltenen Kreditüberschreitungen beim Bau der Sportanlagen auf dem Liniesberg sorgen allerdings für Kritik. Denn sie entsprechen zusammengezählt fast so viel wie der neue Oberstufenpausenplatz: 337'000 Franken. Die Fussballanlage kommt mit fast 10 Prozent teurer zu stehen (2,74 statt 2,5 Millionen Franken), die Tennisplätze samt Beleuchtung sowie die Beleuchtung des Fussballplatzes um über 16 Prozent (697'000 statt 600'000 Franken).

Zur Begründung schreibt die Gemeinde unter anderem, dass man im FC-Gebäude zusätzliche Lagerräume für Vereine gebaut hätte. Bei den Tennisplätzen seien weitere Anpflanzungen infolge «umwelttechnischer» Auflagen der Grund für die Kostenüberschreitung, und beim Fussballplatz-Flutlicht habe sorge ein neuer Lampentyp dafür, dass die Vorgaben der Baubewilligung betreffend Lichtverschmutzung eingehalten werden könnten. Die SVP erachtet diese Begründungen als «nicht ganz plausibel», schreibt der Präsident Moritz Schmid. Auch der SP sind die Abweichungen aufgefallen, Einwände erhebt sie jedoch keine. Dies, «da sie aber im Wesentlichen auf Anpassungen zum besseren Schutz der Natur geschuldet sind», schreibt Ortsparteipräsident Guido Suter.

Sind neue Strassensignalisationen unnötig?

Die in der GV-Vorlage erwähnte Absicht des Gemeinderats, das Energiestadt-Label zu erlangen, freut die SP besonders. Damit werde ihr durch eine Motion vorgebrachtes Anliegen von 2005 aufgenommen. Die Linkspartei hofft auf eine Ladestation für E-Autos und Miet-E-Bikes und setzt sich für Fotovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden ein. Ein Antrag dazu ist anscheinend nicht vorgesehen.

Die FDP kündigt jedoch einen Antrag in anderem Zusammenhang an: Sie kritisiert die budgetierten 80'000 Franken für die neue Signalisation der Vortrittsregeln auf der Vorder- und der Hinterbergstrasse. Das sei unnötig, denn der Rechtsvortritt sei auf den genannten Strassen «bestens verankert», schreibt Walchwils FDP-Präsident René Loosli.