WALCHWIL: Superhelden gibt es auch in Asien

Die vierköpfige Familie Lee stammt aus Singapur und lebt seit knapp einem Jahr in der Schweiz. Sie erlebte am Samstag ihren ersten Fasnachtsumzug und hatte viel Spass daran.
Cornelia Bisch
Familie Lee nimmt das erste Mal an der Zuger Fasnacht teil. Dazu gehört die passende Verkleidung. (Bild: Werner Schelbert (Walchwil, 8. Februar 2018))

Familie Lee nimmt das erste Mal an der Zuger Fasnacht teil. Dazu gehört die passende Verkleidung. (Bild: Werner Schelbert (Walchwil, 8. Februar 2018))

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Sie mögen von der anderen Seite der Erdkugel stammen, aber ihre Herzen schlagen für dieselben Fasnachtsmotive wie jene der einheimischen Kinder. Für die Strassenfasnacht und den Letzibuzäli-Umzug am Samstag in Zug verkleidete sich der siebenjährige Zan Lee als Superheld Batman, seine dreijährige Schwester Kay als Feuerwehrmädchen. Das süsse Prinzessinnenkostüm, das sie sich für diesen Anlass ausgesucht hatte, musste der frostigen Temperaturen wegen im Schrank hängen bleiben. Zum Glück konnte Bruder Zan mit einem weiteren Kostüm aushelfen, das er aus seiner alten Heimat mitgebracht hatte.

Die Familie aus Singapur nahm zum ersten Mal in ihrem Leben an der Zuger Fasnacht teil und war begeistert. «Es hat uns allen grossen Spass gemacht», berichtet Vater Carl Lee lachend. «Wir sind mit dem Umzug mitgelaufen. Die Kinder liebten vor allem das Konfettiwerfen. Das war komplett unerwartet und überraschend für uns.» Am Ende sammelte der kleine Zan die Konfetti von der Strasse auf und stopfte es in eine Tüte. «Für nächstes Jahr», erklärte er und nahm es mit nach Hause.

Empfehlungen eines Kollegen aus Luzern

Familie Lee kannte die Fasnacht nur vom Hörensagen. «Ein Kollege aus Luzern erzählte uns davon und riet uns, unbedingt dorthin zu fahren», erzählt Lee. «Aber wir dachten, es würde erst mal genügen, einen Umzug hier in Zug anzuschauen, wo wir uns auskennen. Wir freuten uns sehr auf dieses ungewöhnliche kulturelle Ereignis.» Mutter Grace hatte alle Hände voll zu tun, die kleine Kay in der Menge nicht aus den Augen zu verlieren, während sich Vater Carl mit Sohn Zan amüsierte.

Die Familie lebt seit März 2017 in Walchwil. Berufliche Gründe haben den Finanzfachmann und seine Angehörigen dazu bewogen, ihre Heimat Singapur zu verlassen und in der Schweiz Wurzeln zu schlagen. Sohn Zan besucht die erste Klasse in Walchwil, die kleine Kay die Spielgruppe. Grace Lee ist Hausfrau und Mutter.

Ähnliches Fest in Singapur

Vergleichbar mit den hiesigen Fasnachtsumzügen ist in Singapur die Parade «Chingay», die rund zwei Wochen nach «Chinese New Year» ebenfalls im Februar abends stattfindet und eines der bedeutendsten gesellschaftlichen und kulturellen Ereignisse des Landes darstellt. Es handelt sich dabei um einen gigantischen Umzug mit 8000 Mitwirkenden jeden Alters und 43 000 Zuschauern (Zahlen von 2017), mit unzähligen beleuchteten, reich geschmückten Wagen, kunstvollen Drachen­motiven, anmutigem Tanz und viel Musik. «Man verkleidet sich selbst aber nicht, sondern schaut sich die Parade nur vom Strassenrand an», erzählt Lee.

Er und seine Familie werden für mindestens zehn Jahre in der Schweiz bleiben. «Genug Zeit, um die Sprache richtig zu lernen und noch viele besondere kulturelle Ereignisse mitzuerleben.»

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