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WALCHWIL: SVP kritisiert in offenem Brief Stückwahl der Musikgesellschaft

In der Publikation der SVP Walchwil kritisiert deren Vorstandsmitglied Jürg Steinacher die Musikwahl des Dirigenten der Musikgesellschaft. Damit habe er die Vereinnahmung durch die EU gefördert. Der Beitrag stösst auf Unverständnis.
Instrumente. (Symbolbild) (Bild: Philipp Schmidli / LZ (Luzern, 6. Januar 2012))

Instrumente. (Symbolbild) (Bild: Philipp Schmidli / LZ (Luzern, 6. Januar 2012))

Es war ein grosses Gesprächsthema diese Woche in Walchwil. Unter dem Titel «Unpassend: EU-Hymne in der Kirche» kritisiert Jürg Steinacher, Vorstandsmitglied der SVP Walchwil, in der Publikation «SVP-Aktuell» den Dirigenten der Musikgesellschaft Roland Hürlimann. Stein des Anstosses: Die Musikgesellschaft hatte am 5. November «Freude, schöner Götterfunken» von Beethoven gespielt. In der geläufigen Version, die auch Hymne der EU ist, aber beispielsweise auch schon Hymne des Kosovos war.

Anscheinend hat Steinacher seinen Ärger darüber schon unmittelbar nach dem Konzert zum Ausdruck gebracht, dafür entschuldigt er sich auch in den ersten Absätzen des offenen Briefes bei Hürlimann. Die Entschuldigung scheint aber bloss Verpackung. Denn Steinacher schreibt weiter: «Und ja, ich gebe es gern zu, dass ich mich über die offizielle EU-Hymne als Konzertzugabe (und das gleich zweimal) geärgert habe.» Und: So wie die EU musikalische Motive aus Beethovens Meistersymphonie zur eigenen «Weihe» vereinnahme, so vereinnahme sie auch den ganzen europäischen Kontinent. Es folgen Parteiparolen zur EU und zur Unabhängigkeit, für deren Platzierung wohl die Kritik an Hürlimann nur Aufhänger war. Das Echo war deutlich. Der Beitrag stiess auf Unverständnis. So verliere die SVP wohl ein paar Wähler, hiess es.

«Dass der Beitrag in Walchwil nicht gut aufgenommen wurde, habe auch ich vernommen», bestätigt Roland Hürlimann. Die persönliche Kritik störe ihn nicht gross. unklar sei ihm nur, was Steinacher damit erreichen wolle. «Was mich aber stört, ist, dass hier versucht wird, unseren politisch neutralen Verein politisch zu vereinnahmen.» Ausserdem finde er es problematisch, dass der Beitrag überhaupt zur Publikation freigegeben wurde. «Da hätte doch jemand vom Vorstand eingreifen sollen.» Es habe jedenfalls zwischenzeitlich ein klärendes Gespräch zwischen dem Präsidenten der SVP Walchwil Moritz Schmid und dem Präsidenten der Musikgesellschaft Jürg Portmann gegeben. Zur Kritik an seiner Liedwahl sagt er nur: «Als Beethoven gelebt hat, gab es die EU bekanntlich noch gar nicht.»

Verfasser bereut Beitrag nicht

SVP-Kantonsrat Moritz Schmid bestätigt auf Nachfrage das persönliche Gespräch mit Jürg Portmann. Er habe die Sache mit der Musikgesellschaft geklärt. Er stehe dazu, dass er den Beitrag freigegeben habe. «Ich habe die ersten Zeilen gelesen, in denen er sich entschuldigt, und fand dies eigentlich eine gute Sache», so Schmid.

Der Verfasser des umstrittenen Beitrags, Jürg Steinacher, teilt mit, dass er diesen wieder so publizieren würde, jedoch darauf hinweisen würde, «dass der Jahrhundertkomponist Igor Strawinsky den letzten Satz zu Beethovens Neunter als ‹Zirkusmusik› bezeichnet hat». Die Kritik bezüglich politischer Instrumentalisierung könne er nicht nachvollziehen. Er habe die kulturelle ­Hegemoniestrategie der EU thematisiert, und dies nicht nur am Beispiel der EU-Hymne. Entschuldigen will er sich nicht. «In einer offenen Gesellschaft hat man sich für einen faktenbelegten Beitrag nicht zu entschuldigen.»

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

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