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Mega-Bauprojekt am Zugersee: Zweiter Info-Anlass der SBB in Walchwil ist ein Erfolg

Nachdem der erste Informationsabend der SBB zum Mega-Bauprojekt am Zugersee ein Desaster war, fuhr das Unternehmen am Dienstagabend grosses Geschütz auf. Zur Zufriedenheit der über 200 Besucher.
Christopher Gilb
Das Bild zeigt die Vorarbeiten auf dem Installationsplatz zwischen Lothenbach und Hörndli. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 3. April 2019)

Das Bild zeigt die Vorarbeiten auf dem Installationsplatz zwischen Lothenbach und Hörndli. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 3. April 2019)

Bereits zum zweiten Mal führte die SBB in Walchwil am Dienstagabend eine Informationsveranstaltung zum Mega-Bauprojekt am Zugersee-Ostufer durch. Dies, wie es Gemeindepräsident Stefan Hermann fast noch schonend formulierte, weil an der ersten Veranstaltung am 17. April «die Erwartungen der Bevölkerung und die Vorstellungen der SBB nicht zusammengepasst hatten». Damals hatten etliche der rund 70 Besucher die Veranstaltung frustriert verlassen, denn statt auf eine umfassende Projektpräsentation hatte die SBB auf Selbstinformation und bilaterale Gespräche mit den Verantwortlichen gesetzt. Die Gemeinde hatte sich daraufhin für einen zweiten Anlauf eingesetzt. Die SBB, die sich am Dienstag auch entschuldigte, kam diesem Wunsch nach. Nun kamen sogar über 200 Interessierte.

Bekanntlich wird die Strecke Oberwil–Arth-Goldau ab dem 9. Juni für 1,5 Jahre gesperrt. Neben dem Bau der 1,7 Kilometer langen Doppelspur bei Walchwil sanieren die SBB rund 80 Objekte wie Brücken, Tunnel und Unterführungen. So soll unter anderem der Halbstundentakt im Nord-Süd-Verkehr ermöglicht werden.

Ausführliche Informationen der Fachexperten

Mattia Bianchi, Infrastruktur-Projektleiter bei den SBB, erklärte die Vorteile der Streckensperrung gegenüber der Variante «Bauen unter Betrieb». So reduziere man die Bauzeit und damit die Emissionen für Anwohner von sechs Jahren auf anderthalb Jahre und es würden Kosten von rund 40 Millionen Franken eingespart. Bauleiter Pirmin Muff erläuterte die einzelnen Bauphasen.

Eine Herausforderung sei, dass immer am Hang gebaut werden müsse. Seit März laufen deshalb schon diverse Vorarbeiten. Unter anderem würden Zufahrten gebaut, insgesamt elf davon soll es geben. Dabei werde auf möglichst geringe Emissionen geachtet. So werde beispielsweise der Schotter in Arth auf einem dafür eingerichteten Installationsplatz wieder aufbereitet.

So könnten rund 1000 LKW-Fahrten eingespart werden. Ein Grossteil der Arbeiten könne zudem dank der Streckensperrung am Tag durchgeführt werden. Zu den Umweltaspekten gab Linda Zumsteg Auskunft. Einerseits geht es um Lärm- und Staubschutz, aber auch um diverse Ausgleichsmassnahmen im «ökologisch sehr vielfältigen und wertvollen Projektgebiet», dies insbesondere zum Schutz der Reptilienfauna.

Patricia Kottmann von den Zugerland Verkehrsbetrieben erklärte das Buskonzept während der Streckensperrung: So wird die Buslinie Walchwil–Arth-Goldau beispielsweise ganztags im Stundentakt fahren und es wird einen direkten Schnellbus im Stundentakt zwischen Zug und Schwyz geben. Und bei der Buslinie 5 gibt es einen halbstündlichen Takt sowie eine Verdichtung in den Hauptverkehrszeiten. Auch werden die Fahrzeiten auf die Züge nach Luzern und Zürich abgestimmt. Baudirektor Florian Weber kam dann auf die Konsequenzen für die Strasse zu sprechen.

Wenn 10 bis 20 Prozent der rund 300 Zugpassagiere auf der Strecke aufs Auto umsteigen würden, rechnete er vor, sei dies verkraftbar. Seitens Kanton gäbe es während der Bauzeit zudem keine neuen Baustellen auf der Strecke. Es könnte aber beispielsweise gerade in der Stadt Zug noch einzelne Massnahmen zur besseren Verkehrsführung geben, etwa bei Busbuchten. Und dann versprach er seiner Heimatgemeinde noch: «Wenn alles im Chaos versinkt, hole ich euch persönlich mit dem Schiff ab und bringe Gipfeli mit.»

Einige Fragen aus dem Publikum

Fragen gab es einige. Etwa passend zu Webers Aussage, ob nicht der Passagiertransport über den See eine gute Alternative zum Bus wäre. «Nur im Notfall», da bereits die Fahrt von Walchwil bis Oberwil 40 Minuten dauern würde, antwortete dieser. Oder an die SBB: Ob die zukünftige Einsatzmöglichkeit von Doppelstöckerzügen nicht auch mehr Güterverkehr bedeute. Nein, hiess es seitens der Verantwortlichen, da die Grösse der Wagen nicht ganz die gleiche und die Strecke zudem bereits in den Planungen gut ausgelastet sei. Und die Geschwindigkeit? Diese bleibe bei 75 Kilometern pro Stunde.

Eine Frage gab es auch zu einem Fels, der gesprengt werden muss. Ob es wirklich einen Monat brauche, um diesen wegzusprengen. Ja, lautete die Antwort, da dies in verschiedenen Etappen ablaufe. Sorgen machten sich die Besucher auch wegen der vielen Velos auf einer Teilstrecke. Da verspäte sich der Bus dann doch immer, hiess es. Es gäbe Überlegungen, diese dort übers Trottoir zu leiten, so Weber. Eine Frau bat, «wirklich überall Toiletten aufzustellen». Bereits hätten sich einige Bauarbeiter unter freiem Himmel erleichtert.

Und ein Mann konnte einen Sieg davontragen, weil die SBB auf seine Bitte hin zusagte, bei einer Zufahrt eine Tafel mit «Bitte Schritttempo» aufzustellen, weil dort ein Schulweg durchführe. Das Fazit der SBB: Es gab Fragen, aber weniger als beim ersten Mal. Der Abend habe also sein Ziel erfüllt.

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