Wald Zug
Kriege, Sturmschäden und Billigimporte: Die Waldwirtschaft hat während der letzten 100 Jahre einiges durchgemacht

1921 wurde im Kanton Zug der Holzproduzentenverband gegründet. Auch heute noch gehört es zu den Kernaufgaben des Verbands, die Interessen der Waldbesitzer zu vertreten. Der Umgang mit der Natur ist aber ein ganz anderer als damals. Eine Zeitachse.

Carmen Rogenmoser
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Autor Stefan Doppmann, links, und Walter W. Andermatt, Präsident von Wald Zug, mit der Festschrift zum Jubiläum des Verbands.

Autor Stefan Doppmann, links, und Walter W. Andermatt, Präsident von Wald Zug, mit der Festschrift zum Jubiläum des Verbands.

Bild: Maria Schmid (Baar, 5. April 2022)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Wirtschaftsverbände gegründet, darunter auch der Schweizerische Verband für Waldwirtschaft, der Vorläufer von Wald Schweiz. Und in diesem Zusammenhang eben auch der Zuger Holzproduzentenverband. Während der letzten 100 Jahre hat sich die Aufgabe der Verbände, beeinflusst durch verschiedene Ereignisse und Ideologien, stetig weiterentwickelt.

Die Verbandsgeschichte

  • 1921: Am 9. Oktober wird im Hotel Hirschen in Zug der Zuger Holzproduzentenverband gegründet. Er bezweckt die gemeinsame Organisation des Holzverkaufs sowie die «Aufklärung und Belehrung auf dem Gebiet der Forstwirtschaft».
  • 1925: Der Holzproduzentenverband weist den von den Zuger Sägerein offerierten Holzpreis zurück und prüft einen Verkauf an auswärtige Abnehmer.
  • 1931: Die Holzpreise fallen wegen Billigimporten um zehn bis 15 Prozent. Der Regierungsrat erwägt Massnahmen zur Drosselung der Importe.
  • 1935: Die Holzverkäufe kommen wegen der Wirtschaftskrise fast zum Erliegen.
  • 1939: Der Zweite Weltkrieg löst eine grosse Nachfrage nach Brennholz aus. Dieses wird rationiert.
  • 1940: In der Forstwirtschaft fehlen die in den Militärdienst einberufenen Arbeitskräfte. Die Holzproduzenten rufen nach Dispensationen. Für Bau- und Laubholz treten Höchstpreisvorschriften in Kraft.
  • 1943: Die Anbauschlacht zur Verbesserung der Ernährungsgrundlage der Bevölkerung führt zur Rodung von 90 Hektaren Waldfläche.
  • 1946: Nach dem Kriegsende bleibt die Nachfrage nach Holz vorerst hoch. Die Preise steigen, ebenso die Rüstkosten. In den allmählich aufkommenden Energieträgern Elektrizität, Kohle und Heizöl erwächst dem Holz Konkurrenz.
  • 1967: Sturmschäden führen zu einem starken Holzpreiszerfall.
  • 1982: Der erste massive Borkenkäferbefall tritt auf. Das Waldsterben beschäftigt Behörden und Bevölkerung.
  • 1985: Der Holzproduzentenverband des Kantons Zug ändert seinen Namen in Waldwirtschaftsverband des Kantons Zug (ZWV).
  • 1988: Die zwei grossen Abnehmer von Rundholz, die Sägerei Spillmann Zug und die Kistenfabrik Zug, legen ihre Sägereien still.
  • 1995: Der ZWV ruft die IG Energieholz ins Leben, um die Nutzung des wiederentdeckten Energieträgers Holz zu fördern. Mit der Sägerei Helfenstein in Unterägeri stellt eine der verbliebenen grösseren Sägereien des Kantons den Betrieb ein.
  • 1996: Der ZWV beteiligt sich an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Pro Holz Zug, welche die Verwendung des einheimischen Holzes fördern will.
  • 1999: Das Orkantief «Lothar» verursacht allein in der Schweiz Waldschäden von 600 Millionen Franken.
  • 2002: Der ZWV gründet im Nachgang zum Sturm «Lothar» eine Geschäftsstelle, um das Holz der Mitglieder bestmöglich am Markt platzieren zu können.
  • 2007: Der ZWV gehört zu den Gründern der OdA (Organisation der Arbeitswelt) Wald Zentralschweiz, welche die Aus- und Weiterbildung der Berufsleute in der Waldwirtschaft fördert.
  • 2015: Die Nationalbank gibt am 15. Januar ohne Vorankündigung den Mindestkurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro auf. Der Export von Schweizer Holz bricht schlagartig ein. Auf dem Heimmarkt macht den Produzenten günstige Importware zu schaffen.
  • 2016: Der Waldwirtschaftsverband des Kantons Zug ändert den Namen in Wald Zug. Darin kommt zum Ausdruck, dass das Aufgabenspektrum des Verbands mittlerweile über die reine Bewirtschaftung des Waldes hinausgeht. Der Auftritt wird dem Schweizerischen Dachverband angeglichen.
  • 2020: Während der Coronapandemie entdecken viele Menschen den Wald als Naherholungsgebiet. Der Nutzungsdruck nimmt an exponierten Orten massiv zu. Der Kanton reagiert und finanziert ein Pilotprojekt mit Rangern zur Lenkung und Aufklärung der vielen Besucherinnen und Besucher.
  • 2021: Zur Feier des 100-Jahr-Jubiläums plant Wald Zug verschiedene Anlässe. Im Zuge der Pandemiebekämpfung sind Veranstaltungen jedoch behördlich untersagt. Wald Zug verschiebt die Jubiläumsfeierlichkeiten um ein Jahr.

Quelle: Festschrift 100 Jahre Wald Zug, herausgegeben vom Verband Wald Zug.