Waldbesitzer in Steinhausen erhalten eine Entschädigung

Die Bewirtschaftung des Walds ist innerhalb von Grundwasserschutzzonen nur eingeschränkt möglich. In Steinhausen haben die Waldgenossenschaft und die Gemeinde eine Lösung ausgearbeitet. Das Beispiel soll Schule machen.

Rahel Hug
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Der Gemeinderat Christoph Zumbühl (rechts) und Beda Schlumpf von der Waldgenossenschaft beim Pumpwerk Oberwald.

Der Gemeinderat Christoph Zumbühl (rechts) und Beda Schlumpf von der Waldgenossenschaft beim Pumpwerk Oberwald.

Bild: Matthias Jurt (Steinhausen, 17. Januar 2020)

Die Zeiten in der Waldwirtschaft haben sich geändert. Früher haben die Waldbesitzer mit der Holzwirtschaft noch Geld verdient, heute sieht es finanziell wegen der tiefen Holzpreise nicht mehr so rosig aus. Das Thema beschäftigt auch die Waldgenossenschaft Steinhausen (WGS). Mit einem Erholungskonzept, das im letzten Jahr verabschiedet wurde, haben die Gemeinde Steinhausen und die WGS Grundsätze und Ziele für den Naherholungsraum definiert. Neu kann die Genossenschaft beispielsweise Aufwendungen, die mit der Sicherheit auf den Waldstrassen und -wegen zu tun haben, rapportieren und der Gemeinde in Rechnung stellen.

Konzessionen für das Pumpwerk Oberwald sind ausgelaufen

Bei seinen Abklärungen zu Entschädigungen für Waldeigentümer aufgrund von Einschränkungen in Schutzzonen hat Beda Schlumpf von der Waldgenossenschaft Steinhausen (WGS) herausgefunden, dass die Konzession für die Wasserentnahme im Pumpwerk Oberwald per Ende 2018 ausgelaufen ist. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Entschädigungen sei danach eine provisorische Konzession bis im März 2019 erteilt worden. Eine neue liege zurzeit noch nicht vor. «Wären wir nicht aktiv geworden, hätte wohl niemand etwas gemerkt», sagt Schlumpf. «Der Kanton vergibt die Konzessionen, aber führt keinerlei Kontrollen durch, wenn die Konzessionen abgelaufen sind.»

Auch im Gebiet Zimbel ist eine Erneuerung nötig Für die Konzessionen ist die Baudirektion zuständig. Der Grund, dass aktuell eigentlich ein rechtloser Zustand herrsche, ist laut Baudirektor Florian Weber unter anderem, dass die Grundwasserschutzzone ins Gebiet der Gemeinde Kappel reiche und das Erlassverfahren mit den Behörden im Kanton Zürich koordiniert werden musste. Zudem sei von Seiten der WGS eine Einsprache gegen die überarbeiteten Grundwasserschutzzonen eingegangen (siehe Haupttext). Die Entscheide dazu würden demnächst vorliegen.

Nun, da in Steinhausen also die Entschädigungsfrage geklärt ist, könnte die Konzession für das Pumpwerk Oberwald bald erneuert werden. Eine weitere Konzession, jene für das Gebiet Zimbel in Steinhausen, ist bereits Ende des Jahres 2007 abgelaufen, wie Unterlagen zeigen, die der «Zuger Zeitung» vorliegen. Laut Informationen des zuständigen Amts für Umwelt laufen für die Erneuerung der Konzession beim WESt (Wasser- und Elektrizitätswerk Steinhausen) die Untersuchungen zu den «nachhaltig nutzbaren» Grundwassermengen.

Bei den Arbeiten für dieses Konzept ist Beda Schlumpf, dem Präsidenten der WGS, ein Missstand aufgefallen. Die Gemeinde, beziehungsweise das gemeindliche Wasser- und Elektrizitätswerk WESt, hat in den 1990er-Jahren ein kleines Stück Land im Steinhauser Wald von der WGS erworben und dort das Pumpwerk Oberwald realisiert. Rund um das Pumpwerk befinden sich Schutzzonen, in denen die Bewirtschaftung des Walds nur eingeschränkt möglich ist.

Strenge Regeln in den Schutzzonen

Für die Mehraufwände, die dadurch für die WGS entstehen, wurde diese bisher nur teilweise oder gar nicht entschädigt. «Beispielsweise unterhalten wir die Strasse, die zum Pumpwerk führt, was für uns Mehrkosten auslöst. Und für die Schutzzonen 1 und 2 gelten strenge Auflagen», erklärt Schlumpf. Damit die Filterleistung des Walds nicht beeinträchtigt wird und um eine hohe Qualität des Trinkwassers zu gewährleisten, muss beispielsweise Totholz aus den Schutzzonen entfernt werden. Eine weitere Regel ist, dass das Tanken einer Motorsäge nur mit einer Wanne erlaubt ist. Oder dass kein Holz gehackt oder gelagert werden darf. Die Auflagen seien im Laufe der Zeit stets verschärft worden, sagt er. Besonders nach Sturmschäden würden für die Waldbesitzer Zusatzkosten anfallen. «Wir haben deshalb bereits 2017 eine Entschädigung für unsere Mehraufwände gefordert.»

Doch die Situation ist kompliziert. Die WGS klopfte mehrmals bei der Gemeinde Steinhausen und beim Kanton an und erstellte eine Tabelle mit Vorschlägen für Entschädigungsbeträge. «Doch wir stiessen auf taube Ohren. Beim Amt für Umweltschutz hiess es, für eine Entschädigungsregelung fehle die Grundlage. Schliesslich wurde mit einem neuen Zonenreglement reagiert, in dem die Schutzzonen rund um das Pumpwerk massiv verkleinert wurden», schildert Schlumpf. Je kleiner die Zonen, desto weniger Geld kann die WGS verlangen:

«Dieses Vorgehen war für mich widersprüchlich. Angesichts der zunehmenden Sensibilität für den Schutz unserer Böden hätten die Zonen doch eher vergrössert werden sollen.»

Er vermutet, dass die Gemeinde, konkret das WESt, so entschieden habe, um weniger oder keine Beiträge an die WGS zahlen zu müssen.

Inzwischen hat der Genossenschaftspräsident, der auch als Landwirt und Berufsschullehrer tätig ist, einen neuen Anlauf gestartet. Gegen das neue Zonenreglement, das vor den letzten Sommerferien vorlag, hat er Einsprache erhoben, verbunden mit der Forderung, die Entschädigungsfrage müsse geklärt werden. Er ist mit Gemeinderat Christoph Zumbühl, der seit Anfang 2019 neu für das Wasser- und Elektrizitätswerk zuständig ist, zusammengesessen.

Zudem hat im vergangenen Herbst eine Sitzung mit der kantonalen Baudirektion stattgefunden. «Es ist endlich Bewegung in die Sache gekommen», betont Schlumpf. So haben die Gemeinde und die WGS eine Vereinbarung ausgearbeitet, die demnächst unterzeichnet werden soll. Der Waldbesitzerin werden damit Entschädigungsbeträge von 900 Franken jährlich zugesichert. «Das ist letztlich nicht viel, doch es geht um das Zeichen und darum, dass nun klare Verhältnisse herrschen», sagt Schlumpf.

Christoph Zumbühl ist ebenfalls erfreut, dass nun eine Lösung gefunden wurde. «Es geht auch darum, zum Wald zu schauen und weiterhin gutes Trinkwasser zu gewährleisten», sagt er. Gerade in Zeiten, in denen der Siedlungsdruck weiter steigt, werde der Wald immer wichtiger.

Man habe nun eine für die Wasserversorgerin vergleichsweise günstige Lösung gefunden. Es sei ihm wichtig gewesen, in dieser Sache vorwärts zu machen und ein deutliches Zeichen zu setzen. «Die grossen Verbände WaldSchweiz und der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) sprechen miteinander, doch die Verhandlungen sind komplex und können sich noch über Jahre hinziehen», sagt er. «Jetzt ist Steinhausen mit gutem Beispiel vorangegangen und hofft auf viele Nachahmer.»

Im Februar soll eine Sitzung der Verbände stattfinden

Als Präsident von WaldZug, dem Verband der Waldeigentümer, und Präsident der Korporation Baar-Dorf trägt Walter W. Andermatt beide Hüte. Die Korporation ist sowohl Waldbesitzerin als auch Wasserversorgerin. «Ein Bauer bekommt auch Entschädigungen für Einschränkungen innerhalb der Schutzzonen», sagt er.

Entsprechend würden auch den Waldbesitzern Beträge zustehen. «Insbesondere müssen Eigentumseinschränkungen und besondere Aufwendungen und Auflagen in den Schutzzonen entsprechend entschädigt werden. Eine einheitliche Regelung und klare Empfehlungen wären wichtig», ist Andermatt der Ansicht. Im Februar soll eine Sitzung mit Vertretern von WaldSchweiz und dem SVGW stattfinden. «Wir hoffen, dass nun auch auf dieser Ebene Bewegung in die Sache kommt.»

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