WALTERSWIL: Auf dem Weg zum Dach der Welt

14 Schüler der International School haben drei Wochen in Nepal verbracht. Sie sind dabei dem Mount Everest immer näher gekommen – und sich selber.

Carmen Desax
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Die Schüler der ISZL im ewigen Schnee des Himalajas auf dem Weg ins Everest Base Camp. (Bild PD)

Die Schüler der ISZL im ewigen Schnee des Himalajas auf dem Weg ins Everest Base Camp. (Bild PD)

Carmen Desax

Seit gut einer Woche sind sie zurück – müde zwar, aber voller Emotionen und aufregender Geschichten. 14 Schüler der International School of Zug and Luzern (ISZL) waren während der Frühlingsferien für drei Wochen im Himalajagebirge unterwegs. Sie wanderten zusammen mit zwei Lehrpersonen und einer Entourage von 16 Leuten. Während 14 Tagen stiegen sie immer höher und kamen dem Mount Everest jeweils ein Stück näher. Bis ganz nach oben wollten sie allerdings nicht, vielmehr war das Everest Base Camp auf 5364 Meter über Meer ihr Ziel.

Justin, Luca, Sierra, Sara und Sophia (alle sind 14 Jahre alt) waren mit von der Partie und erzählen aufgeregt von ihren Erlebnissen. «Ich war schon vor der Reise sehr nervös», gibt Sara zu. Noch nervöser wurde sie, als sie in Nepals Hauptstadt Kathmandu in ein kleines Flugzeug stieg. «Das stimmt», sagt Luca, «Sara erholte sich fast nicht mehr.» Die Aufregung kam nicht von ungefähr. Lukla, das Anflugsziel, gilt mit seiner kurzen Landestrecke als einer der gefährlichsten Flugplätze der Welt.

Kopfschmerzen und Glücksgefühle

«Schon am ersten Tag wanderten wir drei Stunden», erinnert sich Luca. Das Trecken selber sei nicht so streng gewesen, aber auch nicht leicht. Vor allem während der letzten Tage habe man die Beine schon gemerkt, ergänzt Sophia. «Ab 4000 Meter über Meer hatten wir alle Kopfschmerzen, und das Atmen fiel uns schwer», erklärt Sierra.

«Wir hatten zum Glück immer schönes Wetter, ausser einmal erwischte uns ein Schneesturm», erzählt der Lehrer Frans Hoofwijk. Den Sturm hätten sie dann aber gleich als willkommene Pause genutzt. «So hatten wir mehr Zeit, uns an die Höhe zu gewöhnen.»

Nach zehn Wandertagen erreichten alle gesund das Everest Base Camp. Dass das der Höhepunkt der Reise war, sind sich Luca, Sierra, Sara, Sophia und Lehrer Hoofwijk einig. «Was wir dort fühlten, war sehr emotional. Denn nicht viele Leute schaffen es bis ins Base Camp», erzählt Sierra immer noch ganz beeindruckt. «Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich so etwas schaffe. Ich war wirklich stolz auf mich», erinnert sich Sara an den Moment.

Für Justin zählte ein weiteres Highlight: der Aufstieg auf den Berg Kala Patthar. Der Aussichtsgipfel liegt auf 5545 Meter über Meer und bietet eine Rundumsicht auf die Berge des Himalajas. «Dort oben fühlt man sich tatsächlich wie auf dem Dach der Welt.» Sierra gibt Justin Recht und fügt an: «Die Landschaft war genauso überwältigend wie überraschend. Es gab so viele Berge und Gletscher. Das habe ich nicht erwartet.»

Erfahrung gehört zur Philosophie

Wie kamen die Schüler der ISZL überhaupt nach Nepal? «Bei uns spielt neben dem Lernen in der Schule auch jenes über die Welt und vor allem über die eigene Person eine wichtige Rolle», erklärt Laura Schoepfer, Mediensprecherin der Schule. Solche Unternehmungen hätten zudem immer auch einen wohltätigen Zweck, ergänzt sie. «In Kathmandu zum Beispiel hatten die Schüler nach der Wanderung die Möglichkeit, ein Waisenhaus zu besichtigen.» Schon während 20 Jahren unterstützt ISZL die 1993 von einer Schweizerin gegründete Institution Nawa Asha Griha (NAG). «NAG zu besuchen und Zeit mit den Kindern zu verbringen, wird mir in Erinnerung bleiben», ist sich Sophia sicher. Es sei halt schon etwas anderes, das Projekt persönlich zu sehen.

Ein Buch und eine Dokumentation

Einig sind sich ebenfalls alle, inklusive Frans Hoofwijk, dass sie dieses Abenteuer sofort wieder mitmachen würden. «Die Welt zu sehen, vor allem Länder, die nicht so privilegiert sind, bringt einen schlussendlich auch selber weiter», ist Luca überzeugt. Er und Sierra vertiefen die Erfahrung nun noch weiter. Die beiden sind bereits im letzten Schuljahr in Walterswil und machen aus diesem Grund eine Diplomarbeit. Sierra wird ein Buch über die Wanderung schreiben. Luca hatte während der ganzen Reise eine kleine Ka­mera dabei und schneidet seine Aufnahmen nun zu einer Dokumentation zusammen.

Gab es denn auch nicht so schöne Momente? «Die Pilzsuppe», sind sich auch hier alle einig und lachen.