Wandern gegen die Demenz: In Zug gibt es eine etwas andere Wandergruppe

Wandern verlangsamt die Verschlechterung der Kognition bei Demenzbetroffenen. Alzheimer Zug organisiert deshalb regelmässig geführte Wanderausflüge in der Region.

Tijana Nikolic
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Die Wandergruppe von Alzheimer Zug ist jeweils mit maximal zwölf Teilnehmern unterwegs.

Die Wandergruppe von Alzheimer Zug ist jeweils mit maximal zwölf Teilnehmern unterwegs.

Bild: PD

Bereits seit über zwei Jahren finden organisierte und begleitete Wanderungen der Alzheimer Zug statt. Der freischaffende Wanderleiter Hans Osterwalder stellt regelmässig Wanderrouten rund um Zug und auch mal über die Kantonsgrenze hinaus zusammen. «Wir waren bereits auf der Rigi, auf dem Zugerberg, auf dem Gottschalkenberg oder auf dem Hochstuckli. Die nächste Wanderung findet am 25. Juni statt. Da gehen wir ins Freiamt», sagt Daniela Bigler Billeter, Leiterin der Geschäfts-und Beratungsstelle Alzheimer Zug. Auch wenn sich die demenzbetroffenen Wanderer am Ende des Tages häufig nicht mehr genau erinnern könnten, wo sie waren, wüssten sie dafür umso mehr, dass es schön war, und freuten sich bereits auf die nächste Tour.

Die Teilnehmenden sind meistens die gleichen Personen, die regelmässig mitlaufen. «Die Betroffenen kennen sich meist sogar noch, wenn sie sich wiedersehen», erklärt Annemarie Baggenstos, ehemalige Geschäftsführerin Alzheimer Zug und eine der fachlichen Begleiterinnen der Wanderungen. Es herrsche eine Wiedersehensfreude, die man nicht genau beschreiben könne. Die Betroffenen würden sich erkennen, wenn sie sich begegnen. «Emotionen gehen während der Demenz nicht verloren. Wandern ist beispielsweise mit etwas sehr Erfreulichem verbunden und die Personen erinnern sich daran zurück», so Bigler Billeter.

Die Organisation ist sehr zeitaufwendig und intensiv

Einer der Hauptunterschiede zu einer normalen Wandergruppe ist die aufwendigere Organisation: «Man muss sich konzentrieren, damit niemand verloren geht», erläutert Baggenstos. Man könne auch nicht einfach einen gemeinsamen Treffpunkt abmachen, sondern müsse die Teilnehmer zu Hause abholen. «Es kommt immer wieder vor, dass die angemeldete Person gar nicht da ist, weil sie den Termin vergessen hat oder noch gar nicht bereit ist, aufzubrechen», so die ehemalige Pflegefachfrau Baggenstos. Die alleinlebenden Demenzbetroffenen würden die Spitex oder die Begleiter wenn nötig vor Ort bereitmachen, ansonsten unterstütze sie die Familie beim Vorbereiten.

Da die Durchführung eines solchen Wandertages so intensiv ist, können maximal zwölf Personen teilnehmen. «Wir sind mit unseren Privatautos unterwegs, daher sind wir schon etwas eingeschränkt. Mit allen fachlichen Begleitern kommen wir auf eine Anzahl von 17 Personen», sagt Bigler Billeter. Wie jede andere Wandergruppe trinke man am Morgen zusammen Kaffee und bespreche die Wanderung, später brätle oder esse man in Bergrestaurants. Eine Bergbahn oder ein Auto sei immer in der Nähe, falls etwas passieren würde. Ebenfalls stellt der Wanderleiter eine längere und eine kürzere Wanderstrecke zusammen, zwischen denen die Teilnehmer auswählen können.

«Die Sozialkompetenz von Betroffenen ist sehr gross. Sie merken sofort, wenn jemand nicht mehr weiterlaufen mag.»

«Sie greifen einander unter die Arme oder nehmen einander den Rucksack ab», so die Geschäftsführerin weiter. Menschen mit Demenz würden viel mehr in der Gefühlswelt leben, und dadurch auch sofort merken, wenn jemand aus der Gruppe fehle oder sich von den anderen entfernt habe. Sie erinnerten sich zwar an vieles nicht, erlebten aber die Gegenwart intensiv.

Die Idee zur Wandergruppe kam von Daniela Bigler Billeter. «Demenzbetroffene Menschen sind häufig körperlich noch fit und haben einen Bewegungsdrang. Genau diese Personen wollte ich auffangen.» Durch das Wandern könne die Verschlechterung der Kognition verlangsamt werden. Alzheimer Zug hatte so etwas nicht im Angebot, also arbeitete Bigler Billeter ein Konzept aus. Die ungedeckten Kosten werden von der Stiftung Accentus finanziert. Die Wandergruppe sei einzigartig: «In anderen Kantonen werden lediglich Spaziergänge oder Kurzwanderungen angeboten.» Sie könne sich vorstellen, das Angebot in Zukunft auszuweiten: «Viele körperlich noch sehr fitte Personen zwischen 65 und 75 Jahren könnten noch viel anspruchsvollere Strecken wandern. Für die möchte ich versuchen weitere Angebote zu ermöglichen», sagt Daniela Bigler Billeter.

Weitere Informationen und Anmeldungen für die Wandergruppe: www.alz.ch/zg oder unter 041 760 05 60.