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«Schreiben nach Gehör»: Wann kommt der Rotstift zum Einsatz?

Das Konzept «Schreiben nach Gehör» stösst schweizweit auf Kritik. Im Kanton Zug wird das Thema demnächst im Bildungsrat behandelt. Erste Regeln werden ab der zweiten Primarklasse eingeführt und auch korrigiert, das soll so bleiben.
Andrea Muff
«Lautgetreues Schreiben» steht in der 1. Primarklasse im Kanton Zug im Fokus. (Symbolbild: Pius Amrein (20. Oktober 2016))

«Lautgetreues Schreiben» steht in der 1. Primarklasse im Kanton Zug im Fokus. (Symbolbild: Pius Amrein (20. Oktober 2016))

Die Methode «Schreiben nach Gehör», auch «Lesen durch Schreiben» oder «lautgetreues Schreiben» genannt, sorgt momentan in der Schweiz für Diskussionen. Bei dieser Methode zücken die Lehrer bei Sätzen wie etwa «Ich spile gern Fusball in meiner freizeid» nicht den Rotstift. Der Kanton Nidwalden hat kürzlich beschlossen, das lautgetreue Schreiben ab der 2. Primarklasse explizit vom Unterricht auszuschliessen. Das heisst: Nidwaldner Lehrer müssen künftig spätestens ab der 2. Klasse die Rechtschreibefehler korrigieren. In der 1. Klasse ist das lautgetreue Schreiben weiterhin erlaubt.

Im Kanton Zug wird ab dem Schuljahr 2019/20 der Lehrplan 21 eingeführt. Die Bildungsdirektion hat nun den jetzigen Lehrplan mit dem Lehrplan 21 verglichen. In diesem werden gewisse Rechtschreiberegeln gar früher eingeführt als beim jetzigen Lehrplan. Momentan steht «lautgetreues Schreiben» in der 1. Primarklasse im Fokus und dies bleibe auch in Zukunft so. «Die ersten Regeln kommen dann in der 2. Klasse», präzisiert Bildungsdirektor Stephan Schleiss.

Bis Ende 2. Klasse werden etwa folgende Regeln eingeführt: Eigennamen und konkrete Nomen gross, richtige Wortabgrenzung, Satzanfang gross, Punkt am Satzende, sch-Schreibung, sp-/st-Schreibung, ng-Schreibung, gebräuchliche abstrakte Nomen gross und Satzschlusszeichen. «Darüber hinaus ist es an der Lehrperson, das Tempo in Sachen Orthografie den Fähigkeiten der Schüler anzupassen», erklärt Stephan Schleiss weiter. «Die Frage wird sein, wie die Lehrmittel diese Regeln aufnehmen.»

Dass es aber heute öfters zu bildungswissenschaftlichen Diskussionen komme, liege vor allem daran, dass die Frage nach der Wirksamkeit öfters aufgeworfen wird. «Wir schenken diesen Fragen heute im Kanton Zug mehr Beachtung», sagt der Bildungsdirektor. So werde auch der kantonale Bildungsrat an der nächsten Sitzung am 5. Dezember über die Methode informiert. «Aufgrund der gegenwärtigen Diskussion zur Rechtschreibung wollen wir unseren Kenntnisstand à jour bringen», erklärt Stephan Schleiss, weshalb «lautgetreues Schreiben» im Bildungsrat traktandiert worden sei. Weiter verweist der Bildungsdirektor darauf, dass die Grundfertigkeiten Rechnen, Schreiben und Lesen beim Bildungsrat «hoch im Kurs» stehen. So habe dieser entgegen des Vorschlags der Deutschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) die Mathematik- und Deutsch-Lektionen zu erhöhen. Allgemein sei man im Kanton Zug bezüglich Rechtschreibung auf einem guten Weg, wie es auf Nachfrage bei der Bildungsdirektion heisst.

Lehrpersonen sollen zu Höchstleistungen anspornen

Stephan Schleiss sieht in der besagten Lernmethode Vor- und Nachteile. «Schreiben nach Gehör» führe rascher zu freien Texten. Sein Beispiel: «Ich schpile ser gern fusbal. Am libsten bin ich Schtürmer» statt «Mimi ist im Garten». Als Gegenargument zählt er auf, dass sich falsche Formen einschleichen können. «Die Frage ist, wann Regeln eingeführt werden, um Kreativität und Rechtschreibung zusammenzuführen», schlussfolgert Schleiss. Denn beim Schreibprozess sollen «Kreativität und Regeln Hand in Hand gehen». Der Lehrplan 21 bilde dazu einen guten Rahmen, so der Bildungsdirektor. «Der Schlüssel sind Lehrpersonen, die ihre Schüler in Kreativität und Rechtschreibung zu Höchstleistungen anspornen», findet Stephan Schleiss.

Der Lehrerinnen- und Lehrerverein Kanton Zug (LVZ) betont vor allem die Freiheit der Lehrpersonen, die Methode selbst zu wählen. «Die meisten Lehrpersonen machen einen Mix aus lautgetreuem Schreiben und Rechtschreibung», erklärt Barbara Kurth, Präsidentin des LVZ. Im Verein habe man sich mit der Diskussion zu «Schreiben nach Gehör» aber noch nicht abschliessend beschäftigt. Sie fügt hinzu: «Es ist wichtig, dass bei den Schülern die Freude an der Sprache geweckt wird.»

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