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Zuger Strafgericht: Familie soll Schwiegertochter eingesperrt haben

Ein Mann und dessen Eltern werden beschuldigt seine Ehefrau eingesperrt, sie bedroht und sie mit Gewalt an der Flucht gehindert zu haben. Das bestritten die drei Angeklagten am ersten Verhandlungstag vehement.
Christopher Gilb
Drei Mitglieder einer Familie aus dem Kosovo stehen derzeit vor dem Zuger Strafgericht(Bild: Werner Schelbert)

Drei Mitglieder einer Familie aus dem Kosovo stehen derzeit vor dem Zuger Strafgericht
(Bild: Werner Schelbert)

Ein Mann zeigt seinem besten Freund ein Foto. Darauf zu sehen ist seine Nachbarin aus Kindheitstagen im Kosovo. Dem Freund heute Schweizer aber ebenfalls im Kosovo geboren, gefällt, was er sieht. Sie kommt in die Schweiz. Im Juli 2014 heiratet die heute 29-Jährige den heute 41-jährigen Verkäufer in seiner Zuger Wohngemeinde.

Sie zieht zu ihm. Er aber lebt nicht allein. «Sie ist die böseste Frau auf der Welt», sagt sie gestern vor dem Zuger Strafgericht über ihre 60-jährige Ex-Schwiegermutter. «Ich habe gleich gedacht, mit den Schwiegereltern in der gleichen Wohnung das funktioniert nicht», sagt ihr ehemaliger Nachbar aus dem Kosovo, der als Zeuge gekommen ist. Sie habe unter anderem nur selten duschen und an freien Tage nicht ausschlafen dürfen. Weil die Schwiegermutter sie jeweils rabiat geweckt habe. Und mehr: Laut Anklageschrift wurde sie von der Schwiegermutter ab Juli 2014 teils regelmässig bis zu zwei Stunden in der Familienwohnung eingesperrt. Als einziges Mitglied der Familie habe sie für diese keinen Schlüssel besessen. Ihr Ehemann habe sie zudem öfters bedroht, ihr beispielsweise gesagt, dass er sie mit einer Pistole, die er im Auto habe, umbringen werde. Der Zeuge bestätigt, eine dieser Drohungen gehört zu haben.

Sie dachte, es lege sich mit der Zeit

Am 6. April 2016 kam es dann zur Eskalation. Bei einer Auseinandersetzung in der Familienwohnung, bei der ihr Mann der 29-Jährigen anscheinend auch den Reisepass wegnahm, habe er sie gegen die Schulter gestossen, sodass sie das Gleichgewicht verloren und zu Boden gefallen sei. Bei ihrer darauffolgenden Flucht habe er sie im Treppenhaus gestoppt, festgehalten und mit Hilfe seiner Eltern in die Wohnung zurückgebracht. Sie habe dabei unter anderem ein Quetschtrauma erlitten. Es sei ihr dann aber doch gelungen zu fliehen und die Familie anzuzeigen.

«Ich will mir die Situation vorstellen», so die Richterin gestern. «Ihre Schwiegermutter ging also regelmässig einkaufen und spazieren und schloss Sie derweil ein, und Sie sagten nichts?» «Ich dachte, ich muss das am Anfang ertragen, antwortet sie. «Ich dachte, das legt sich mit der Zeit.» Zudem habe sie ja immer wieder ihren Mann aufs Schlüsselproblem hingewiesen. Wo denn die Wohnungsschlüsse gewesen seien, wenn sich alle in der Wohnung aufgehalten hätten? «Nicht an der Türe», sagt sie. Diese sei zwar manchmal auch offen gewesen. «Ich hätte aber nicht rausgehen dürfen.» Und wieso es dann irgendwann eskaliert sei? «Ich hatte wohl keine Hoffnung mehr.» Sie hätten nämlich eine eigene Wohnung gefunden gehabt, ihr Mann habe diese aber wegen seiner Mutter abgelehnt. «Alle haben einfach auf die gehört», bilanziert sie. Die Anwälte des Sohnes, der Mutter und des 62-jährigen Vaters wollen dies aber nicht so stehen lassen.

Anwälte haken nach

«Hatten Sie in der Wohnung Zugriff auf einen ständigen Internetzugang?», will einer der Anwälte wissen. Sie bejaht, aber die Schwiegermutter habe diesen manchmal abgestellt. Aber sei sie nicht sogar häufig zusammen mit dieser einkaufen gewesen? Manchmal ja, aber sie wäre lieber mal alleine gegangen. Sei sie nicht mit ihrem Mann gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Velofahren nachgegangen? Aber nur die Hobbys, die er gewollt habe. Aber Sie seien doch auch in einer albanischen Disco gewesen? Aber nur weil ihre Anwesenheit explizit gewünscht worden sei. Und der Besuch bei Ihrer Schwester in Deutschland? Nur weil ihr Mann auch seinen Onkel habe besuchen wollen.

Dann kommen die Angeklagten zu Wort. Seit Jahrzehnten wohne er hier und habe weder Probleme mit Behörden noch mit anderen Menschen gehabt», so der Vater gekränkt. «Es war alles gut, bis diese Dame kam». Sie habe die 29-Jährige wie eine Tochter behandelt, sagt die Mutter. Und der Sohn erzählt, was er alles für sie gemacht habe. Vom Organisieren des Deutschkurses, bis zur Hilfe beim Führerschein. Und alles habe er bezahlt. «Ich wollte eine Familie aufbauen.»

Die Drei bestreiten alle Tatvorwürfe vehement. Auch am 6. April sei alles ganz anders gewesen. Nach einem Streit sei er runtergegangen, um sie zu bitten, noch einmal hochzukommen, um in Ruhe zu reden, so ihr Ex-Mann. Der Vater habe dann empfehlen rauszugehen, um bei einem Spaziergang den Kopf etwas abzukühlen, mehr nicht. Und auch das mit dem Einsperren stimme nicht. «Es war immer jemand zu Hause oder es hing ein Schlüssel», so der 41-Jährige. «Hätte ich gewusst, wie wichtig ihr ein solcher ist, hätte ich einen bestellt.» Er habe auch eifrig nach Wohnungen gesucht aber keinen Erfolg gehabt. «Aber wieso, habe er dann die eine Wohnung abgelehnt?», fragt das Gericht. Sie sei zu teuer gewesen und nicht geeignet bei seinen Arbeitszeiten, behauptet er.

Am 21. November werden nun die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafen von einem und zwei Jahren.

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