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Warme Klänge in der kalten Nacht in Cham

Mit spanischen und lateinamerikanischen Kompositionen verzauberte und begeisterte die Musikgesellschaft Cham unter der Leitung von Anita Spielmann die Zuhörer.
Haymo Empl
Die Musikgesellschaft Cham spielte ein leidenschaftliches Jahreskonzert im Lorzensaal. (Bild: Stefan Kaiser (25. November 2018))

Die Musikgesellschaft Cham spielte ein leidenschaftliches Jahreskonzert im Lorzensaal. (Bild: Stefan Kaiser (25. November 2018))

Das Konzert der Musikgesellschaft Cham hätte zeitlich nicht besser passen können. Noch steht Weihnachten nicht vor der Tür und genau deshalb sehnte man sich nach etwas Wärme. Nicht nur im Lorzensaal Cham. Das Publikum erschien in grosser Anzahl, und so musste kurzerhand die Galerie zum Saal werden. Es kamen ganz offensichtlich mehr Zuschauer als ursprünglich angenommen.

Nicht nur die «üblichen Kulturverdächtigen» erschienen, sondern ein Publikum, welches sonst eher selten an klassischen Veranstaltungen erscheint, inklusive «Kind und Kegel». Schon alleine das gab der Veranstaltung eine lebhafte, positive Note.

Ein selten bunter Mix von Zuhörern

Begleitet wurde das Blasorchester vom Solisten Luciano Jungman mit seinem Bandoneon, auch er sorgte schon nur mit seinem Namen für die «Pasión». Aber der Reihe nach: Ein fast voller Saal, das Herzblut der Musiker und die kurzen verbalen Intermezzi zwischen den Stücken schienen also bereits vor dem ersten Ton angekommen zu sein. Selten sah man sonst einen so guten und bunten Mix der Zuhörer.

«The Mask Of Zorro» kurz nach dem Opening faszinierte schon alleine durch die Geschichte des gleichnamigen Films. Um sich historisch jeweils verorten zu können: Durch die guten und klugen verbalen Einleitungen wusste man jeweils sofort, wo man sich befand: in diesem Falle zu Zeiten des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges in den 1820er-Jahren. Der geheimnisvolle und maskierte Kämpfer Zorro setzte sich dabei für das Volk gegen den Tyrannen Don Rafael Montero ein und kämpfte mit Degen und Peitsche für Gerechtigkeit und die Freiheit seines Volkes. $

Die Filmmusik von James Horner untermalte mit spannenden Abenteuermelodien, spanischen Rhythmen und wildem Galopp diesen Filmklassiker. Bereits hier zeigt sich, wie Anita Spielmann und das Orchester es verstanden, entsprechende Stimmungen auf den Punkt zu bringen. Man wähnte sich innert Sekunden in besagtem Film – oder einer Szenerie – und wurde musikalisch hin- und hergerissen.

Die Tempi stimmten, die Einsätze sowieso und das «Feuer» sowie die Dramatik übersprangen auf die Audienz, die sich jeweils fast genau so feurig mit einem Zwischenapplaus bedankte. Selten war ein Konzert einer doch eher kleineren Musikgesellschaft dermassen fulminant.

Das Königreich Aragon gehörte im Mittelalter zu den bedeutendsten Herrschaftsgebieten Spaniens. Es erstreckte sich vom heutigen Valencia über die Balearen und Barcelona bis nach Sardinien, Sizilien und Süditalien. Isaak Albéniz griff in seiner Komposition Elemente der traditionellen Volksmusik der Region auf und liess so verspielte Tänze neben langsameren Balladenthemen erklingen.

Hier zeigte sich dann erneut, wie Leidenschaft klingen konnte. An dieser Stelle wurde dann auch klar, wie begeistert die Musiker von Ihren Instrumenten waren – denn so viel Feuer erstaunte dann doch. Nur, um wieder an den richtigen Stellen Contenance zu bewahren, um rechtzeitig wieder leicht vulgär bereit zu sein für Carmen.

Und dann kam natürlich: Carmen!

Es muss natürlich gesagt werden, dass ein Stück wie Carmen es generell schwierig hat. Denn kaum sonst in der neueren klassischen Musik wurde ein Stück in den vergangenen zehn Jahren öfter aufgeführt als Carmen. Wenn eine «Carmen» dann aber effektiv das Feuer erhält wie durch die Musikgesellschaft Cham mit ihrer eigenen Version, dann fällt es extrem schwer, überhaupt auf den Sitzen zu bleiben. Der Glanz der verschiedenen Instrumente im Lorzensaal am vergangenen Sonntag war schlicht ergreifend und vermochte der Tragik des Stücks (im gesamten Kontext) letztendlich auch die notwendige Tiefe zu verleihen.

Feuer im Innern, Herbst vor der Tür

Im zweiten Teil streute Luciano Jungman reine Bandoneon-Solostücke ein. Hier wurde dann klar, was man mit einem derartigen Instrument anstellen kann, wenn es im richtigen Rahmen präsentiert wird – und das Instrument derart meisterlich beherrscht wie der gebürtige Argentinier. Der Zuger Musiklehrer mit seiner unbändigen Passion für sein Instrument im Blut liess vergessen, dass draussen in Cham bereits tiefster Herbst angebrochen war.

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