Warum Autos zur Steuersünde werden

Fahrzeuge mit ausserkantonalen Kennzeichen müssten in der Nacht ausserhalb des Kantons Zug parkiert sein. Offenbar gibt es aber Zuger, die seit Jahren ein Auto fahren und in Zug parkieren, an dem keine Zuger Nummer angebracht ist.

Charly Keiser
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Wer in Zug wohnt, benötigt auch fürs Auto eine Zuger Nummer. (Foto: Stefan Kaiser (Zug, 12. Februar 2018))

Wer in Zug wohnt, benötigt auch fürs Auto eine Zuger Nummer. 
(Foto: Stefan Kaiser (Zug, 12. Februar 2018))

Sehr viele Leute fänden es mondän, permanent mit einem ausserkantonalen Kennzeichen herumzufahren, schreibt ein ­Leser in einer Mail an unsere Zeitung und fügt an: «In Zug sind täglich zahlreiche Autos mit GR-, OW- und ZH-Schildern zu sehen, die offenbar von Leuten gefahren und in den Tiefgaragen parkiert werden, die in Zug wohnen.»

Damit verstossen diese Fahrzeughalter gegen die Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, kurz Verkehrszulassungsverordnung genannt, wie Markus Feer, Leiter des Strassenverkehrsamts des Kantons Zug, erklärt. Wer nämlich in einen anderen Kanton zieht, muss sich dort anmelden. Im entsprechenden Merkblatt des Zuger Strassenverkehrsamts steht: «Innerhalb von 14 Tagen seit der Wohnsitzanmeldung im Kanton Zug müssen Sie Ihr Fahrzeug mit Zuger Kontrollschildern versehen.»

Nachtparkplatz für den Standort massgebend

Grundlage für den obligatorischen Nummernwechsel ist besagte Verordnung. Darin steht, dass die Zulassungsbehörde des Standortkantons dem Halter den Fahrzeugausweis erteilt. «Als Standort gilt der Ort, wo das Fahrzeug nach Gebrauch in der Regel für die Nacht abgestellt wird», heisst es da. Der Wohnsitz des Halters gelte als Standort, bei Fahrzeugen, die während der Woche ausserhalb des Wohnsitzkantons des Halters verwendet und durchschnittlich mindestens zweimal im Monat über das Wochenende im Wohnsitzkanton des Halters untergebracht würden.

Des Weiteren bei Fahrzeugen, die in verschiedenen Kantonen je weniger als neun zusammenhängende Monate verwendet würden, und bei Fahrzeugen mit gleicher Standortdauer innerhalb und ausserhalb des Wohnsitzkantons des Halters. Der Hintergrund, warum die Autos ebenfalls einen «Wohnsitz» haben müssen, liegt bei den Steuern. Denn dort, wo das Auto nächtigt, «wohnt» es genauso wie gemeldete Personen. Eine Ausnahme gibt es, wie oben beschrieben, ähnlich wie bei Wochenaufenthaltern in Fleisch und Blut. Und der Wohnsitz oder Standort begründet den Kanton, wo die Steuern bezahlt werden müssen. Im Falle von Fahrzeugen sind das die Motorfahrzeugsteuern, die dem «Wohnkanton» entgehen, wenn ein Fahrzeug zwar dort «wohnt», aber mit einer Autonummer eines anderen Kantons auf den Strassen herumfährt.

Servicepersonal vor Ort

Er illustriere die Situation immer anhand einer schweizweit tätigen Firma, die in allen Regionen mit Angestellten vertreten sei, die für Unterhalt, Reparatur und Serviceleistungen verantwortlich zeichneten, erklärt Markus Feer. «Das Firmenauto ist angeschrieben und trägt ein Kennzeichen des Kantons, wo der Servicemann wohnt und eben nicht, wo die Firma ihr Domizil hat. Die Rechnung für die Fahrzeugsteuern schicken wir an die ausserkantonale Firma. Diese regelt den allfälligen Privatanteil und alles Weitere mit ihrem Mitarbeiter.» Er wisse von mehreren Fahrzeugen, die auf Firmen in Zürich eingelöst seien, aber fast das ganze Jahr über in Zug parkiert seien, schreibt der Leser in seiner Mail weiter: «Meines Wissens muss das Auto aber eingelöst sein, wo es in der Nacht parkiert ist.» Ob der Kanton Zug in diesem Nummernspiel in der Summe gewinnt oder draufzahlt, kann nur vermutet werden. Da in Zug überdurchschnittlich viele Firmen ihren Sitz haben, könnte es gut sein, dass in andern Kantonen Fahrzeuge mit Zuger Kennzeichen auffallen und letztlich der Kanton Zug wohl unter dem Strich eher profitiert.